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Weltkulturerbe in moderner Umgebung: Rund um die Kaiserpfalz in Goslar entsteht ein neues Quartier

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11:00 13.01.2020
Wo heute noch Autos parken, stand jahrhundertelang der Goslarer Dom. Künftig soll hier eine Grünanlage entstehen. Quelle: Heidi Niemann
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Goslar

Rund 200 Jahre lang war Goslar die erste Adresse für deutsche Könige und Kaiser: 1009 fand in dem Residenzort am Fuß des Harzer Rammelsberges die erste Reichsversammlung statt, bis 1253 wurde dort an Reichs- und Hoftagen deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Von dieser bedeutsamen Vergangenheit zeugt heute vor allem die Kaiserpfalz. Seit 1992 gehört der Pfalzbezirk mit der Altstadt und dem früheren Bergwerk Rammelsberg zum Weltkulturerbe der Unesco. Das Kaiserhaus, einst der größte Profanbau in Deutschland, ist eine der touristischen Hauptattraktionen in Goslar.

Beeindruckendes Bauwerk – triste Umgebung

Weniger attraktiv ist allerdings das Drumherum, doch das will die Stadt jetzt mit einem Großprojekt ändern: Ein neues Quartier soll das Areal um die Kaiserpfalz aufwerten. Dazu gehören unter anderem ein Hotel, eine Tiefgarage und eine Multifunktionshalle. Außerdem soll der bislang als Parkplatz genutzte Domplatz zum Stiftsgarten umgestaltet werden. Die Architektenwettbewerbe sind abgeschlossen, bis etwa 2025/2026 soll das Millionenprojekt realisiert werden. Genaue Kosten stehen noch nicht fest.

Nach dem Abriss der früheren BGS-Kasernen sollen auf dem Gelände unterhalb der Kaiserpfalz ein Hotelkomplex und eine Multifunktionshalle entstehen. Zum Gebäudeensemble gehört außerdem eine Tiefgarage. Die Parkplätze auf dem Domplatz fallen dann weg. Quelle: Nieto Sobejano Arquitectos GmbH

Romanik trifft auf Waschbeton

Bislang stoßen Besucher der Kaiserpfalz auf eine große Diskrepanz. Das lang gestreckte Kaiserhaus, das unter dem Salierkönig Heinrich III. errichtet wurde, ist ein beeindruckendes Bauwerk der Romanik. Steht man vor dem Gebäude auf der Freitreppenanlage mit den Nachbildungen des Braunschweiger Löwen und den Reiterstandbildern der Kaiser Barbarossa und Wilhelm I., sieht man links die Altstadt mit ihren 1500 Fachwerkhäusern und zahlreichen Kirchtürmen. Schwenkt man den Blick im Uhrzeigersinn weiter, wird es jedoch trist: Unterhalb der Pfalzwiese, wo einst der Goslarer Dom stand, parken Autos und Reisebusse, weiter rechts stehen hässliche Waschbetonbauten und einstige Kasernen des Bundesgrenzschutzes (BGS). All dies passt so gar nicht zu den Weltkulturerbestätten.

Investor mit Sinn für die Stadt

1998 hat der BGS den Standort aufgegeben. Die Stadt hatte danach das historisch wertvolle Areal vom Bund erworben. Lange Zeit habe man jedoch keine rechte Idee gehabt, wie das Areal künftig genutzt werden sollte, sagt Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk. Kurzzeitig gab es Pläne für ein Shoppingcenter, die man wieder verwarf. 2014 kam dann der entscheidende Anstoß: Die Stadt unterzeichnete eine Entwicklungsvereinbarung mit der ortsansässigen TesCom GmbH & Co.KG, die zur Unternehmensgruppe des Goslarer Ehrenbürgers Hans-Joachim Tessner gehört und als Investor auftritt. In den Folgejahren wurde in einem mehrstufigen Beratungs- und Entscheidungsprozess, an dem neben Rat und Verwaltung auch die Bürger der Stadt beteiligt waren, über ein städtebauliches Gutachten und dessen konkrete Umsetzung für das sogenannte Kaiserpfalzquartier diskutiert.

Langer Planungsprozess und zwei Siegerentwürfe

„Das ist ein städtebaulicher Prozess, wie ihn die Stadt Goslar in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt hat“, sagt Junk. Am Ende des Marathons gab es zwei Wettbewerbe, einen für die Hochbauten und einen für die Gestaltung des Domplatzes. Den Architekturwettbewerb gewann das Büro Nieto Sobejano Arquitectos GmbH aus Berlin. Nach dem einstimmigen Votum der Jury wird der Entwurf für die beiden vorgesehenen Gebäudekomplexe Hotel und Veranstaltungshalle dem Welterbe-Status am besten gerecht. Auch der Oberbürgermeister ist begeistert: „Das ist eine kraftvolle, zeitgenössische Architektur.“ Auch beim Freiraumwettbewerb war sich das Preisgericht einig. Die Jury kürte den Entwurf des hannoverschen Landschaftsarchitekturbüros nsp von Christoph Schonhoff zum Sieger. Dieses hat in Goslar schon seine Spuren hinterlassen: 2016 gewannen die Hannoveraner den Wettbewerb um die Neugestaltung der Wallanlagen.

Autos und Busse kommen in die Tiefgarage

Diesmal ging es um die Gestaltung des Geländes am Fuß der Kaiserpfalz, wo einst der Goslarer Dom gestanden hatte. Dieser ehemals größte romanische Kirchenbau rechts des Rheins war im 19. Jahrhundert abgerissen worden. Nur die Vorhalle des einstigen Nordportals steht noch – die allerdings wegen der vielen Autos und Reisebusse auf dem Domplatz nicht richtig zur Geltung kommt. Die Fahrzeuge werden künftig in einer Tiefgarage verschwinden, die unter den neuen Gebäuden des Kaiserpfalzquartiers entstehen wird.

So soll der bislang als Parkplatz genutzte Domplatz am Fuße der Kaiserpfalz künftig aussehen: Innerhalb einer Kreisfläche deuten Betonplatten bruchstückhaft die Fundamente der einstigen Stiftskirche an. Ein rund 30 Meter hoher Metallstab markiert die Höhe des einstigen Kirchenbaus. Quelle: nsp christoph schonhoff, landschaftsarchitekten stadtplaner

2019 stellte sich bei Georadarmessungen heraus, dass die Stiftskirche nicht vollständig abgetragen wurde, sondern noch Fundamente im Boden liegen. Zur Überraschung der Denkmalpfleger war der Grundriss im Untergrund deutlich zu erkennen. Der Siegerentwurf lässt sich davon inspirieren, zeichnet den Kirchengrundriss aber nicht penibel nach, sondern markiert die historische Stätte durch einen Kreis, der von einem Ring aus geschliffenem Beton eingefasst ist und eine Art „Lupe in die vergangene Zeit“ darstellen soll. In diesen Kreis werden Informationen über die Geschichte des Domes eingelassen und Lichtquellen integriert, im Kreisinneren sollen Betonplatten bruchstückhaft den Grundriss der Stiftskirche nachzeichnen. Flankiert wird das Ganze von einem rund 30 Meter hohen Metallstab, der die Höhe der ehemaligen Stiftskirche markiert.

Kritik an Entwurf für den Domplatz

Der Entwurf ist allerdings umstritten, manchen ist er zu abstrakt. Vertreter des Geschichtsvereins Goslar und anderer Gruppierungen kritisierten in einem offenen Brief, dass die Lage und Ausdehnung der einstigen dreischiffigen Basilika nicht hinreichend visualisiert werde. Oberbürgermeister Junk kann mit der Kritik gut leben, freut sich sogar darüber. „Dies zeigt, dass der Bürgerschaft die Stadt nicht gleichgültig ist.“ Die Bürger können sich demnächst selbst ein Bild machen: Vom 16. Januar bis zum 15. März sind im Goslarer Museum in einer Ausstellung die Entwürfe des Freiraumwettbewerbs zu sehen.

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Von Heidi Niemann

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