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Digital Schweinehalter setzen auf Tierkontaktbörse
Nachrichten Digital Schweinehalter setzen auf Tierkontaktbörse
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10:39 13.05.2012
Schweinehalter können sich auf der „Ferkelkontaktbörse“ austauschen. Quelle: dpa
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Damme

Ferkel sucht Bauer: Mit einer neuen Kontaktbörse im Internet will die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) die Geschäftsverhältnisse zwischen Schweinezüchtern und Mästern verbessern. Mit der „Ferkelkontaktbörse“ können Mastbetriebe zielgenau nach passenden Jungtieren suchen, erläuterte ISN-Experte Paul Klatte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Damme bei Vechta.

Das Projekt könne nicht nur stabilere Preise für die Ferkelerzeuger bringen, sagte er. Erfahrungsgemäß bringe eine feste Handelsbeziehung zwischen Ferkelerzeugern und Mästern gesündere Tiere hervor. „Das ist auch aktiver Tierschutz, wenn ich weniger Medikamente einsetzen muss“, sagte Klatte.

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Hintergrund seien stark eingebrochene Preise für Ferkel im vergangenen Jahr gewesen, mit eine Folge des Skandals um Dioxin in Tierfutter. Viele Ferkelerzeuger seien „schwach und mutlos“ geworden. „Eine ganze Reihe von Betrieben hat ans Aufhören gedacht“, sagte Klatte. Von den nach ISN-Angaben rund 21.000 Zuchtsauenhalter und damit Ferkelerzeugern in Deutschland waren es nach Klattes Schätzung rund 30 Prozent.

Bislang seien mit der neuen Börse sechs Kontakte entstanden. Ob diese langfristig funktionierten, müsse sich erst noch zeigen. Denn die Mastbetriebe müssten deutlich umdenken, betont Klatte. Während Ferkelerzeuger unter dem Druck stehen, ihre Tiere zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen zu müssen, könnten die Abnehmer - die Mastbetriebe - viel flexibler sein. „Ein Mäster kann mit dem Einstallen der Ferkel auch mal 14 Tage warten“, erläuterte Klatte. Das trage mit zum Preisdruck bei den Erzeugern bei.

Mit der Börse sollen Mäster nun den Züchter finden können, mit dem sie einen langfristigen Vertrag eingehen. „Das bringt auch für den Mäster eine höhere Wertschöpfung“, erklärt er. Die Mäster seien bereit, mehr zu zahlen, wenn sie eine konstante Qualität aus demselben Betrieb bekämen. „Er hat natürlich einen erheblich geringeren Krankheitsdruck auf seinem Betrieb, weil die Ferkel immer dieselbe Herkunft haben, die Keimbelastung immer dieselbe ist und es kaum noch Krankheiten geben dürfte.“ Das belegten Erfahrungen aus Betrieben, die bereits seit langem eine feste Anbindung an einen Ferkelerzeuger haben.

Der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen äußert sich zurückhaltend. „Ob die Ferkelhalter ein bisschen mehr Geld verdienen, bringt für die Tiergesundheit gar nichts“, sagte der Sprecher des Nabu- Landesfachausschusses Landwirtschaft, Alfred Fahldieck. Entscheidend für das Wohl der Tiere seien die Haltungsbedingungen. Und die hingen eher von den niedrigen Preisen ab, die der Lebensmitteleinzelhandel den Landwirten diktiere.

Landvolk-Sprecherin Gabi von der Brelie dagegen hält die Kontaktbörse für eine gute Idee. „Das ist gut aus seuchenhygienischen Gründen“, sagte sie. Außerdem seien feste Handelsbeziehungen zwischen Mästern und Züchter für die Betriebe besser zu handhaben. „Dann können sie Preise besser aushandeln, die gut sind für beide Seiten.“ 

jhf/dpa

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