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Nachrichten Digital Das ändert Facebook am Freitag
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18:32 29.01.2015
Will noch mehr über die Nutzer wissen: Facebook. Quelle: dpa
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Berlin

Das soziale Netzwerk Facebook ändert zum 30. Januar 2015 seine Nutzungsbedingungen. Dann haben Nutzer mehr Möglichkeiten, Privatsphäre- und Sichtbarkeitseinstellungen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite bringen die neuen AGB aber auch eine viel detailliertere und zielgerichtetere Verfolgung des Nutzerverhaltens mit sich. Mit einem Log-in nach dem 30. Januar stimmen Nutzer den neuen AGB automatisch zu, ein Widerspruch ist nicht möglich. Nutzer haben zwei Möglichkeiten: Akzeptieren oder Abmelden

Die Neuerungen sollten eigentlich schon Anfang des Jahres in Kraft treten, wurden dann aber nach Datenschutzvorwürfen um vier Wochen verschoben. Nun beschäftigt sich sogar der Deutsche Bundestag mit dem Thema – und steht dabei trotz Hilfe fachkundiger Experten beim Aufarbeiten der komplizierten Hintergründe und Folgen vor allerlei rechtlichen, technischen und ethischen Fragen. Doch vor allem der normale Nutzer sollte wissen, was auf ihn zukommt. Das sind die wichtigsten Punkte:

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Das will Facebook ändern:

Datenschutz

Facebook will es Nutzern leichter machen, zu entscheiden, wer ihre Inhalte sieht. Dazu gibt es jetzt interaktive Anleitungen und auch Möglichkeiten, die Analyse von besuchten Seiten und Apps zu kontrollieren. Nutzer sollten sich die Mühe machen, dieses umfangreiche Dokument zu lesen, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Facebook lässt sich erlauben, alle Nutzungsinformationen zu erheben und zu nutzen“, sagt Rechtsanwältin Sabine Petri. Auch wenn man einzelnen Punkten nicht widersprechen könne, sei es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was mit den eigenen Daten passiere. Petri weist darauf hin, dass der Nutzer hier aktiv tätig werden muss. Neue Funktionen müssten in der Regel abgestellt werden, wenn man mit ihnen nicht einverstanden sei. Und man müsse sich bewusst sein, dass trotz aller Einstellungen Facebook selbst immer alles erfahre und möglicherweise auswerte.

Standortdaten

Künftig können Standortdaten mit denen der Freunde und mit Werbeanzeigen verbunden werden. Wer seinen Standort teilt, kann etwa Informationen über Restaurants in der Nähe oder Neuigkeiten von Freunden angezeigt bekommen. Wer das nicht möchte, sollte der Facebook-App auf seinem Smartphone wenn möglich keinen Zugriff auf das GPS-Modul gewähren. Allerdings räumt nicht jede Plattform diese Möglichkeit ein.

Linktipps

- Nutzungsbedingungen von Facebook

- Änderungen der Nutzungsbedingungen zum 30. Januar 2015

- Datenschutztipps für Facebook-Nutzer

- Weitere Informationen zu Werbung auf Facebook

Werbung

Facebook will Werbung noch mehr auf den Einzelnutzer zuschneiden. Bislang werden die Inhalte der Werbeanzeigen aus „Gefällt mir“-Angaben und anderen Aktivitäten im Netzwerk generiert. Bald sollen auch besuchte Internetseiten und genutzte Apps ausgewertet werden. Das Netzwerk ist nämlich in der Lage, die Aktivitäten seiner eingeloggten Nutzer im Netz teilweise nachzuvollziehen. Technisch möglich ist das unter anderem über sogenannte Cookies. Diese kann ein Nutzer zwar ausstellen, er geht damit aber das Risiko ein, dass Internetseiten langsamer aufgebaut werden und nicht so angezeigt werden oder funktionieren, wie sie eigentlich sollten.

Wer mit aktivierten Cookies etwa online ein Paar Sportschuhe kauft, dem könnten beispielsweise Anzeigen für Sportkurse oder andere Trainingskleidung angezeigt werden. Wer Urlaubsziele recherchiert, könnte danach Werbung von Reiseveranstaltern sehen. Facebook-Nutzer sollen in Zukunft außerdem Werbeanzeigen auf ihre Relevanz bewerten können. Dazu wird auch sichtbar gemacht, in welche Zielgruppe Facebook den Nutzer einordnet und warum er eine bestimmte Anzeige sieht. Laut Facebook soll so sichergestellt werden, dass Nutzer nur relevante Anzeigen sehen. Verbraucherschützer sagen, das Unternehmen erhalte so noch präziseren Einblick in die Interessen seiner Nutzer. Natürlich teilt Facebook mit seinen Werbepartnern Informationen über seine Nutzer. Dabei geht es beispielsweise um die Reichweite und den Erfolg einer Werbung. Diese Angaben enthalten laut Facebook aber keine Informationen, die es erlauben, jemanden persönlich zu identifizieren. Name oder E-Mail-Adresse werden nicht ohne Zustimmung weitergegeben.

Neue Funktionen

Das Netzwerk will seine Kunden durch neue Optionen wie einen „Kaufen“-Knopf enger an sich binden. So könnte der Kauf von Waren direkt über das Facebook-Konto erfolgen. In anderen Regionen der Welt wird dies schon getestet. Damit könnte das Unternehmen neben Nutzungsdaten auch Überblick über Einkaufsgewohnheiten erhalten und an Zahlungsdaten der Kunden kommen. „Aus Verbraucherschutzsicht ist das sehr kritisch zu bewerten“, sagt Sabine Petri. Durch Zusammenführung dieser Daten könnten umfassende Personenprofile erstellt werden.

Kann ich die Werbung ausschalten?

Das ist möglich, aber nicht über die Internetseite von Facebook selbst. Facebook verweist unter anderem auf die Plattformen aboutads.info/choices und youronlinechoices.com/de/praferenzmanagement. Sie umfassen mehrere Anbieter, die wie Facebook Werbung auf Grundlage der Internetnutzung erstellen - darunter auch Amazon, Google und Yahoo. Hier sehen Nutzer, welches Unternehmen bereits nutzungsbasierte Online-Werbung anbietet. Bei einer Deaktivierung bekommt man zwar weiter Werbung angezeigt, sie basiert aber nicht mehr auf vermeintlichen Interessen, die aus dem Surfverhalten abgeleitet wurden.

Kann ich den neuen Nutzungsbedingungen widersprechen?

Nein. Wer Facebook ab dem 30. Januar aufruft, stimmt den neuen Richtlinien automatisch zu. „Der Nutzer hat keine Chance, dem zu widersprechen“, sagt Petri. Man habe nur die Möglichkeit, das Netzwerk nicht mehr zu nutzen, wenn man mit den Änderungen nicht einverstanden sei. Grundsätzlich empfiehlt sie Facebook-Nutzern, die Sichtbarkeit ihrer Beiträge stark zu kontrollieren und in den Privatsphäre-Einstellungen auf minimale Auswertung der persönlichen Daten zu Werbezwecken zu setzen. Und wachsam müssen Nutzer sein: „Man sollte regelmäßig nachsehen, ob die Einstellungen noch so sind, wie man sie eingestellt hatte.“

dpa/frs/mic

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