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Digital „Kommissar Twitter“ auf Verbrecherjagd
Nachrichten Digital „Kommissar Twitter“ auf Verbrecherjagd
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16:28 21.08.2013
Die spanische Polizei setzt das Online-Netzwerk Twitter gezielt für die Kriminalitätsbekämpfung ein. Quelle: Symbolbild
Madrid

Die spanische Polizei setzt das Online-Netzwerk Twitter gezielt für die Kriminalitätsbekämpfung ein. Sie verbreitet dort nicht die klassischen Mitteilungen aus dem Polizeibericht, sondern sucht den direkten Kontakt zur Bevölkerung. So lässt sie über Twitter nach flüchtigen Straftätern suchen und warnt die Spanier vor neuen Gaunertricks oder neuen Formen der Internet-Kriminalität.

Auch in Deutschland wird über den Einsatz Sozialer Netzwerke in der Polizeiarbeit diskutiert. "Die spanische Polizei ist auf diesem Gebiet weltweit ein Vorreiter", sagt Carlos Fernández Guerra. Der 39-Jährige leitet in Madrid die Sondereinheit der Policía Nacional (CNP) für die Sozialen Netzwerke. Mehr als 540 000 Menschen verfolgen die Twitter-Nachrichten der Polizei. Damit lägen die Spanier bei Sicherheitskräften in aller Welt an zweiter Stelle, hinter der US-Bundespolizei FBI.

Manche Kurzbotschaften der CNP werden mehr als 5000 mal weitergeleitet. "Da liegen wir sogar noch vor dem Weißen Haus in Washington", berichtet Fernández Guerra stolz. Der größte Erfolg der Nationalpolizei war die "Tweet-Razzia", benannt nach den "Tweets", wie die Kurzbeiträge im Twitter-Dienst heißen. Mit dieser Anfang 2012 gestarteten Sonderkampagne werden die Spanier aufgerufen, der Polizei Hinweise auf Rauschgifthändler oder Drogenumschlagplätze zu geben. Das Resultat: Die Fahnder erhielten 12 000 Hinweise und konnten 300 Verdächtige festnehmen.

Twitter hilft den Beamten, Opfer von Sexualstraftätern ausfindig zu machen, die sich nicht getraut zu einer Polizeidienststelle trauen. Nutzer des Dienstes geben den Ermittlern auch Hinweise auf Kinderpornos, die online verbreitet werden.

Auch deutsche Polizeibehörden binden das Internet in ihre Arbeit ein. So unterhält das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen seit mehr als zehn Jahren eine Einheit zur Internetstreife. Sie sucht gezielt Foren und Soziale Netzwerke nach Hinweise auf Verbrechen ab. In mehreren Bundesländern können Strafanzeigen online eingereicht werden.

Die Polizei in Hannover verbreitet über eine eigene Facebook-Seite Aufrufe zur Fahndung nach Verdächtigen. Inzwischen arbeiten die Justizministerien der deutschen Bundesländer an einer gemeinsamen Richtlinie für den Einsatz Sozialer Netzwerke, sagt René Brosius-Linke vom hessischen Justizministerium. Denn dabei seien auch rechtliche Vorgaben zu berücksichtigen. So sollten Polizeistellen Informationen auf eigenen Webseiten veröffentlichen und in Sozialen Netzwerken nur auf diese Seite hinweisen, um Vorgaben zum Datenschutz zu erfüllen.

In Spanien musste die Polizei die trockene Sprache ihrer klassischen Berichte über den Haufen werfen. "Twitter ist sehr grausam", betont Fernández Guerra. "Entweder man weckt Interesse, oder man wird ignoriert. Die Beiträge müssen auffallen und plakativ sein, und sie müssen für die Bürger nützlich sein." Der 39-Jährige, ein ehemaliger Wirtschaftsjournalist und PR-Experte, krempelte den Sprachstil so sehr um, dass manche Internetnutzer anfangs glaubten, die Beiträge stammten gar nicht von der Polizei, sondern seien Fälschungen eines Witzbolds.

"Mittlerweile kommt es vor, dass Leute unsere Phrasen oder Witze abschreiben", sagt Fernández Guerra. Eine Warnung der Polizei, Fotos von Bekannten nicht im Internet zu verbreiten, liest sich so: "Da hat sich jemand gestern voll die Kante gegeben und im Überschwang wenig vorteilhafte Fotos von sich aufnehmen lassen. Verbreite diese Bilder nicht in Sozialen Netzwerken!"

Auf eine Reportage in der "Bild am Sonntag" über Kriminalität und Prostitution auf Mallorca reagierte die spanische Polizei mit einem Twitter-Eintrag auf Deutsch: "Mallorca ist so wunderbar wie immer. Wir warten auf Sie!"

Die jüngste Errungenschaft ist die "Tweet-Streife". Am Weltfrauentag berichteten zwei Beamtinnen der CNP während ihres Streifendiensts über Twitter aktuell von ihren Erlebnissen. "Davon hätten die Leser noch mehr haben wollen", sagt Fernández Guerra. "Aber unsere Möglichkeiten sind beschränkt."

dpa

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