Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Digital In Zeiten des Live-Streams: Was ist Rundfunk?
Nachrichten Digital In Zeiten des Live-Streams: Was ist Rundfunk?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:17 14.08.2018
Hat bereits eine Rundfunklizenz: Der deutsche Youtube-Star Gronkh (Erik Range). Quelle: Foto: dpa
Berlin

Gronkh ist ein deutscher Youtube-Superstar, mit seinen Videos erreicht er Millionen. Aber gegen die Landesmedienanstalten kommt auch ein Gronkh nicht an. Denn Gronkh, alias Erik Range, ist ein Let’s Player. Er filmt sich, wie er Videospiele zockt. Das veröffentlicht er dann auf Youtube oder überträgt es live zum Beispiel auf der Plattform Twitch. Damit ist er nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch mitverantwortlich, dass jetzt darüber diskutiert wird, was eigentlich Rundfunk ist.

Denn vor gut einem Jahr war die Aufregung in der deutschen Let’s-Play-Szene plötzlich groß. Gronkh hatte Post von der Landesmedienanstalt in Düsseldorf erhalten. Darin stellte die Behörde fest, „dass Sie über Ihren Twitch.tv-Kanal „Gronkh“ regelmäßig Live-Streams verbreiten“. Laut Rundfunkstaatsvertrag könne Live-Streaming aber „unter bestimmten Voraussetzungen zulassungspflichtigen Rundfunk darstellen“. Heißt: Ohne Rundfunklizenz könnte es für Gronkh mit dem Streamen schnell vorbei sein.

Ohne Rundfunklizenz keinen Stream?

Gronkh war nicht der einzige, der plötzlich ins Visier der Behörden rückte: Das Let’s-Play-Kollektiv PietSmiet nahm, nachdem ihnen zum Beantragen einer Rundfunklizenz eine Frist bis zum 30. April 2017 gesetzt wurde, vorsichtshalber den Twitch-Kanal PietSmietTV vom Netz.

Erfolgreiche und beliebte deutsche Let’s Player ausgeschaltet von Behörden, für die das Internet immer noch Neuland ist? Die Streamer fürchteten einen Präzedenzfall: Was für Gronkh oder PietSmiet gilt, könnte schließlich auch für all die kleineren Kanäle, die live streamen, gelten: ohne Rundfunklizenz kein Stream.

Aus dem Rundfunk- soll ein Medienstaatsvertrag werden

Doch schon damals war allen klar: Eine Reform muss her. Denn die Welt, die der geltende Rundfunkstaatsvertrag regelt, gibt es so nicht mehr. Sie besteht aus mehr als nur Radio und Fernsehen. Das sieht auch die Staatssekretärin für Medien und Digitales von Rheinland-Pfalz, Heike Raab, so: „Smart-TVs, Streaming oder User-generated Content (Social Media) sind nur einige Begriffe, die den Medienwandel beschreiben.“ Deshalb soll aus dem Rundfunkstaatsvertrag nun ein Medienstaatsvertrag werden.

Einen ersten Arbeitsentwurf gibt es auch schon. Darin macht die Rundfunkkommission Regelungsvorschläge zu verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel zur Definition des Rundfunkbegriffs oder der Plattformregulierung. Bis Ende September können alle Interessierten online selbst Vorschläge zu dem Entwurf machen.

Streaming ist keine Nische mehr

„In den ersten zehn Tagen haben uns bereits 330 Eingaben erreicht, die meisten von Bürgern“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Die meisten Eingaben habe es zum Thema Streamingdienste gegeben. Das zeige, dass dies keine Lücke mehr und für viele Bürger wichtig sei. Viele Bürger wollen über die Zulassungsregeln für Rundfunk- und Streamingangebote im Internet sprechen. Das zeige sehr deutlich, „dass Streaming keine Nische mehr für wenige ist“. Zwar würden sich viele Menschen aus der Gamer-Szene zu Wort melden, aber eben zum Beispiel auch Handwerksmeister, die auf ihre Kanälen Reparaturtipps anbieten.

Eine Rundfunklizenz ist bisher unter anderem dann nötig, wenn ein Kanal mehr als 500 Zuschauer erreichen kann, Videos im Live-Stream sendet und redaktionell gesteuert ist. Der Vorschlag, der nun im Entwurf steht, sieht einen zulassungsfreien Bagatellrundfunk vor.

Ausnahme für Let’s Player?

Dazu sollen Rundfunkprogramme gehören, die zum Beispiel aufgrund ihrer geringen journalistisch-redaktionellen Gestaltung „nur geringe Bedeutung für die individuelle und öffentliche Meinungsbildung entfalten“. Aber auch für Rundfunkprogramme, „die vorwiegend dem Vorführen und Kommentieren des Spielens eines virtuellen Spiels dienen“, könnte die Ausnahme gelten.

Beschlossen ist das noch nicht – und es wird auch noch fleißig diskutiert. Die Vorschläge, die dabei online eingehen, spiegelten ganz gut die Alternativen wider, über die auch schon die Länder diskutiert hätten, teilt die Staatskanzlei mit: von der Forderung, alle Angebote im Internet zulassungsfrei zu machen, über Ausnahmen in bestimmten Bereichen (wie Let’s Plays) bis hin zu ganz grundsätzlichen Bedenken über eine Deregulierung in diesem Bereich. Für Gronkh hat sich das Thema dagegen sowieso erst mal erledigt – er besitzt inzwischen eine Rundfunklizenz. Alle anderen Live-Streamer brauchen sie vielleicht bald nicht mehr.

Von Anna Schughart

Fax-Geräte scheinen wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Doch noch immer werden sie in einigen Branchen genutzt. Das kann zum Problem werden: Experten haben eine Sicherheitslücke in Multifunktionsdrucker entdeckt.

13.08.2018

Über die Akkus in Elektronikgeräten meinen viele Nutzer mit der Zeit so einiges zu wissen. Doch manche dieser Akku-Mythen sind schlicht falsch - oder stammen zumindest aus der Vergangenheit.

10.08.2018

Neuigkeiten von Samsung: Der koreanische Konzern hat sein neues Smartphone vorgestellt. Das Galaxy Note 9 soll am 24. August in den Handel kommen. Aber das war nicht die einzige Ankündigung, die Samsung im Gepäck hatte.

10.08.2018