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Digital Steinbach erntet Shitstorm für Schmidt-Tweet
Nachrichten Digital Steinbach erntet Shitstorm für Schmidt-Tweet
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14:29 11.11.2015
Mit einem Tweet zu Helmut Schmidts Tod löste Erika Steinbach (Archivbild vom Mai 2015) einen Sturm der Entrüstung aus. Quelle: Karlheinz Schindler/dpa
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Hannover/Wiesbaden

"Altkanzler Helmut Schmidt ist tot. Wir haben in unserer Fraktionssitzung seiner in Respekt gedacht", schrieb Steinbach am Dienstag auf Twitter. Dazu veröffentlichte sie – vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise – ein Schmidt-Zitat von 1981: "Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag."

"Pietätlos und schamlos"

"Sie finden es nicht pietätlos, Ihre politischen Forderungen mit dem Tod eines gerade erst verstorbenen zu verquicken?", fragte Omid Nouripour von Bündnis 90/Die Grünen auf Twitter. "Missbrauch von Helmut Schmidts Tods durch Erika Steinbach ist ungeheuerlich, pietätlos und schamlos", schimpfte Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD).

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Steinbach wurde auch von einem Parteikollegen kritisiert: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schrieb am Mittwoch auf Twitter: "Instinktlos. So etwas gehört sich nicht!" Sie reagierte darauf gelassen: "Herzlichen Dank, Herr MP, freue mich immer über Ihre Unterstützung", schrieb sie auf Twitter und versah ihren Tweet mit einem zwinkernden Smiley.

"Seien Sie tapfer!"

Eine Anfrage dieser Zeitung zu Ihrem Tweet ließ sie unbeantwortet. Der Zeitung "Die Welt" sagte sie, sie habe nicht vor, die umstrittene Nachricht. Einen Grund, sich zu entschuldigen, sah sie auch nicht: "Entschuldigen dafür, dass ich Helmut Schmidts Haltung zur Zuwanderung bis in die jüngste Zeit hinein schätze?", schrieb sie auf Twitter. Und als ein Nutzer fragte: "Wie lange müssen wir diese Frau noch ertragen?", antwortete Steinbach: "Seien Sie tapfer! Bis zum Ende der Legislaturperiode müssen Sie durchhalten."

Die 72-jährige Steinbach hatte im August angekündigt, dass sie am Ende der Legislaturperiode 2017 aus dem Bundestag ausscheiden wird. Im vergangenen Jahr hatte sie sich nach 16 Jahren an der Spitze des Bundes der Vertriebenen aus dem Amt zurückgezogen.

"Lasst uns das nicht mitmachen"

Das Zitat von Schmidt hatte unter anderem dessen Biograf Theo Sommer in seinem Buch "Unser Schmidt: Der Staatsmann und der Publizist" veröffentlicht. Den Hintergrund erklärte der Autor wie folgt, schreibt Spiegel Online: Schmidt habe damals geahnt, dass die Mehrheit der Deutschen die Einwanderung besonders aus der Türkei ablehnte.

Er habe dazu gesagt: Bei Millionen Menschen gebe es eine "unterschwellige Neigung", "den Ausländern für alles die Schuld zu geben" – wie einst den Juden. "Lasst uns das um Gottes Willen nicht mitmachen", habe Schmidt gesagt.

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