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Digital Google wird persönlicher
Nachrichten Digital Google wird persönlicher
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18:48 10.01.2012
Bei der Option der „persönlichen Ergebnisse“ durchstöbert Google beispielsweise Bilder, die beim Online-Netzwerk Google+ oder dem Online-Fotoalbum Picasa hochgeladen wurden. Quelle: Google
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Mountain View

Google weitet sein Suchangebot auf persönliche Inhalte wie private Fotoalben aus und führt gleichzeitig neue Werkzeuge für einen besseren Datenschutz ein. Der Suchmaschinen-Gigant kündigte das Angebot am Dienstag in Mountain View unter dem Namen „Search, plus Your World“ (Suche - plus Deine Welt) an.

„Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen“, sagte Google-Manager Amit Singhal. Das Angebot wird von Google zunächst nur für Nutzer freigeschaltet, die sich in der englischsprachigen Version auf google.com eingeloggt haben. Die Funktion soll aber auch in Deutschland verfügbar gemacht werden, sagte Singhal.

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Bei der Option der „persönlichen Ergebnisse“ durchstöbert Google beispielsweise Bilder, die beim Online-Netzwerk Google+ oder dem Online-Fotoalbum Picasa hochgeladen wurden. Dazu muss der registrierte Anwender mit seinem Konto bei Google eingeloggt sein. Singhal erläuterte die Funktionsweise am Beispiel seines Schnautzer-Hundes Chikoo. Eine normale Suche bei google.com nach dem Begriff „Chikoo“ liefere derzeit vor allem Hinweise auf den Breiapfelbaum, der in Indien und Pakistan Chikoo genannt wird. Künftig könne er aber mit Hilfe der Suchmaschine auch schnell die Bilder aufstöbern, auf denen sein Hund zu sehen sei.

Google bietet registrierten Nutzern nun außerdem die Option, die Suche nach Personen auf einen Bekanntenkreis zu beschränken. „Wenn man heute nach einem gängigen Namen wie Ben Smith sucht, ist es fast ausgeschlossen, dass man beim richtigen Ben landet“, sagte Singhal.

Google wertet dabei vor allem die Beziehungen aus dem eigenen sozialen Netzwerk Google+ aus. Aus Google+ werden am Bildschirmrand auch Seiten von Prominenten und Organisationen vorgestellt, die den Anwender interessieren könnten. Inhalte aus anderen Netzwerken wie Facebook stünden nicht zur Verfügung, sagte Singhal. Google habe keinen Zugriff auf die technischen Schnittstellen dieser Drittanbieter und fokussiere sich auf die Bereiche, in denen man ein „optimales Sucherlebnis“ garantieren könne.

Um die persönlichen Suchen vor neugierigen Blicken von außen abzuschirmen, verschlüsselt Google nicht nur die Übertragung des Suchbegriffs, sondern auch den Transfer der Suchergebnisse mit der SSL-Technologie. Dies kann man an der Adresse https://www.google.com (https statt http) erkennen. Mit einem Klick auf ein kleines Logo könne der Anwender auch entscheiden, ob er seine „eigene Welt“ durchsuchen oder universelle Suchresultate erhalten wolle. Mit dem Ausschalten der personalisierten Ergebnisse werde sichergestellt, dass die Suchabfragen bei Google nicht in einem Profil gespeichert und bei künftigen Suchabfragen berücksichtigt werden. Man könne auch den Effekt verhindern, dass bei einer Google-Suche die Links höher bewertet werden, die man bei vorherigen Suchen angeklickt hat.

Auch wenn es von Unternehmensseite offiziell nicht so dargestellt wird – mit der neuen Option will Google vor allem die Nutzer seines sozialen Netzwerks enger an sich binden. Nach gut einem halben Jahr hat Google+ schätzungsweise 60 Millionen Mitglieder, Facebook scheint mit rund 800 Millionen Nutzern noch immer weit entfernt. Der neue Vorstoß, so die unausgesprochene Idee, soll Google stärker im täglichen Leben seiner Nutzer verankern. Die Suche wird dabei zu einem Bestandteil des Gesamtpakets „Google“: Wer etwas nicht mehr findet, sei es in den Weiten des Webs oder im sozialen Netz oder auf bei Google Docs abgelegten Dateien, der greift auf Google zurück, so die simple Logik. Egal, ob es von einem selbst oder von Freunden gepostet wurde. Einzige Voraussetzung: Man besitzt einen Google-Account.

Ob die Google-Nutzer diesen Weg mitgehen, ist noch offen. Denn eine stärkere Personalisierung der Suche bedeutet auch größere personenbezogene Datensammlungen auf den Servern von Google.

frs/dpa

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