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Digital Ärzte werden im Internet nach Schulnoten bewertet
Nachrichten Digital Ärzte werden im Internet nach Schulnoten bewertet
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16:22 19.08.2011
Arztbesuch: Neuer Navigator ermöglicht Auswahl nach Noten. Quelle: dpa
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Berlin

Patienten können sich bei der Suche nach einem Arzt nun auch auf einem Internet-Portal des Ersatzkassenverbandes vdek informieren - und die Mediziner und deren Praxis bewerten. Auf der Internetseite www.vdek-arztlotse.de finden sich schon 150.000 Bewertungen von Patienten über Service, Organisation und Freundlichkeit des Praxis-Personals. Bewertet wird nach Schulnoten.

Daneben gebe es die Möglichkeit, seine Eindrücke und Erfahrungen frei zu formulieren, sagte der vdek-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast am Freitag in Berlin. Es geht dabei aber nicht um eine Art Ärzte-Tüv oder Internet-Pranger, bei dem Laien die medizinische Behandlung beurteilen. Deshalb sollten der Arztlotse und die Bewertungen auch nicht dazu dienen, auf die ärztliche Vergütung Einfluss zu nehmen, betonte Ballast.

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Für die Bewertung eines Mediziners ist - anders als bei einem kürzlich vorgestellten Arzt-Navigator der AOK und der Barmer GEK, bei dem für eine Veröffentlichung erst zehn Beurteilungen zusammenkommen müssen - keine Mindestzahl von Bewertungen vorgesehen. „Schmähkritik“ an dem behandelnden Arzt ist nicht zugelassen und wird von einem Team ausgebildeter Mitarbeiter ausgefiltert. Nutzer müssen sich nicht registrieren und auch nicht bei einer Ersatzkasse versichert sein.

Bei dem Internetportal greift der Ersatzkassenverband auf die Daten der gemeinnützigen Stiftung Gesundheit zurück, die bereits seit 1997 Informationen zur Arztsuche anbietet. Der Internet-Lotse enthält ein vollständiges, sehr detailliertes Verzeichnis der niedergelassenen Ärzte in Deutschland mit 240 000 Adress- und sonstigen Daten. So kann man sich darüber informieren, ob ein Mediziner Abendsprechstunden anbietet, Hausbesuche macht und ob die Praxis auch für Rollstuhlfahrer erreichbar ist.

Die Patientenbeauftragte des Berliner Senats, Karin Stötzner, lobte die Möglichkeit zur individuellen Arzt-Beurteilung. Das habe es bisher noch nicht gegeben. Der Hausärzteverband kritisierte, der neue Arztlotse suggeriere eine medizinische Überversorgung. „Wir haben aber einen Mangel an Hausärzten“, sagte der Verbandsvorsitzende Urlich Weigeldt. Ballast wies die Kritik als nicht nachvollziehbar zurück.

frx/dpa

Frerk Schenker 23.12.2011