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Der Norden Frau getötet: Wolfsburger muss wegen Totschlags elf Jahre in Haft
Nachrichten Der Norden

Wolfsburger tötet Ehefrau mit Messer – elf Jahre Haft

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21:31 17.12.2019
Kurz vor dem Urteil: Beim angeklagten Ukrainer (Mitte) war während der Verhandlung von Reue nichts zu sehen. Quelle: Steffen Schmidt
Wolfsburg

Der 47-jährige Ukrainer, der am Pfingstmontag seine Frau in der Teichbreite erstochen hat, muss für elf Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Braunschweig verurteilte ihn am Dienstag wegen Totschlags in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung. Die Staatsanwaltschaft hatte vorher auf Mord und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld plädiert und die Maximalstrafe von 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung gefordert. Der Verteidiger hingegen plädierte wegen mutmaßlicher Nähe zu einer Affekttat auf einen minderschweren Fall von Totschlag und drei Jahre Haft.

22 Schnitt- und Stichverletzungen

Das 45-jährige Opfer verstarb zwei Tage später trotz Notoperation an Multiorganversagen im Krankenhaus

An der Teichbreite: Hier fand die furchtbare Tat statt. Quelle: Boris Baschin

„Ich habe meine Frau platt gemacht“

Für das Gericht war eindeutig, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig sei. Auch eine Affekttat kam für die Kammer nicht in Frage. Dagegen spräche vor allem das Verhalten nach der Tat. „Sie haben während der gesamten Zeit keinerlei Reue oder Einsicht gezeigt“, verdeutlichte der Richter. So hatte der Angeklagte unmittelbar nach der Tat, als er nach eigener Aussage wieder zu sich kam, nicht etwa den Rettungswagen angerufen, sondern seinen Bruder. Zu ihm sagte er: „Ich habe meine Frau platt gemacht, weil sie soviel Scheiße geredet hat.“ Auch vor Gericht null Reue: Seine Frau sei Schuld an der Tat, es sei ein „Zufall“ gewesen.

Ein Gefühl des „Verrats“

Doch obwohl das Gericht die Tat als absolut „sinnlos“ und „äußerst brutal“ bewertete, konnte es sich nicht zur Verurteilung wegen Mordes durchringen. „Wir haben es uns sehr schwer gemacht“, sagte der Richter. Noch am Morgen vor der Urteilsverkündung habe die Kammer ausführlich diskutiert. Man könne die Argumentation der Staatsanwältin durchaus nachvollziehen. Diese hatte die Tat als Racheakt für die bevorstehende Trennung inklusive Umzug nach Bochum bewertet. Dafür sprachen auch einige Aussagen des Angeklagten. So hatte dieser selbst von einem Gefühl des „Verrats“ gesprochen, dass er seit 2016 in sich trage. Dort hatte ihm seine Frau das erste Mal mit Trennungsabsichten konfrontiert, es aber nach einem Selbstmordversuch ihres Mannes nochmal mit ihm probiert. Auch gegenüber dem psychiatrischen Gutachter bezeichnete er seine Frau als „Verräterin, die ihn ausgenutzt habe.“

Tötung wohl nicht geplant

Letzten Endes, so argumentierte die Kammer, gebe es aber Zweifel an den niederen Beweggründen für die Tat – eine Voraussetzung für die Verurteilung wegen Mordes. Die Tötung sei nach Ansicht der Kammer nicht geplant gewesen und die bevorstehende Trennung könne durchaus ein tiefes Gefühl der Enttäuschung bei dem Angeklagten ausgelöst haben, dass strafrechtlich nicht als niederer Beweggrund ausgelegt werden könne. „Aus der bloßen Möglichkeit einer Trennung, wurde an diesem Abend Gewissheit“, beschrieb es der Richter. Der einst in der Ukraine gut verdienenden und nun arbeitslose Juwelier würde mit Frau und Tochter die letzte verbliebene Lebensgrundlage verlieren, versuchte er eine Deutung des Motivs.

Gibt es eine Berufung?

Der Ukrainer kann sich nun auf eine lange Haftstrafe einstellen. Eine Bewährung kommt erst nach frühestens zwei Dritteln der elf Jahre in Frage. Daraus könnten aber noch mehr werden: Die zuständige Staatsanwältin kündigte schon direkt nach dem Urteil an, eine Berufung eingehend zu prüfen.

Von Steffen Schmidt

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