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Digital Facebook-Programmierer verändern Google-Suche
Nachrichten Digital Facebook-Programmierer verändern Google-Suche
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23:36 24.01.2012
Von Frerk Schenker
Die sozialen Netzwerke Google+ und Facebook wetteifern um Internetnutzer. Quelle: dpa
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New York

Ein Team aus Softwareentwicklern von Facebook, Twitter und MySpace hat am Dienstag ein Programm veröffentlicht, das auf Knopfdruck die bisherige Reihenfolge der Suchergebnisse wiederherstellen soll. Eine direkte Kampfansage an Google.

Denn um die Inhalte aus seinem Online-Netzwerk Google+ stärker zu gewichten, hatte Google vor wenigen Tagen eine personalisierte Suchfunktion vorgestellt. Ist diese aktiv, werden Bilder und Beiträge aus Google+ weiter oben in den Trefferlisten angezeigt. Aus Sicht der Konkurrenz ein klarer Fall von Wettbewerbsverzerrung, den das kleine Programm rückgängig machen soll.

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Die Software, die ausgerechnet nach dem informellen Google-Motto „Don’t be evil“ („Tu’ nichts Böses“) benannt ist, funktioniert als Erweiterung für den Internetbrowser und wird als kleine Schaltfläche in die Browserleiste gezogen.

Die Erweiterung wurde unter Führung des Facebook-Produktchefs Blake Ross entwickelt, wie Google-Experte John Battelle erklärte. Damit ist das Programm zwar keine offizielle Facebook-Aktion – dürfte aber mit großer Wahrscheinlichkeit von dem Unternehmen zumindest toleriert worden sein. Die Entwickler geben auf ihrer Internetseite an, dass die Browser-Erweiterung lediglich von Google gefundene Treffer aus anderen Online-Diensten nach oben bringe. So werden in vielen Fällen Treffer aus Twitter oder Facebook wieder höher eingeordnet als Fundstellen bei Google+. Auch die automatischen Vorschläge beim Eintippen von Suchbegriffen wurden ausgeweitet. Zudem wird eine zusätzliche – bisher vor allem in den USA sichtbare – Seitenleiste mit Inhalten von Google+ mit Profilen aus anderen Diensten ergänzt.

Wie groß die Unterschiede sein können, demonstrierte der Suchmaschinen-Experte Danny Sullivan. Wer in der US-Version von Google etwa nach „Cars“ sucht, bekommt in der Seitenleiste in beiden Fällen einen Ferrari-Treffer angezeigt. Bei der „normalen“ Google-Suche ist es die Ferrari-Seite bei Google+ mit 6500 Abonnenten – ist das neue „Don't be evil“-Programm aktiviert, wird das Facebook-Profil von Ferrari mit 5,6 Millionen Nutzer angezeigt.

Die Entwickler betonen, dass „alle Informationen in dieser Demonstration von Google selbst“ kämen. Die Gewichtung der Trefferlisten sei allein durch die Google-Algorithmen berechnet worden. Man habe zeigen wollen, wie viel besser für die Nutzer die „soziale Suche“ sein könnte, wenn Google auf alle von der Suchmaschine erfassten Informationen zurückgreifen würde.

Google-Experte Battelle hatte die Erweiterung bereits vorab bei Facebook prüfen können. Für ihn bestehen kaum Zweifel, dass das Programm von höchster Stelle gebilligt sein dürfte. Es habe einige Tage gedauert, bis Facebook beschlossen habe, wann und wie der „Weekend-Hack“ von Ross online gehen soll.

Für Google besteht das Dilemma in dem Konflikt zwischen der unparteiischen Anzeige der Suchergebnisse, die die Suchmaschine weltweit zur unangefochtenen Nummer eins gemacht hat – und dem Druck, mit Google+ den Abstand zum großen Rivalen Facebook zu verringern. Hinzu kommt, dass auch die Wettbewerbshüter hellhörig geworden sind. So nehmen US-Kartellwächter derzeit die neue personifizierte Google-Suche unter die Lupe.

Von Google selbst steht eine Reaktion auf den jüngsten Vorstoß der Konkurrenz noch aus. Nur so viel steht bereits fest: Der Wettstreit zwischen Google und Facebook dürfte unterhaltsam werden.

(mit dpa)

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