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Digital "Man kann jetzt nicht mehr am Internet vorbeiregieren"
Nachrichten Digital "Man kann jetzt nicht mehr am Internet vorbeiregieren"
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17:51 19.09.2011
Die Nachrichtenagentur dpa fragte den Blogger, Twitterer und Autoren Sascha Lobo, wie er den Wahlerfolg der Piraten einschätzt. Quelle: dpa
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Welche Gründe machen Sie für den sensationellen Erfolg der Piratenpartei aus?

Lobo: „Der Triumph der Piratenpartei beruht auf zwei Gründen: Die Unzufriedenheit vieler Bürger mit der ritualhaften, für das 21. Jahrhundert lebensfernen Politik. Und die Hoffnung, dass eine Politik der digitalen Vernetzung das ändert. Ein seit langer Zeit ungekannter Polit-Enthusiasmus an der Basis und die teilweise sagenhaft schlechten Kampagnen der anderen Parteien in Berlin haben aber auch dazu beigetragen.“

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Wie können Sie sich eine Parlamentsarbeit vorstellen, die stärker aufs Netz und moderne Technologien setzt?

Lobo: „Parlamentsarbeit, die Politik insgesamt, hat sich von der digitalen Lebenswirklichkeit vieler Leute entfernt. Als das 2009 mit dem Netzsperren-Debakel offensichtlich wurde, war die Reaktion der meisten Parteien unvollständig. Es geht nicht nur darum, Netzpolitik anzubieten, sondern Politik mit dem Netz.“

Haben Sie selber ein Interesse, für Parteien oder gezielt für die Piratenpartei aktiv Politik zu machen?

Lobo: „Man kann nicht ernsthaft am Internet interessiert sein, ohne politisch zu werden. Ich bin Mitglied in keiner Partei, stehe aber der SPD emotional nahe. Für die Piraten möchte ich ebenso wenig Politik machen wie die Partei das vermutlich von mir möchte. In wesentlichen Punkten teile ich die Haltung der Piratenpartei nicht, etwa was das Urheberrecht angeht.

Trotzdem betrachte ich den Sieg der Piraten mit etwas Wohlwollen, weil er auch innerhalb der anderen Parteien die Stellung des Netzes substanziell stärkt. Man kann jetzt nicht mehr am Internet vorbeiregieren, das ist die wichtigste Botschaft der Wahl in Berlin.“

dpa