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11:04 08.05.2014
Von Dany Schrader
Die beiden Start-up-Gründerinnen Jule Müller und Anni Kralisch-Pehlke.
Die beiden Start-up-Gründerinnen Jule Müller und Anni Kralisch-Pehlke. Quelle: Jule Müller
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Hannover

Franzi, 25, aus Berlin-Prenzlauer Berg ist auf der Suche. Neben Hunderten von Singles im Alter von 20 bis 40 Jahren zeigt sie auf der Internetseite „Im Gegenteil“ ungewöhnlich viel von ihrer privaten Welt: Da ist der Roman auf ihrem Nachttisch, ihre Kollektion roter Lippenstifte und das Sternchen-Tattoo auf ihrem linken Fuß. Wer will, kann lesen, dass Franzi in Hamburg-Eppendorf aufgewachsen ist – und trotzdem nicht auf Perlenohrringe steht, und dass sie Schwimmbäder irgendwie ekelhaft findet.

Das in Zeiten von Datenschutz und 
Fakeaccounts überraschend offenherzige Porträt spricht nicht nur wegen der schönen Bilder dafür, dass Franzi auf diesem Weg tatsächlich einen Partner findet. Das stilvolle Internetportal „Im Gegenteil“, das irgendwo zwischen Wohn- und Mode-Blog, Magazin und Partnerbörse angesiedelt ist, ist eine liebevolle Verkupplungsmaschine, die wirklich funktioniert. Nur sechs Monate nach dem Start haben laut Gründerin Anni Kralisch-Pehlke bereits 30 Prozent der Nutzer ihren Beziehungsstatus von „sucht“ in „sucht nicht mehr“ geändert. Nach dem Boom von Dating-Apps wie Tinder und GetBuzz hat damit ausgerechnet eine Singlebörse Erfolg, die so gar nicht nach den Prinzipien sozialer Netzwerke funktioniert, sondern ihrem Namen entsprechend das Gegenteil praktiziert: Menschen von nebenan statt globaler Massentreff.

Die beiden Start-up-Gründerinnen Jule Müller und Anni Kralisch-Pehlke sind seit zehn Jahren beste Freundinnen. Als Jule wieder einmal Single war, kam den beiden die Idee zu der Börse, die anders ist: Sie wollten keine algorithmusgesteuerte Suche nach Größe, Gewicht oder Haustierbestand, sondern den Menschen als Ganzes. Die Künstlermanagerin Kralisch-Pehlke und Müller, die als Fotografin und Autorin arbeitet, gründeten „Im Gegenteil“ – zunächst mit neun Porträts alleinstehender Freunde. „Die Resonanz war überwältigend. Schon neun Stunden nach der Veröffentlichung hatten wir 1000 Likes bei Facebook und 100 Bewerbungen“, erzählt Kralisch-Pehlke. Sechs Monate nach dem Start arbeiten sich die beiden 31-Jährigen durch 1000 Anfragen pro Tag. Mit jedem Single verbringen sie einen Tag, erzählen, fotografieren und feilen am Profil. Dann geht das Porträt online, ganz kostenlos. Das Geld verdienen die Unternehmerinnen mit Werbung.

Bei der Internet-Singlebörse ElitePartner, bei der nach Unternehmensangaben vier Millionen Singles aus Österreich, Deutschland und der Schweiz angemeldet sind, schaut man interessiert auf das Projekt. Als Konkurrenz wird das Start-up aus Berlin nicht eingeordnet – wegen der großen Unterschiede. „Im Prinzip ist das Angebot eine Umkehr, fast so etwas wie die klassische Heiratsvermittlung, die es vor einigen Jahrzehnten noch gab“, sagt Sprecherin Anna Kalisch.

Wie groß das Potenzial von „Im Gegenteil“ tatsächlich ist, wird sich noch zeigen müssen. Rund 1,6 Millionen Deutsche haben laut einer Forsa-Studie aus dem Jahr 2013 schon einmal eine kostenpflichtige Partnerbörse im Internet genutzt, doch gerade einmal zwei Prozent aller Deutschen lernen ihre Partner bisher über das Internet kennen. Müller und Kralisch-Pehlke planen trotzdem den Ausbau auf weitere Städte: Auf Hamburg, Dortmund und Rostock sollen Köln und München folgen. Gegenwärtig hat Jule Müller mit ihrem Start-up auch ihr privates Glück gefunden – ihr Beziehungsstatus lautet „Sucht nicht mehr“.

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