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Digital Schwere Geschütze gegen Facebook
Nachrichten Digital Schwere Geschütze gegen Facebook
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11:00 25.08.2011
Von Frerk Schenker
Nicht bei Facebook? Rund 750 Millionen Menschen sehen das anders und sind bereits Mitglied im weltgrößten Onlinenetzwerk. Quelle: dpa
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Hannover

Facebook erstelle umfassende Nutzerprofile – auch von Nicht-Mitgliedern – und nutze diese für Werbezwecke, prangert Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert an. Er erklärte den „Gefällt mir“-Button für „illegal“ und forderte Webseitenbetreiber auf, den Button zu entfernen und auch ihre Facebook-Fanseiten zu löschen.

Bei Appellen wollen es die Datenschützer aus Kiel nicht belassen. Sie haben behördlichen wie privaten Anbietern in Schleswig-Holstein eine Frist bis Ende September gesetzt, um die Datenweitergabe zu stoppen. Andernfalls drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.

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Grundlage für die Drohung ist eine Analyse des ULD. Demnach gibt jeder Internetnutzer seine IP-Adresse an Facebook weiter – nicht nur, wenn er auf den „Gefällt mir“-Button klickt, sondern auch beim Öffnen einer Facebook-Fanseite; selbst dann, wenn er kein Facebook-Mitglied ist. Möglich macht dies eine winzige Datei, Cookie genannt, die auf dem Rechner oder Smartphone für mindestens zwei Jahre gespeichert wird. Einmal abgelegt, nimmt die Datei jedes Mal Verbindung mit Facebook auf, wenn eine Seite mit dem „Gefällt mir“-Button aufgerufen wird. Das sei mit dem Telemediengesetz nicht vereinbar, heißt es in der Analyse.

Facebook selbst ist für die Datenschützer nur schwer zu fassen. Das Unternehmen erklärte zu den Vorwürfen, dass man bei der Nutzung des „Gefällt-mir“-Buttons unter anderem die IP-Adresse sehen könne – dabei sei es gleich, ob der Nutzer bei Facebook eingeloggt sei oder nicht. Aber „wir löschen diese technischen Daten innerhalb von 90 Tagen“. Dies entspreche den üblichen Branchenstandards.

Obwohl das ULD seine Bußgelddrohung nur für Schleswig-Holstein ausgesprochen hat, deaktivierte als erste niedersächsische Behörde der Landkreis Friesland am Dienstag seine Facebook-Seite. Als Behörde sehe man sich in der Pflicht, den Datenschutz zu gewährleisten, sagte ein Kreis-Sprecher. Die Region Hannover hat nach Bekanntwerden der Analyse eine rechtliche Überprüfung der eigenen Facebook-Seite angekündigt. „Wir glauben aber nicht, dass wir die Seite sofort abschalten müssen“, sagte eine Sprecherin. Auch die HAZ, die auf ihrer Webseite die Facebook-Funktion „Empfehlen“ eingebaut hat, lässt diese derzeit durch den Datenschutzbeauftragten der Mediengruppe Madsack prüfen.

Sven Thomsen, Mitherausgeber der ULD-Analyse, monierte den häufig „unreflektierten Umgang“ mit Facebook seitens der Behörden. Eine Kritik, die Stefan Wittke, Sprecher der Polizeidirektion Hannover, so nicht stehen lassen will. Die Polizeidirektion hat deutschlandweit ein e Ausnahmestellung in Sachen Facebook. Seit März veröffentlicht sie im Rahmen eines Pilotprojekts Fahndungsfotos in dem sozialen Netzwerk. „Facebook ist eine Chance, Bürgernähe herzustellen“, sagt Wittke, der die Facebook-Seite mit den rund 26.000 Fans nicht mehr missen möchte. Zwar müsse sich Facebook zu Recht kritische Fragen bezüglich des Datenschutzes gefallen lassen. „Derzeit erinnert die Debatte aber an die vor hundert Jahren, als bei Behörden das Telefon eingeführt wurde“, sagt Wittke. Er verweist darauf, dass jeder, der die Facebook-Seite der Polizeidirektion nutze, Mitglied in dem sozialen Netzwerk sei und somit die Nutzungsbedingungen akzeptiert habe.

Die ULD-Mitarbeiter, die im Internet als „Fundamentalisten“ und „Datenschutzhysteriker“ beschimpft werden, betonen derweil, dass sie Facebook gar nicht verteufeln wollen. „Wir raten Nutzern aber zu einem sorgsameren Umgang mit persönlichen Daten“, sagt ULD-Experte Thomsen. Neben strengen Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook sollte auch das eigene Surfverhalten hinterfragt werden. Um zu verhindern, dass Daten beim Aufruf einer Internetseite mit einem „Gefällt mir“-Button automatisch an Facebook gesendet werden, sollte man sich aus dem Netzwerk ausloggen oder mit einem zweiten Browser surfen sowie regelmäßig die Cookies auf dem eigenen Rechner löschen. Auch Script-Blocker wie das Programm NoScript böten einen Schutz, empfiehlt Thomsen.

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