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Digital Momo-Challenge: Das müssen Eltern jetzt wissen
Nachrichten Digital Momo-Challenge: Das müssen Eltern jetzt wissen
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22:28 01.03.2019
Momo ist ein Kettenbrief, der über WhatsApp verbreitet wird. Quelle: Tobias Hase/dpa
Hannover

Momo ist offenbar zurückgekehrt. Betroffen sind Videos auf YouTube, die sich an Kinder richten. Sogar die Kinder App Youtube Kids ist betroffen. Laut Medienberichten soll die sogenannte Momo-Challenge Kinder zum selbstverletzenden Verhalten bis hin zu Selbstmord anleiten.

Warnung an Eltern und Kinder: Momo in Kindervideos auf Youtube

Berichten zufolge taucht Momo jetzt auch in bestimmten Youtube Videos auf. Besonders perfide: ausgerechnet in den bei jüngeren Kindern äußerst beliebten Peppa Wutz-Videos, im Original Peppa Pig genannt. Auch auf der kinderfreundlichen Variante der Videoplattform, Youtube Kids, sollen Momo-Sichtungen gemeldet worden sein. Doch Erkenntnisse des "Guardian" und der "BBC" lassen Zweifel an der medialen Darstellung aufkommen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert. Wir berichteten zuerst wie viele andere Medien über Momo in Peppa Wutz-Videos.

Zu Beginn wirken die Clips wie kinderfreundliche Videos. Nach einigen Minuten verändert sich der Inhalt jedoch zu einer Welt aus Gewalt und obszöner Sprache. In anderen Versionen fordert Momo die Kinder dazu auf, gefährliche Dinge zu tun und auf keinen Fall ihren Eltern davon zu erzählen. Unter anderem soll Momo auch bei Videos zum Spiele-Hit Fortnite gesichtet worden sein.

Gerade bei englischsprachigen Videos ist die Gefahr hoch, nach einem Beginn mit harmlosen Szenen auf Momo zu treffen. Zahlreiche britische Schulen warnen Eltern bereits vor dem makaberen Trend.

Warum macht Momo Kindern Angst?

Kinder interessieren sich für gruselige Geschichten – allerdings eher in einem geschützten Rahmen, sagt Stefanie Rack von Klicksafe, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. „In der digitalen Dimension läuft das aus dem Ruder. Die Art der Inszenierung ist nicht kindgerecht.“ Trotzdem erreicht sie die Kinder, wenn diese zum Beispiel auf WhatsApp in Gruppen aktiv sind.

Wie sollten Eltern reagieren?

Grundsätzlich sollten Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt auf Youtube surfen. Auch bei der Youtube Kids App hat sich nun gezeigt, dass sich  immer wieder mal Inhalte durchmogeln können, die für Kinder absolut ungeeignet sind.

Um wirklich ganz sicher zu gehen, besteht für Eltern jederzeit die Möglichkeit die Youtube App, sowie die Youtube Kids App auf den Smartphones und Tablets der Kinder zu sperren, beziehungsweise zu löschen.

Sollte das Kind doch schon ein Momo Video gesehen haben, sollte unbedingt das Gespräch aufgesucht werden. Schon als Momo über die Whatsapp-Kettenbriefe verbreitet wurde, riet Rack: „Es sollte klar gemacht werden, dass das eine Lüge ist und dass man sie nicht weiterverbreiten sollte“. Im Gespräch sollten die Eltern außerdem deutlich machen, dass die Bedrohung nicht eintreten werden.

Generell sollten sich Eltern aktiv mit dem Thema auseinandersetzen und nachfragen, ob es in diesem Bereich etwas Neues gibt, rät Rack. „Ängste von Kindern – auch wenn sie für Erwachsene irrational scheinen – sollte man sehr ernst nehmen.“ Man könne dann als Elternteil zum Beispiel auch von eigenen Angst Erfahrungen berichten und so zeigen, dass Angst etwas Normales ist.

Bei konkreten Drohungen oder in akuten Gefahrensituationen sollte die Polizei informiert werden, rät jugendschutz.net.

Sollten Eltern die Smartphones ihrer Kinder überwachen?

Kontrolle sei immer schlechter als Vertrauen, sagt Rack. Stattdessen sollten Kinder erst dann Zugriff auf Dienste wie WhatsApp erhalten, wenn Sie reif genug sind. „WhatsApp ist kein Messenger für Kinder“, betont Rack. Offiziell hat WhatsApp erst eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Eltern müssten einschätzen, ab wann ihre Kinder reif genug für einen Dienst wie WhatsApp seien, so Rack.

Wie entwickelte sich die Momo-Challenge

Im Fall des Momo-Kettenbriefs gab sich ein angeblich totes Mädchen als Absender aus und drohte damit, den Empfänger nachts zu besuchen, wenn die Nachricht nicht weitergeleitet wird. Das Bild, das mit Momo assoziiert wird, zeigt dabei eine japanische Skulptur.

Auch wenn beispielsweise in Medien davor gewarnt werde, sei die Verlockung, die Nachrichten weiterzusenden, hoch: „Gerade aus der Einschätzung von Minderjährigen heraus besteht immer noch die Chance, dass die Meldung doch wahr sein könnte“, teil jugendschutz.net mit.

Warum hält sich Momo so lange?

Momo ist sicherlich einer der berühmteren Kettenbriefe“, sagt Rack. Denn bei Momo kam hinzu, dass das Thema auch in anderen sozialen Medien verbreitet wurde. YouTuber behaupteten, mit Momo kommuniziert zu haben, setzten ihre „Angst“ vor dem Phänomen gekonnt in Szene. So entstand ein regelrechter Hype um Momo.
Für Jugendliche kann das alles durchaus unterhaltsam sein, ein Erwachsener dürfte Momo schnell durchschauen.

Von Anna Schughart/RND