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Digital Mit dem Peilsender gegen Schummelhandys
Nachrichten Digital Mit dem Peilsender gegen Schummelhandys
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12:05 25.01.2013
Schummeln verboten: Handy im Schulunterricht. Quelle: Finn
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Preetz

„Ein besonderes Problem sind die Klassenarbeiten und insbesondere die Abi-Klausuren“, berichtete Schulleiterin Anja Grabowky bereits im Dezember. Ihre Antwort auf immer raffiniertere Schummelversuche: Die Schüler müssen ihre Mobilfunkgeräte nicht nur wie in anderen Gymnasien vor Klausuren abschalten und auf einem Sammeltisch deponieren. Im Klausurraum und dem dazugehörigen Toilettentrakt werden zwei mobile Peilsender aufgestellt. Die buchgroßen Geräte schlagen an, wenn ein Handy in Kontakt zu einem Funkmast tritt. Dann leuchtet eine kleine rote Warnlampe. Zudem gibt das Gerät Alarm, mit einem ohrenbetäubenden Sinuston. Im Ernstfall müssen alle Schüler ihre Stifte so lange beiseitelegen, bis das Handy gefunden ist.

Aufgestellt werden die Sender vor allem in der Oberstufe, bei den Abi-Arbeiten und den Vor-Klausuren. Zum Einsatz kam die Schummelkontrolle aber auch schon bei jüngeren Schülern, und zwar „immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass in einer Klasse häufiger gemogelt wird“, sagt Grabowsky.

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Informatiklehrer Torsten Röhl hält das System für „absolut sicher“. Einige Schüler hätten selbst auf mehr Kontrolle gedrungen. Sie hätten es unfair gefunden, dass Mitschüler sich mithilfe des Handys einen Vorteil und bessere Noten verschaffen würden. Manche Schüler hätten am liebsten den gesamten Internetverkehr in der Schule kontrollieren lassen, berichtet der Lehrer. „Aber wir sind doch keine Überwachungsschule.“

Das Bildungsministerium in Kiel ist sich da offenbar nicht ganz sicher. Nach einer Anfrage der Piraten im Landtag erhebt das Ministerium jetzt rechtliche Bedenken gegen den Einsatz des Handy-Detektors am Preetzer Gymnasium – man will jetzt eine juristische Expertise einholen. Das Ministerium befürchtet einen Eingriff in Persönlichkeitsrechte der Schüler. „Das wäre sicherlich der Fall, wenn einzelne Schüler anhand ihres eingeschalteten Handys durch die technische Überwachung geortet werden könnten“, sagte ein Ministeriumssprecher. In Niedersachsen wartet man gespannt auf diese Prüfung. Ob eine Schule im Land den Detektor nutzt, wissen die Behörden in Hannover nicht.

Auf dem Markt ist das Gerät schon seit einiger Zeit. Entwickelt wurde es in einem Schülerprojekt einer Waldorfschule in Stuttgart – weil die Handys dort besonders nervten.

Ulf B.Christen/dpa