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Digital Staatstrojaner mutiert zum zahnlosen Tiger
Nachrichten Digital Staatstrojaner mutiert zum zahnlosen Tiger
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12:23 11.10.2011
Der Staatstrojaner soll inzwischen auch von Antiveren-Programmen erkannt werden. Quelle: dpa
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Führende Hersteller erklärten, die Spionagesoftware in ihre Signaturen-Liste aufgenommen zu haben und somit Schutz gegen einen möglichen Spähangriff zu bieten. "Die Signatur steht in unserer Datenbank", sagte Ralf Benzmüller von G-Data der dpa. Auch der finnische Hersteller F-Secure bietet bei seiner Antiviren-Software inzwischen einen Schutz gegen den "Schädling".

Bayerische Ermittler haben nach Angaben des Landesinnenministeriums vom April bislang fünf Mal Spionage-Software eingesetzt. Damit überwachten sie nicht nur E-Mails und Internettelefonate, sondern nahmen auch Zehntausende von Bildschirmfotos auf. Rekord waren in einem der Ermittlungsverfahren 29.589 solcher Screenshots. In allen fünf Fällen war der Einsatz der Trojaner richterlich genehmigt, wie es das Gesetz vorschreibt. Bei den Verfahren in München, Landshut, Nürnberg und Augsburg ging es um Doping, Drogen, Hehlerei und eine Bande von Internet-Betrügern, die geschätzt 80 000 bis 120 000 Menschen um eine Summe von insgesamt 10 bis 30 Millionen Euro geprellt haben soll. Im Behördenjargon heißt die Online-Überwachung TKÜ - Telekommunikationsüberwachung.

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Sind Bildschirmfotos rechtswidrig?

Rechtlich umstritten ist aber, was die Genehmigung zur TKÜ eigentlich bedeutet. Das Landgericht Landshut kam im Januar in einem der fünf Fälle zu der Auffassung, dass das Aufnehmen von Bildschirmfotos rechtswidrig war. Denn deren Aufnahme geht laut Gericht über die genehmigte Überwachung der Telekommunikation hinaus. Das Landesinnenministerium hingegen argumentiert, dass die TKÜ-Genehmigung auch Bildschirmfotos umfasst - und verweist darauf, dass es dazu noch keine höchstrichterliche Entscheidung gibt. Das Ministerium vertritt deswegen die Auffassung, dass der Einsatz der Software auch mit extra Screenshot-Funktion nicht rechtswidrig ist.

Trojaner bietet große Hintertür

Sicherheitsexperten warnen unterdessen, dass die für die Ermittlungsarbeit gedachte Software eine große Hintertür in den jeweiligen Rechnern hinterlässt, die Dritte missbrauchen könnten. Diese hätten die Möglichkeit, eigene Programme hochzuladen und für kriminelle Zwecke auszuführen. Nach einhelliger Meinung von Experten ist die vom CCC untersuchte Software äußerst dilettantisch programmiert worden.

dpa