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Digital IS reagiert auf Anonymous-Drohung
Nachrichten Digital IS reagiert auf Anonymous-Drohung
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15:32 17.11.2015
Die IS-Miliz hat offenbar auf die Drohungen der Hacker-Netzgruppe Anonymous reagiert (Symbolbild). Quelle: dpa
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Hannover

Anonymous hatte auf die Terrorserie in Paris mit martialischen Worten reagiert und dem IS den virtuellen Krieg erklärt. "Diese Attentate können nicht ungestraft bleiben", hieß es in einem am Samstag veröffentlichten Video. Darin ist eine Person im schwarzen Kapuzenpulli und mit der typischen Guy-Fawkes-Maske zu sehen. 

Wie das amerikanische Nachrichtenportal "Business Insider" schreibt, soll die Terrormiliz über den Nachrichtendienst "Telegram" Kontakt zu seinen Mitgliedern aufgenommen haben. "Öffnet keine Links, deren Quelle ihr nicht kennt", weise der IS seine Mitglieder an. "Ändert Eure IP-Adressen regelmäßig und kommuniziert im Netz nicht mit Menschen, die ihr nicht kennt." Die Instruktionen sollen in weiteren islamistischen Kanälen kursieren, in englischer und arabischer Sprache, schreibt der "Business Insider".

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Die US-Geheimdienste profitieren von den Hackern

Die globale Netzguerilla, die sich in zentralen Aktionen demokratischen Widerstands engagieren, ging schon nach den Angriffen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo gegen die Internetaktivitäten der Jihadisten vor. Dabei ging es darum, die Social-Media-Konten potenzieller IS-Anhänger zusammenzutragen und zu attackieren sowie Propagandamaterial, womit junge Kräfte rekrutiert werden sollen, aus dem Netz zu eliminieren.

Offizielle Zahlen gibt es nicht. Nach Angaben der Anonymous-Mitglieder sollen sie seit Jahresanfang rund 150 dem IS zugeordnete Webseiten zu Fall gebracht und knapp 6000 Propagandavideos sowie 100.000 Twitter-Konten gemeldet haben.

Von dem Open Source Prinzip – frei zugängliche Daten – der eigentlich illegal agierenden Hacker profitieren gerade auch die amerikanischen Geheimdienste. Die Daten hätten einen beträchtlichen Wert für die Beamten, sagte der frühere CIA-Chef David Petraeus kürzlich dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

50.000 Profile von IS-Anhängern

Wie kaum eine Terrororganisation nutzt der Islamische Staat  die virtuelle Welt für seine Zwecke. Einer Studie des US-Politikinstituts Brookings gab es im Online-Netzwerk Twitter schon 2014 rund 50.000 Profile, die den IS unterstützen. Dreiviertel der Nachrichten sollen auf Arabisch versendet worden sei, die meisten kamen aus Syrien, dem Irak, Saudi-Arabien und weiteren arabischen Ländern. Außerdem kursieren im Netz Hunderte Videos, die die Grausamkeit der Terroristen mit der Ästhetik von Hollywoodfilmen ummanteln.

IS-Konten werden im Stundentakt umbenannt

Aktuelle Listen mit Twitter-Accounts haben die Hacktivisten unter dem Hashtag #OpISIS veröffentlicht. Die Nachrichtenplattform „Foreign Policy“ warnt aber davor, alle Accounts gleich als echte IS-Konten zu identifizieren. Sollten die Informationen etwa nur rein maschinell etwa mit Google Translate ausgewertet werden, rücken dort auch Konten etwa von anderen radikalen Theoretikern in den Fokus. Zudem sind viele der Accounts bereits gesperrt oder existieren nicht mehr.

Denn für die IS-Anhängern ist mittlerweile obligat, dass sie ihre Accounts im Stundentakt umbenennen, um ihre Hassbotschaften und ihre Propaganda weiter verbreiten zu können. IT-Experten berichten außerdem, dass die Jihadisten mittlerweile die Chats von Online-Spielen für verschlüsselte Terrorabsprachen nutzen. Diese herauszufinden, sei auch für die Hacktivisten nicht einfach.

Hackergruppen professionalisieren sich

Einen Schritt weiter geht die kleine Splittergruppe GhostSec, bestehend aus ehemaligen Anonymous-Mitgliedern. Nach eigenen Angaben widmen sich die Hacker bis zu 16 Stunden am Tag, um per Handarbeit die IS-Terrorbotschaften nach oben zu spülen.

Großbritannien befürchtet Cyber-Attacken

Unterdessen befürchtet Großbritannien, dass der IS künftig groß angelegte Cyber-Attacken starten könnte. Ziele könnten unter anderem Stromversorgung, Flugverkehrskontrollen und Krankenhäuser sein, warnte der britische Finanzminister George Osborne gestern gegenüber britischen Medien. Das Land wolle die Ausgaben für die Abwehr möglicher Internetangriffe deshalb bis 2020 verdoppeln.

IT-Experte Sandro Gaycken, der sich an der FU-Berlin mit digitaler Kriegsführung beschäftigt, glaubt an ein solches Szenario derzeit nicht. Wie er dem Sender N24 sagte, verfüge der IS nicht über die nötigen Hackerkompetenzen und habe bisher nur schlecht gesicherte Webseiten und Foren angegriffen. Bisher.

Von Sonja Fröhlich

17.11.2015
17.11.2015