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Digital Telekom gibt Kampf gegen Apple auf
Nachrichten Digital Telekom gibt Kampf gegen Apple auf
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17:17 22.01.2014
Mit ihrem „Farbenspiel“ führt Helene Fischer derzeit die Liste der Album-Charts bei Musicload an. Quelle: dpa
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Berlin

Es ist einer der Pioniere für legale digitale Musikdienste in Deutschland. Mit großem Werbeaufwand hatte die Deutsche Telekom vor einem Jahrzehnt die Internetplattform Musicload gestartet und war damit gegen Platzhirsche wie Apple und später Amazon angetreten. Mit wenigen Klicks können Kunden seither hier wie da Musiktitel und Alben auf Mobiltelefon, Tablet oder PC herunterladen. Zudem kann man bei Musicload gegen eine monatliche Gebühr ab 9 Euro unbegrenzt Musik aus einem riesigen Angebot von Millionen Titeln hören, eine Internetverbindung vorausgesetzt.

Doch nun will sich der Pionier aus dem inzwischen hart umkämpften Geschäft verabschieden, wie ein Telekom-Sprecher auf Anfrage bestätigt. Man setze künftig mehr als Partnerschaften und Plattformlösungen, heißt es diplomatisch. Auch die Angebote Softwareload und Gamesload gibt die Telekom auf. Man prüfe aber noch eine Fortführung mit Interessenten, wird betont. Für den Konzern selbst jedoch sind die Download-Portale offenkundig kein rentables Geschäftsmodell mehr.

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Wann die Angebote abgeschaltet werden, ist noch offen. Für die rund 4 Millionen Kunden, die allein Musicload nach eigenen Angaben zählt, ist die Nachricht wenig erfreulich. Wer den Streamingdienst genutzt und sich eine Musiksammlung und Abspiellisten auf Handy und PC angelegt hat, muss befürchten, dass davon bald nichts mehr übrig ist, falls sich kein neuer Betreiber findet.

Die Telekom selbst will jedenfalls nur die separate Kooperation mit dem Streamingdienst Spotify weiterführen, einem der Marktführer im digitalen Musikgeschäft. Bei Spotify kann man Musik im Basisdienst kostenlos hören, muss dafür aber Werbung erdulden. Besonders in Skandinavien hat sich das Angebot durchgesetzt. Dort erzielt die Musikindustrie inzwischen rund 90 Prozent ihrer Erlöse mit digitalen Geschäftsmodellen, CDs werden kaum noch verkauft.
In Deutschland dagegen läuft das Geschäft noch ganz anders. Noch immer kommen drei Viertel des Gesamtumsatzes aus dem Verkauf der Silberscheiben. Während auch in den USA oder Großbritannien große CD-Geschäfte bereits aus dem Stadtbild verschwunden sind, bleiben viele Bundesbürger der CD treu. Das zeigen auch die neuen Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie.

Im abgelaufenen Jahr hat die Branche erstmals nach 15 Jahren Krise, in denen sich die Erlöse halbierten, wieder ein kleines Umsatzwachstum von rund einem Prozent auf 1,45 Milliarden Euro verzeichnet. Weiterhin stark legte demnach dasdigitale Geschäft – also Download- und Streamingdienste – zu, die Erlöse stiegen um rund ein Achtel. Viel wichtiger aber: Die CD-Umsätze schrumpften nur um 2 Prozent und bleiben damit weiterhin die mit Abstand wichtigste Ertragssäule.

Das vorläufige Jahresergebnis bestätige den positiven Trend, sagt Verbandschef Florian Drücke. Besonders im Weihnachtsgeschäft sei die CD als Geschenk stark gefragt gewesen. Die Zahlen zeigen seiner Ansicht nach, dass die Industrie mit ihren digitalen Angeboten auf dem richtigen Weg ist. Mittlerweile gibt es den Angaben zufolge rund 70 legale Musikangebote im Internet. Der Erfolg dieser Dienste hänge aber weiterhin davon ab, dass die illegale Nutzung und entsprechende Plattformen eingedämmt und bekämpft werden, heißt es beim Verband. Hier sehe man die neue Bundesregierung in der Pflicht, nötige Regelungen zu schaffen.

Mit Kritik an der Telekom hält sich der Verband zurück. Der Konzern habe mit Musicload beim digitalen Musikvertrieb wichtige Pionierarbeit geleistet und dazu beigetragen, dass sich der legale Download in Deutschland trotz der Marktverzerrungen durch illegale Angebote fest etablieren konnte, sagt Dücke.

Thomas Wüpper

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