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Digital Facebook sammelt Nutzerdaten auch nach dem Logout
Nachrichten Digital Facebook sammelt Nutzerdaten auch nach dem Logout
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00:53 28.09.2011
Von Frerk Schenker
Facebook steht wieder einmal in der Kritik Quelle: dpa
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Wie der australische Computerexperte Nik Cubrilovic in seinem Blog scheibt, speichert Facebook auch dann noch Daten, wenn sich ein Mitglied aus dem Onlinenetzwerk bereits ausgeloggt hat. Möglich machen dies kleine Dateien, sogenannte Cookies, die auf dem Rechner des Nutzer abgelegt werden.

Cubrilovic identifizierte insgesamt sieben Cookies, die nach dem Logout weiter aktiv waren. Die Cookies sammeln demnach Informationen, darunter spezifische Browserdaten, sobald eine Seite aufgerufen wird, auf der Facebook-Plugins wie der Like-Button eingebaut sind.

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Gegenüber dem „Wall Street Journalverteidigte Facebook dieses Verfahren. Es diene in erster Linie dazu, Werbemüll zu filtern und Attacken auf Nutzerkonten zu unterbinden. Zugleich kündigte das Onlinenetzwerk an, nachbessern zu wollen.

Laut Cubrilovic hatte Facebook aufgrund seiner Veröffentlichung bereits am Mittwoch einen Cookie verändert, sodass die Datei künftig mit dem Logout zerstört wird – die übrigen Cookies seien jedoch weiterhin aktiv, schreibt der Australier. In einer Stellungnahme, die Cubrilovic zitiert, erklärte Facebook, dass die Cookies nicht zum Erstellen von Nutzerprofilen dienten, da die gesammelten Informationen nicht mit einem Facebook-Account verknüpft würden.

Cubrilovic betonte, dass er den Beteuerungen von Facebook zwar glaube, keine Nutzerprofile mit diesem Verfahren erstellen zu wollen – zumindest theoretisch sei dies aber möglich. Deshalb rät er Facebook-Mitgliedern, Cookies nach dem Ausloggen manuell zu löschen und einen seperaten Browser zu nutzen.

Erst vor wenigen Wochen hatte das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Kiel schwere Vorwürfe gegen das weltgrößte Onlinenetzwerk erhoben. Facebook erstelle umfassende Nutzerprofile – auch von Nicht-Mitgliedern – und nutze diese für Werbezwecke, prangerte Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert damals an. Er erklärte den „Gefällt mir“-Button für „illegal“ und forderte Webseitenbetreiber auf, den Button zu entfernen und auch ihre Fanseiten zu löschen. Bei Appellen wollen es die Datenschützer aus Kiel nicht belassen. Sie haben behördlichen wie privaten Anbietern in Schleswig-Holstein eine Frist bis Ende September gesetzt, um die Datenweitergabe zu stoppen. Andernfalls drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.

Grundlage für die Drohung war eine Analyse des ULD. Demnach gibt jeder Internetnutzer seine IP-Adresse an Facebook weiter – nicht nur, wenn er auf den „Gefällt mir“-Button klickt, sondern auch beim Öffnen einer Facebook-Fanseite; selbst dann, wenn er kein Facebook-Mitglied ist.

Das Unternehmen hatte damals zu den Vorwürfen erklärt, dass man bei der Nutzung des „Gefällt-mir“-Buttons unter anderem die IP-Adresse sehen könne – dabei sei es gleich, ob der Nutzer bei Facebook eingeloggt sei oder nicht. Aber „wir löschen diese technischen Daten innerhalb von 90 Tagen“, hieß es seitens Facebook. Dies entspreche den üblichen Branchenstandards.

26.09.2011
Frerk Schenker 23.09.2011