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Der Norden Hohe Hürden für private Windräder: Umweltschützer startet Petition
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Windräder: In Niedersachsen läuft eine Petition für private Windkraftanlagen

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07:07 03.02.2020
Mikrowindanlagen werden meist von Privatleuten aufgestellt. Quelle: Günther Hacker
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Hannover

Marco Warstat kommt sich manchmal vor wie Don Quijote. Statt wie die spanische Romanfigur beharrlich gegen Windmühlen zu kämpfen, setzt er sich allerdings für den Bau kleiner Windräder ein und reitet dabei, wie er sagt, gegen Gesetzesmühlen. Der Seegutkontrolleur aus Buchholz in der Nordheide will ein Mikrowindrad auf seinem Hausdach installieren lassen, hat den Plan aber vorerst auf Eis gelegt. „Bisher haben mich der dichte Behördendschungel und die Kosten für eine Baugenehmigung und vielleicht noch ein Gutachten abgeschreckt“, sagt der engagierte Umweltschützer. Nun versucht er mit einer Petition, Privatleuten landesweit das Aufstellen kleiner Windräder leichter zu machen.

Baugenehmigung ist oft kostspielig

Noch sind die Hürden in Niedersachsen am höchsten. Die Zahl bestehender Kleinwindanlagen im Land ist nirgends erfasst, das Land ist in puncto Genehmigung jedenfalls deutlich restriktiver als andere Bundesländer. Auch für Anlagen bis zehn Meter Gesamthöhe bedarf es hier einer – oft kostspieligen – Baugenehmigung. Dagegen gilt beispielsweise im Saarland bis zu dieser Höhe grundsätzlich eine Genehmigungsfreiheit. Auch Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen sind großzügiger, schränken die Freiheit allerdings in reinen Wohngebieten ein. Weitere Bundesländer wie Schleswig-Holstein zeigen sich liberal.

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Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) schätzt den möglichen Beitrag kleiner Windräder zum Klimaschutz eher gering ein. „Kleinwindenergieanlagen sind als ein kleiner Baustein, gleichwohl nicht als tragendes Element der Energiewende zu sehen“, sagt ein Ministeriumssprecher. Aufgrund der potenziellen Beeinträchtigungen von Nachbarn – etwa durch unzumutbare Geräusche und Dauerlichtreflexe, die sich in Siedlungsgebieten ergeben könnten – habe Niedersachsen bewusst an der Erfordernis vereinfachter Baugenehmigungsverfahren festgehalten.

Marco Warstat in seinem Garten: Auf dem Dach oder auf einem Mast im Garten würde er das Mikrowindrad gern aufstellen. Quelle: privat

Viele niedersächsische Kommunen sind, etwa als Aktionäre, mit der Großenergiebranche verflochten und legen vielleicht auch deshalb keinen Wert darauf, dass Privatleute ihren Strom selbstständig erzeugen. Einzelne Städte versuchen jedoch, privaten Investoren unter die Arme zu greifen. In seinem Heimatort Buchholz erreichte Warstat im vergangenen Jahr, dass die Kommune kleine Windanlagen fortan aus ihrem Fördertopf „Stadtklima" unterstützt – mit 750 Euro pro Einzelanlage. „Um die Anschaffung im Sinne des Klimaschutzes zu fördern, sind die Anlagen in die Förderrichtlinie aufzunehmen“, hieß es in dem Antrag der örtlichen SPD. Schließlich schlage eine Genehmigung mit 300 bis 400 Euro zu Buche. Da eine kleine Anlage im Durchschnitt etwa 5000 Euro koste, seien die Gebühren im Verhältnis arg hoch.

Schüler bauen eigene Windräder

Warstat nahm den Teilerfolg zum Anlass, eine Onlinepetition „Förderung von Mikrowindanlagen in Niedersachsen“ an die Landesregierung zu richten. Unterstützung erhält er unter anderem von Windradbauer Günther Hacker aus dem Schwarzwald, der bundesweit mit Schulen zusammenarbeitet. „Auch Schüler in Niedersachsen bauen in Projekten meine Windräder nach, dürfen sie aber in der Regel nicht aufstellen“, sagt er. Es ärgere ihn, dass er Interessenten sagen müsse, dass ihr Standort zwar perfekt für ein Windrad wäre, sie aber leider im falschen Bundesland wohnten.

Der Bundesverband Kleinwindanlagen fordert ebenfalls mehr Unterstützung. „Niedersachsen ist das schwierigste Land“, sagt Regionalsprecher Hartwig Schwieger in Celle. Hierzulande würden die kleinen Anlagen fast nur in Gewerbegebieten oder bei Landwirten genehmigt, doch auch diese kämen häufig nicht mit ihrem Wunsch durch. Privatleute, selbst wenn sie windgünstig ein großes Grundstück am westlichen Ortsrand besitzen, hätten kaum eine Chance. Das Celler Unternehmen PSW, wo Schwieger Geschäftsführer ist, liefert das Gros seiner Kleinwindanlagen daher in andere Länder.

Nach Einschätzung des Branchenverbandes schädigen übliche Kleinwindanlagen weder Landschaftsbild noch Natur. „Es gibt zum Beispiel keine Probleme mit Vögeln oder Fledermäusen“, sagt Schwieger. Dennoch würden Anlagen für den Eigenbedarf in Niedersachsen praktisch wie Riesenwindräder behandelt, dabei hätten sie nicht mal ein Prozent der Fläche einer großen Windkraftanlage. Gute Kleinwindanlagen seien zudem so leise, dass man sie außer bei starkem Wind auch im Nahbereich nicht höre.

Das sind Kleinwindanlagen

Das Spektrum der Kleinwindanlagen ist breit, zwischen Mikro-, Mini- und Mittelwindanlagen gibt es keine klare Abgrenzung. Neben dem gängigen Konstruktionstyp mit horizontaler Achse und drei Rotorblättern finden sich auch andere Bauformen, unter anderem mit vertikaler Rotorachse. Der Branchenverband Kleinwindanlagen definiert Mikrowindanlagen anhand ihres Rotordurchmessers bis zu drei Metern. Sie werden in der Regel von privaten Hausbesitzern aufgestellt und sind oft an eine Batterie gekoppelt.

Dagegen werden Miniwindanlagen bis 30 Kilowatt (kW) gern von Gewerbebetrieben und Landwirten genutzt. Sie sind bis zehn Meter hoch und haben einen Rotordurchmesser bis sieben Meter. Formal zählen in Deutschland Windkraftanlagen bis 50 Meter Gesamthöhe und einer Leistung bis 50 kW zu den Kleinwindanlagen. In der Praxis erbringen mittelgroße Kleinwindanlagen meist höchstens 30 kW und sind nur selten höher als 30 Meter.

Während für große Windräder, die bis 200 Meter hoch sind, nach Bundesrecht Vorrangflächen ausgewiesen werden, unter anderem um eine „Verspargelung“ der Landschaft zu verhindern, fallen kleine Windanlagen genehmigungsrechtlich nicht darunter, sondern werden vorwiegend durch die Bauordnungen der Bundesländer gesteuert.

Bald Mikrowindanlage in Laatzen

In der Region Hannover soll immerhin bis zum Herbst dieses Jahres eine Mikrowindanlage an prominenter Stelle installiert werden – neben dem Gartenhaus im Park der Sinne in Laatzen. „Aktuell laufen Vorbereitungen zur Vergabe von Statik und Bauantragstellung“, sagt ein Stadtsprecher. Da die Anlage vom Enercity-Klimafonds gefördert und von der Stadt Laatzen aufgestellt werde, gefährde ein Betreiberwechsel im Gartenhaus das Projekt nicht.

Marco Warstat in Buchholz will jetzt erst einmal die Fotovoltaikanlage auf seinem Hausdach erweitern. Anschließend will der 45-Jährige einen zweiten Anlauf unternehmen, ein Kleinwindrad aufzustellen – anders als zunächst geplant nun auf einem Mast in seinem Garten. Warstat hält es für wichtig, dass jeder versucht, zur Energiewende beizutragen. „Bei schönem Wetter kommt der Strom von der Sonne“, hofft er. „Ist der Himmel bedeckt, übernimmt das Mikrowindrad die Stromerzeugung.“

Von Gabriele Schulte

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