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Digital Google fürchtet um Privatsphäre
Nachrichten Digital Google fürchtet um Privatsphäre
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08:21 10.12.2013
Von Stefan Koch
Erstaunliche Wandlung von Datenkraken zu Datenschützern: Google und Yahoo. Quelle: dpa
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New York

Wenn es ernst wird in der politischen Auseinandersetzung, setzen die großen Internetkonzerne doch auf die Wirkung der Tageszeitungen: In ganzseitigen Anzeigen haben Unternehmen wie Apple, AOL und Microsoft am Montag die US-Regierung aufgefordert, die digitale Überwachung zu reformieren. Ausgerechnet die globalen Player der Branche, die seit Jahren wegen laxer Datenschutzregeln in der Kritik steht, mahnen angesichts immer neuer Überwachungsenthüllungen der US-Geheimdienste und deren Zusammenarbeit mit den Internetkonzernen mehr Datenschutz an.

Es ist noch nicht lange her, da hat Facebook-Gründer Marc Zuckerberg stolz „das Ende der Privatsphäre“ verkündet – und Datenschützer zu Nostalgikern erklärt. Doch nach vielen Monaten unangenehmer Schlagzeilen über die Totalüberwachung des US-Geheimdienstes NSA in Zusammenarbeit mit den Internetfirmen im Silicon Valley hat bei Facebook, Google und Co. offenbar ein Umdenken eingesetzt.

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Der offene Brief an Präsident Barack Obama und die Kongressmitglieder gilt in Washington als Alarmsignal: Wenn sich erbitterte Konkurrenten wie Google und Yahoo auf ein gemeinsames Papier gegen die Spionagepraktiken der National Security Agency (NSA) einigen, ist der Druck zum Handeln offenbar enorm. Die Marktführer in der digitalen Welt, deren Geschäftsmodell zum Gutteil aus dem Sammeln von Daten besteht, sehen das Fundament der amerikanischen Verfassung gefährdet, wenn der eigene Staat die Bürgerrechte weiterhin so rigoros missachtet. Die traditionsreiche amerikanische Demokratie sei auf dem Weg, Freiheitsrechte zu untergraben. „Es ist Zeit für einen Wandel“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem von AOL, Apple, Facebook, Google, LinkedIn, Microsoft, Twitter und Yahoo unterzeichnet worden ist. Es müssten endlich eindeutige Grenzen für staatliche Spionageaktionen festgelegt werden, die transparent und unabhängig zu kontrollieren seien.

Bisher sind die US-Firmen zum Teil per Gesetz dazu verpflichtet, mit den Geheimdiensten zusammenzuarbeiten. Außerdem kann die NSA sensible Informationen aus internen Verbindungen zwischen Google- und Yahoo-Rechnern abgreifen. Nutzerdaten wie E-Mails, Suchanfragen und versendete Dokumente müssten streng vertraulich bleiben, fordern nun die Internetkonzerne. 

Der Protest der Internet-Vordenker kommt nicht von ungefähr: Angesichts der massiven Verunsicherung der Kunden fürchten die Firmen um ihre Geschäftsmodelle. Brad Smith von Microsoft erklärt: „Niemand wird eine Technologie nutzen, der er nicht vertraut.“ Auch Überlegungen in der Europäischen Union, eigenständige Netzwerke zu schaffen, die sich von amerikanischen Geheimdiensten nicht so leicht abschöpfen lassen, beunruhigen die US-Firmen.

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