Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Digital Telekom arbeitet am Zwei-Klassen-Internet
Nachrichten Digital Telekom arbeitet am Zwei-Klassen-Internet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:02 30.10.2015
Die Deutsche Telekom hat Pläne für ein Zwei-Klassen-Internet vorgestellt. Quelle: Oliver Berg/dpa
Anzeige
Bonn/Hannover

Der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, hat Pläne vorgestellt, wie der Konzern mit seiner Infrastruktur mehr Geld verdienen kann. Grundlage dafür ist ein Beschluss des europäischen Parlaments von Dienstag. Demnach dürfen die Netzanbieter im Prinzip keine Dienste gegenüber anderen bevorzugen. Allerdings können sogenannte Spezialdienste privilegiert behandelt werden.

Damit soll sichergestellt werden, dass beim Video-Streaming das Bild nicht ruckelt oder bei einer Telemedizin-Anwendung das Bild während einer Operation nicht plötzlich unscharf wird – nur weil gerade nicht genügend Bandbreite zur Verfügung steht. Jedoch ist unklar, was ein Spezialdienst konkret ist.

Anzeige

Vorfahrt für bestimmte Dienste

Höttges nannte einige Beispiele. "Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie." Diese Dienste erforderten eine hohe Übertragungsrate. "Eine Videokonferenz sollte beispielsweise auch zu Stoßzeiten im Netz nicht ins Stocken geraten", schrieb Höttges. "Deshalb muss die Möglichkeit bestehen, dass die Daten empfindlicher Dienste im Stau Vorfahrt bekommen."

Aus Sicht von Kritikern gäbe es dann ein Zwei-Klassen-Internet. Dazu schreibt Höttges: "Schon heute ist die Qualitätsdifferenzierung im Netz längst gelernte Praxis." Mehr Speicherplatz für Mails koste extra, und ein Film sei in HD-Qualität ebenfalls teurer als in SD-Qualität. "In Zukunft wird es eben auch die Möglichkeit geben, einen Dienst für ein paar Euro mehr in gesicherter Qualität zu buchen", meint Höttges. Demnach sollen Anbieter bestimmter Dienste also dafür bezahlen, wenn die Telekom ihre Daten im Falle eines Staus im Internet bevorzugt durchleiten soll. Und diese Kosten könnten die Dienste-Anbieter an die Verbraucher weiterreichen.

Umsatzbeteiligung für die Telekom?

Höttges ging auch noch auf einen Vorwurf von Kritikern ein, wonach kleine und neu gegründete Firmen es sich nicht leisten könnten, für eine Überholspur im Internet zu bezahlen. Ihnen will der Konzern eine Alternative anbieten: "Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent", schreibt Höttges. "Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur."

Ob und wann diese Pläne umgesetzt werden, ist unklar. Konkrete Verhandlungen mit Dienste-Anbietern gebe es noch nicht, sagte ein Telekom-Sprecher auf Nachfrage. Der Konzern habe mit den Unternehmen bisher nur "grundsätzliche Sondierungsgespräche" geführt.

wer

29.10.2015
Digital Ordner "Sonstiges" verschwindet - Facebook schafft nervigen Spam-Schutz ab
28.10.2015
Digital Zweite Staffel von "Fargo" - Sterben im Schnee
31.10.2015