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Digital Twitter gefährdet die Sprachkompetenz
Nachrichten Digital Twitter gefährdet die Sprachkompetenz
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13:11 03.01.2012
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto: Hans Zehetmair, der Chef des Rats für deutsche Rechtschreibung, beklagt, dass es bei Twitter keine ganzen Sätze mehr gibt.
Hans Zehetmair, der Chef des Rats für deutsche Rechtschreibung, beklagt, dass es bei Twitter keine ganzen Sätze mehr gibt. Quelle: dpa
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Damit meint er Abkürzungen und Kurzschreibweisen, wie sie in Kurzmitteilungen auf dem Handy oder bei Online-Diensten wie Twitter genutzt werden. Diese Fetzenliteratur gefährdet nach Ansicht des CSU-Politikers die Sprachkompetenz junger Leute. „Eine junge Generation schreibt heute – um eine Liebe zum Ausdruck zu bringen – keine Briefe mehr, sondern ,HDL‘ – ,Hab dich lieb‘“, klagte Zehetmair in einem Interview. „Unsere Zeit ist so schnelllebig geworden. Da müssen Sie sich nur die Twitter-Literatur ansehen, in der es keine ganzen Sätze mehr gibt.“

Zehetmair sagte weiter: „Wir sind weltweit in zivilisatorischen Gesellschaften auf dem gefährlichen Weg, dass immer weniger gelesen, immer mehr Fetzenliteratur gepflegt, immer weniger geschrieben wird.“ Auch die Schule komme ihrem Bildungsauftrag in dem Bereich nur begrenzt nach. „Die Lehrer sind auch Kinder unserer Zeit und – bei allem guten Bemühen – gibt es auch bei ihnen oft diese Fetzenliteratur: super, geil und alles mit Ausrufezeichen.“

Hochschullehrer beklagten immer wieder die mangelhafte sprachliche Qualität von Diplom-, Magister- oder Bachelorarbeiten: „Man nimmt sich kaum noch die Zeit, ganze Sätze zu formulieren.“ Nach Angaben von Linguisten müssten rund 20 Prozent der 15-Jährigen heute als Analphabeten bezeichnet werden, sagte Zehetmair.

Eine Schwierigkeit sei auch die steigende Zahl an Anglizismen. „Sprache ist in vielen Bereichen ausschließlich verzweckt worden und ist überbordet mit Fremdeinflüssen. Ich bin nicht gegen Anglizismen im Allgemeinen, aber man sollte schon noch wissen, was die Worte auf Deutsch heißen.“ Das fehlende Hinterfragen sei aber „symptomatisch für eine Gesellschaft, die nicht mehr hinter die Dinge blickt und die Hintergründe nicht mehr beleuchtet“. Der Politiker warnte: „Eine solche Gesellschaft ist anfällig für Manipulation.“

In persönlichen Angelegenheiten allerdings scheint Zehetmair ein Freund von Abkürzungen zu sein. So benutzt er selten seinen Taufnamen „Johann Baptist Zehetmair“, sondern nennt sich – wohl weil kürzer oft besser ist – Hans. Seine Sprachverfallsklage wird selbstverständlich auch auf Twitter kommentiert. Nicht nur mit dem Kunstwort „lol“, sondern auch so: „Ex-Kultusminister Zehetmair glaubt, dass es auf Twitter keine ganzen Sätze mehr.“

(mit:dpa)

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