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Digital „SimCity“ fehlt noch der Feinschliff
Nachrichten Digital „SimCity“ fehlt noch der Feinschliff
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11:26 16.03.2013
Screenshot aus "SimCity"
Städtebauen macht in "SimCity" Spaß, aber das Spiel hat noch mit Mängeln zu kämpfen. Quelle: Electronic Arts
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Hannover

Eigentlich ist „SimCity“ ein wunderbares Spiel. Eine virtuelle Stadt aus dem Boden zu stampfen kann kaum mehr Spaß machen: Straßen ziehen, Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete ausweisen, die Stromversorgung sichern, Wasser bereitstellen, Abwasser abpumpen – und der Stadt beim Wachsen zusehen. Je größer die Stadt wird, desto komplexer werden die Aufgaben. Feuerwehr- und, Polizeistationen sowie Krankenhäuser müssen gebaut werden, die Kinder sollen zur Schule und später in die Universität gehen. Und wenn die Stadt weiter wächst müssen die bestehenden Einrichtungen erweitert werden. Straßen werden dann sechsspurig, Schulen bekommen weitere Klassenzimmer spendiert und die Feuerwehr größere Garagen für weitere Fahrzeuge.

Da zu einer Stadt immer mehrere Regionen gehören, lassen sich die einzelnen Bereiche spezialisieren. So wird aus dem ressourcenreichen Gebiet ein Umschlagplatz für Kohle und Erdöl, während eine Stadt, in der Glücksspiel erlaubt ist, dank Casinos zum Touristenmagneten mutiert und ein kleiner Vorort das Wohngebiet für die Arbeiter stellt.

Das Regionssystem ist jedoch auch einer der Schwachpunkte von „SimCity“, denn die bebaubaren Plätze sind allesamt verhältnismäßig klein, schon nach einer Spielstunde kann man beim Bauen an die Grenzen stoßen. Zwar lässt sich die Stadt weiterhin optimieren – eine richtige Metropole wie in den Vorgängern ist somit aber nicht möglich.

Dazu kommt die mangelnde Transparenz des Spiels. Warum sich von zwei gegenüberliegenden Geschäften eines über die zahlreiche Kundschaft freut und das andere vor dem Bankrott steht, wird nicht erklärt. Gleiches gilt für die Beschwerde der Industrie, dass es an Arbeitskräften mangele – obwohl in der Stadt genügend ausgebildete Leute leben.

Auch sonstige Fehler trüben den Spielspaß. Wenn man eine stark befahrene Straße mit einer Umgehung erleichtern will, scheren sich die virtuellen Bewohner oft nicht um den alternativen Weg. Auch die Tatsache, dass die Müllwagen, anstatt sich in der Stadt zu verteilen, in einer Kolonne fahren, kann die Bauherren vor dem PC ebenso zur Verzweiflung treiben wie die Polizei- und Feuerwehrwagen, die im Stau stehen bleiben, statt sich mit Blaulicht Platz zu verschaffen. Der Entwickler Maxis arbeitete bereits daran, diese Fehler zu korrigieren.

Der größte Fehler, den „SimCity“ jedoch macht, ist der Zwang zur permanenten Online-Verbindung mit den Servern von Maxis. Auch wer das Spiel nur allein spielen möchte, muss sich mit den Servern verbinden – und die hielten dem großen Andrang an den ersten Tagen nicht stand. Wartezeiten von 20 Minuten, in denen das Spiel nicht spielbar war, waren dabei an der Tagesordnung. Oft funktionierte die Verbindung auch nicht nach der Wartezeit. Mittlerweile sind diese Probleme behoben, und EA hat den unzufriedenen Kunden ein kostenloses Spiel als Wiedergutmachung versprochen – ärgerlich waren diese Mängel zum Verkaufsstart dennoch.

EA begründet die Server-Verbindung damit, dass „SimCity“ im Multiplayer ein soziales Erlebnis sein soll: Mehrere Spieler können sich in einer Region zusammentun und bestimmte Städte übernehmen. Sprechen sie sich gut ab, kann ein Bürgermeister für den Strom sorgen, ein weiterer für die Arbeitskräfte, der nächste für Polizei und Feuerwehr und einer für den Finanzfluss. Ohne Absprache kann die Bauerei schnell im Chaos ausarten, wenn etwa der Spieler, der mit seinem Atomkraftwerk für Strom sorgen soll, sein Kraftwerk plötzlich stilllegt. Wenn sich die anderen Spieler auf ihn verlassen haben, stehen sie bald vor den Trümmern ihrer virtuellen Welt.

Diese Aspekte sorgen dafür, dass der Spielspaß bei „SimCity“ gehörigen Schwankungen unterliegt. Wer sich für die Arbeit eines Bürgermeisters und Bauherren begeistern kann, wird jedoch trotz der Makel viel Spaß mit der Aufbausimulation haben. Das Ziel, eine perfekte Stadt beziehungsweise die beste Kombination der Regionen zu errichten, sorgt für enorme Motivation und Langzeitspielspaß. Und dank der Glassbox-Engine macht „SimCity“ auch dann besonders viel Spaß, wenn man gerade nicht aktiv spielt, sondern nur die Bewohner im selbst geschaffenen Mikrokosmos beim virtuellen Leben beobachtet und der Miniatur-Modellstadt beim Wachsen zusieht.

„SimCity“ gibt es für den PC. Es ist ab sechs Jahren freigegeben und kostet etwa 50 Euro.

jhf

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