Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Digital Google hält „Don’t be evil“ für überholt
Nachrichten Digital Google hält „Don’t be evil“ für überholt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:02 04.11.2014
Von Jens Heitmann
Google-Chef Larry Page arbeitet an einem neuen Slogan für den Internet-Konzern.
Google-Chef Larry Page arbeitet an einem neuen Slogan für den Internet-Konzern. Quelle: John G. Mabanglo
Anzeige
Hannover

Eric Schmidt mochte den Slogan schon nicht, als Google sich noch vorrangig um die Suche im Internet kümmerte. „Don’t be evil“, lautet das Unternehmensmotto seither: „Sei nicht böse“. Das sei „die dümmste Regel aller Zeiten“, befand der frühere Konzern- und heutige Aufsichtsratchef bereits an seinem ersten Arbeitstag vor mehr als einem Jahrzehnt. Bestenfalls sei das eine Leerformel; es gebe schlichtweg kein Buch über das Böse.

Den Nimbus des Guten hat Google längst verloren. Eher halten Kritiker den Konzern inzwischen selbst für das Böse an sich - eine Datenkrake, die sich auf dubiose Weise immer mehr heikle Informationen über seine Kunden verschafft und mit diesem Wissen über gezielte Werbung Milliarden einnimmt.

Diese Botschaft ist mittlerweile auch bei den Gründern angekommen. Das Motto „Don’t be evil“ habe sich überlebt, sagte Konzernchef Larry Page jetzt in einem Interview mit der „Financial Times“. Mit dem Slogan verhalte es sich wie mit Kinderkleidung - Google sei einfach zu schnell gewachsen, heute passe diese platte Parole einfach nicht mehr. Ob Google den angejahrten Spruch bald ersetzen wird, wollte der 41-Jährige nicht verraten. „Wir sind da dran - aber wir sind auch noch mittendrin.“

Laut Page wollen er und seine Gründerkollege Sergey Brin an ihrem Anspruch festhalten: Am altruistischen Prinzip, „alle Information auf der Welt zu ordnen und allgemein zugänglich und nützlich zu machen“, werde Google nichts ändern.

Daran hätten auch die Skeptiker nichts einzuwenden - sie zweifeln jedoch an den lauteren Motiven hinter den schönen Worten. Die EU-Kommission beispielsweise möchte den Datensammeltrieb des Konzerns gern in sehr viel geregeltere Bahnen lenken als bisher. Und auch viele Nutzer der Suchmaschine wären froh darüber, wenn gewisse Informationen von den Rechenzentren nicht bis in alle Ewigkeit gespeichert würden. Immer mehr „Kunden“ klagen das Recht aufs Vergessenwerden ein.

Für Page sind das aber eher Kleinigkeiten - gemessen an den eigenen Visionen zumindest: Im Grunde strebe Google in neue Dimensionen, mit künstlicher Intelligenz, Biotechnologie, Robotik. Niemand könne heute sagen, wo die Wege hinführe, sagte Page. „Wir befinden uns auf unbekanntem Gelände.“ Böse Überraschungen können die Macher da nicht ausschließen.

03.11.2014
Digital Internationaler Haftbefehl - Fahndung nach Kinox.to-Betreibern
31.10.2014
31.10.2014