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Digital Facebook ist stundenlang offline
Nachrichten Digital Facebook ist stundenlang offline
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20:02 07.03.2012
Von Imre Grimm
Die Karte zeigt, in welchen Regionen der Welt gestern bei Twitter besonders intensiv über den Facebook-Blackout diskutiert wurde. Quelle: Trendsmap
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Hannover

Keine Kätzchenvideos. Keine frischen Links zu Nichtlustig-Cartoons. Keine neuen Fotos vom "Post-it War" in den Bürofenstern dieser Welt. Keine Statusupdates über Anfang oder Ende einer neuen Liebe. Keine Einladung ins Kino. Plötzlich war im Internet wieder 2002: Ein stundenlanger Ausfall des sozialen Netzwerks Facebook in weiten Teilen der Welt hat die globale Netzgemeinde gestern an die Fragilität des Web 2.0 erinnert. Millionen von Menschen bekamen bei dem Versuch, Facebook aufzurufen, eine Fehlerseite angezeigt ("Es kann keine Verbindung hergestellt werden"). Auch der mobile Zugriff funktionierte nicht.

Betroffen waren fast ganz Europa, mehrere asiatische und afrikanische Länder sowie Australien und Neuseeland. Die Störungen begannen gegen 7.00 Uhr MEZ und zogen sich bis in die Mittagsstunden. In netzüblicher Überhitzung machten Gerüchte über einen gezielten Angriff der Hackergruppe Anonymous die Runde, befeuert von einem angeblichen Bekennerschreiben auf der Facebook-Fanseite "Anonymous.Kollektiv". Medien wie "Bild.de" und andere spekulierten über einen Racheakt von Anonymous-Hackern, die mit der Facebook-Attacke angeblich gegen die Verhaftung mehrerer Anonymous-Mitglieder durch das FBI protestieren wollten. Dies erwies sich jedoch wenig später als gezielte Desinformation von Anonymous, das mit dem gefälschten Bekenntnis zeigen wollte, wie leicht Medien manipulierbar seien: Wenige Anrufe und Mails hätten "ausgereicht, um deutschlandweit die Schlagzeile ,Anonymous legt soziales Netzwerk lahm‘ zu produzieren", hieß es dazu auf einer Facebook-Seite aus dem Umfeld des Hackerkollektivs. "Wir möchten euch mit dieser Aktion zeigen, wie leicht sich Medien missbrauchen lassen!"

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In Wahrheit war die Ursache für den Facebook-Blackout offenbar technischer Natur: Laut einem Bericht des hannoverschen Fachportals heise.de hatte Facebook mehrere Stunden lang mit einem sogenannten DNS-Problem zu kämpfen. DNS-Server wandeln die Adresse facebook.com in die technische Adresse der einzelnen Facebook-Server (IP-Adresse) um. Einige DNS-Server konnten am Mittwochmorgen die Facebook-Adresse nicht richtig auflösen.

Facebook hat weltweit mehr als 60.000 Server in Betrieb. Das 2004 gegründete Netzwerk hat derzeit 845 Millionen Mitglieder. Die globale Nutzungsdauer beträgt 700 Milliarden Minuten pro Monat.

Facebook bestätigte die peinliche Panne, steht aber selbst offenbar vor einem Rätsel. "Es kam es zu technischen Schwierigkeiten, dies führte dazu, dass die Seite für einige Nutzer in Europa nicht verfügbar war", sagte eine Sprecherin auf der CeBIT in Hannover. "Wir entschuldigen uns für mögliche Unannehmlichkeiten." Bereits im September 2010 war Facebook für mehrere Stunden ausgefallen.

Das Stichwort "facebookdown" lag gestern auf Platz eins der Deutschland-Trendthemen bei Twitter. Viele Nutzer reagierten mit gespielter Ratlosigkeit ("Oh nein, was machen wir jetzt mit all der Lebenszeit?") oder Humor: "+++ EIL: Viele Farmville Bauern stehen vor dem Aus", schrieb ein User mit Blick auf das Facebook-Spiel Farmville, bei dem Spieler einen virtuellen Bauernhof bewirtschaften. Auch über massenhaft "Facebook-Babys" in neun Monaten witzelte man.

Der Vorfall ist Wasser auf die Mühlen der Facebook-Kritiker, die kein Vertrauen in den Umgang des US-Multis mit den Daten seiner Mitglieder haben. Die technische Panne mag ohne größere Folgen geblieben sein. Sie beschädigt jedoch das Image des umstrittenen Datenkraken: Wenn ein dreistündiger weltweiter Blackout möglich ist - warum sollten die Facebook-Server, auf denen die Privatdaten von 800 Millionen Menschen gespeichert sind, dann sicherer sein? "Heute hat es Facebook getroffen", schrieb ein Kommentator, "morgen trifft es die Cloud, in der wir zukünftig alle unsere privaten Daten ablegen sollen."

05.03.2012
05.03.2012