Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Digital Wie bei Facebook Privates privat bleibt
Nachrichten Digital Wie bei Facebook Privates privat bleibt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:59 08.02.2012
Von Frerk Schenker
Die Facebook-Chronik wird für alle Nutzer des sozialen Netzwerks Pflicht. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Besonders bei Datenschützern ist die neue Ansicht der persönlichen Facebook- Startseite heftig umstritten. Wer keine unliebsamen Überraschungen erleben will, sollte sich während der Umstellung Zeit nehmen und sein Profil aufräumen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was genau ist die Chronik?
Die Chronik, auch „Timeline“ genannt, soll nach dem Willen von Facebook das „digitale Lebensarchiv“ werden. Künftig sind alle Nachrichten, Bilder und Videos, die man jemals veröffentlicht hat, in der Chronik sichtbar. Auf dem Zeitstrahl können Nutzer zudem „Lebensereignisse“ wie Geburtstag, Einschulung oder Hochzeit eintragen. Sichtbarste Neuerung ist ein großformatiges Titelbild, das jeder frei wählen darf. Posts erscheinen künftig auf der Chronik in zwei Spalten.

Anzeige

Was ändert sich durch die Chronik?
Facebook betont, dass sich nur die Optik ändert – in Sachen Privatsphäre  aber alles beim Alten bleibt. Das stimmt genau genommen, allerdings spült die Chronik auch ältere Statusmeldungen und Bilder aus den Tiefen des Systems nach oben. Beiträge können zwar weiterhin nur von den zuvor angebenen Kontakten eingesehen werden – allerdings ist mit der Zeit auch die Zahl der Freunde gewachsen. Im Klartext: War ein Post vor einigen Jahren nur für die Handvoll Freunde bestimmt, können ihn jetzt mitunter mehrere Hundert Freunde lesen, die in der Zeit hinzugekommen sind.

Wann macht Facebook die Chronik zur Pflicht?
Ein genaues Datum nennt Facebook nicht, es soll „in den kommenden Wochen“ damit begonnen werden. Weil aus technischen Gründen nicht alle über 800 Millionen Nutzer auf einen Schlag umgestellt werden können, erfolgt der Wechsel zur neuen Profilansicht schrittweise.

Wie läuft die Umstellung genau ab?
Alle Mitglieder bekommen eine Nachricht über die Umstellung zugeschickt und müssen die Chronik ausdrücklich aktivieren. Danach hat jeder Nutzer eine Woche Zeit, sein Profil zu gestalten und aufzuräumen. Erst dann wird die Chronik für andere Nutzer sichtbar. Datenschützer monieren, dass diese Frist zu kurz gehalten sei, weil mitunter mehrere Hundert oder gar Tausend Nachrichten durchgesehen werden müssen. Eine Umstellung ohne Wissen des Nutzers soll laut Facebook nicht stattfinden.

Habe ich Einfluss auf die Chronik?
Ja, Nutzer können für jeden einzelnen Beitrag festlegen, ob er ganz gelöscht, verborgen oder weiter angezeigt werden soll. Dafür auf den Stift neben dem Beitrag klicken, hier können auch Informationen wie Ort und Zeit hinzugefügt werden. Mit dem Stern lassen sich einzelne Einträge hervorheben. Wie in der alten Profilansicht erscheint neben dem Datum jedes Eintrags ein kleines Symbol – mit einem Klick darauf werden die Privatsphäre-Einstellungen geändert. So können Informationen für alle oder nur bestimmte Freunde sichtbar gemacht werden. Zur Überprüfung gibt es bei den Profileinstellungen den Punkt „Anzeigen aus der Sicht von ...“. Damit kann man nachvollziehen, wie die Seite zum Beispiel für den Chef aussieht.

Lässt sich die Chronik wieder abstellen?
Nein, die Chronik wird zur Pflicht. Bei Facebook kursieren zwar Links, die Hilfe bei der Wiederherstellung der alten Ansicht versprechen. Dabei handelt es sich aber um Betrugsversuche, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Wer bei den Meldungen auf „Gefällt mir“ klickt oder den geposteten Links folgt, gelangt unter Umständen auf Webseiten, die mit Schadprogrammen infiziert sind.

Was passiert, wenn ich die Chronik ablehne?
Vorerst nichts, denn die alten Profile solen während einer Übergangsphase weiter erlaubt sein. Erst in einigen Monaten werden alle Profile zwangsweise umgestellt – auch dann hat aber jeder Nutzer ab dem ersten Einwählen eine siebentägige Frist zum Gestalten und Aufräumen. Wer die Chronik partout nicht haben will, dem bleibt dann nur noch der Abschied aus dem Netzwerk. Deaktiviert man sein Nutzerkonto, ist es für andere nicht mehr einsehbar. Aber Vorsicht: Deaktiviert ist nicht gelöscht. Loggt sich der Nutzer bei Facebook erneut ein, ist das Profil wieder aktiv. Um das Konto zu löschen, muss man eine Löschanfrage stellen – den entsprechenden Link dazu hat Facebook bewusst in den Tiefen des Systems versteckt. Erst nach der Bestätigung der Löschanfrage lässt sich das Profil nicht mehr aufrufen. Ob damit alle Daten auch von den Facebook-Servern gelöscht sind, bezweifeln jedoch nicht nur kritische Datenschützer.

Was ändert sich sonst noch?
Zeitgleich mit der Umstellung auf die Chronik führt Facebook das sogenannte „Frictionless Sharing“ ein. Dieses reibungslose Teilen funktioniert über so genannte Social Apps, die automatisch Informationen in der „Timeline“ veröffentlichen. Die kleinen Programme erfassen zum Beispiel, welche Musik man gerade im Netz hört oder welchen Artikel man auf einer Nachrichtenseite liest. Die Nutzung ist freiwillig, die Programme müssen vorher aktiviert werden.

Mehr zum Thema

Gelöscht, aber nicht wirklich entfernt: Facebook muss sich seit Längerem mit dem Vorwurf herumschlagen, es lösche Daten seiner Nutzer nicht vollständig. Jetzt ist ein neuer Fall bekanntgeworden, bei dem sich bereits gelöschte Bilder auch drei Jahre später noch im Netz befanden.

Frerk Schenker 07.02.2012

Facebook-Nutzer verbringen laut einem „Focus“-Bericht im Schnitt ein Fünftel ihrer Zeit im Internet bei dem sozialen Netzwerk - mit stagnierender Tendenz. In Deutschland habe sich der Wert seit dem vergangenen Jahr bei 16 Prozent, in den USA zwischen 14 und 15 Prozent eingependelt, schreibt das Magazin unter Berufung auf Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Comscore.

04.02.2012
Digital Risiken im Börsenprospekt - Wovor Facebook sich fürchtet

Facebook ist eine Macht im Internet. Und doch gibt es Dinge, die selbst Gründer Mark Zuckerberg und seine Mitstreiter ängstigen. Im Börsenprospekt muss Facebook alle seine Sorgen offenlegen - damit kein Investor später ankommt und sagt, er hätte nicht um die Risiken seiner Geldanlage gewusst.

02.02.2012