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Digital Rettungsarbeiter aus Fukushima dreht gespenstisches Video
Nachrichten Digital Rettungsarbeiter aus Fukushima dreht gespenstisches Video
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20:42 06.09.2011
Von Frerk Schenker
Rätselhaft: Der unbekannte Rettungsarbeiter vor den Reaktoren in Fukushima. Quelle: YouTube
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Hannover

Auf den Filmen, die bei der Internetplattform YouTube hochgeladen wurden, ist ein Arbeiter vor den Ruinen des im März havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima zu sehen. Das Verstörende: Der Unbekannte, in einen weißen Schutzanzug mit Visier und Atemmaske gehüllt, verharrt minutenlang fast regungslos vor der Kamera – und zeigt mit ausgestrecktem Arm in Richtung des Betrachters.

Der AKW-Betreiber Tepco, der wegen seiner Informationspolitik nach dem Unglück von Fukushima in der Kritik stand, hatte bereits vor Längerem eine Livekamera auf dem Gelände installiert. 24 Stunden am Tag sendet diese Bilder von den Reaktorblöcken eins bis vier, die auf der Internetseite tepco.co.jp abgerufen werden können. Es ist nicht das erste Mal, dass auf diesem Livestream Arbeiter auftauchen. So gibt es ein weiteres Video, das drei Männer zeigt, die sich im Blickfeld der Kamera gegenseitig fotografieren. Erinnerungsbilder vor den strahlenden Überresten der Atomkatastrophe von Fukushima – für den Internetnutzer mag auch das ein merkwürdiger Anblick sein. Der Auftritt des unbekannten Arbeiters jedoch ist mehr: er ist gespenstisch und rätselhaft.

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Mit sichtlicher Ruhe geht der Mann auf die Kamera zu, die zerstörten Atommeiler als drohende Kulisse im Hintergrund. In den ersten 60 Sekunden scheint er einen bestimmten Standpunkt zu suchen, dann hebt er den rechten Arm und zeigt auf die Kamera – ganze 13 Minuten. Für einen Moment verschwindet der Unbekannte aus dem Blickfeld, taucht wieder auf, diesmal nur wenige Zentimeter vor der Kamera, wie das zweite Video zeigt, das ebenfalls tonlos ist. Die Augen blicken direkt in die Kamera, wieder hebt der Mann den Arm zum stummen Fingerzeig. Nach 40 Sekunden endet der Auftritt.

Bei YouTube wurden die Videos bereits weit über eine halbe Millionen mal angesehen, in Tausenden Kommentaren rätseln Nutzer über die Absichten des Unbekannten. „Was willst Du uns sagen, Kameramann“, fragt der Betreiber des Blogs „24000years“, der Nachrichten zu dem Atomunfall in Fukushima sammelt. Tepco selbst sah sich nach dem Auftauchen der Videos zu einer Reaktion veranlasst. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ erklärte ein Sprecher, dass es sich bei dem Mann um einen Rettungsarbeiter handele, dessen Identität jedoch nicht feststellbar sei, da sich derzeit Tausende Arbeiter auf dem Gelände befänden. Eine Untersuchung des Vorfalls, den Tepco als nicht gravierend einstuft, werde man nicht einleiten.

Der unbekannte Rettungsarbeiter hat sich bislang nicht zu Wort gemeldet. Und so bleibt sein Auftritt das, was er vermutlich sein sollte: ein stummer Fingerzeig aus Fukushima, über den die Welt spricht.