Zahl der Mobbing-Opfer im Internet stark gestiegen
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Digital Mobbing im Internet stark gestiegen
Nachrichten Digital Mobbing im Internet stark gestiegen
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00:23 09.08.2015
Kinder und Jugendliche sind besonders vom Cybermobbing betroffen. Quelle: dpa
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Hannover

Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich in etwa verdoppelt. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor.

So ist die Zahl der polizeilich registrierten Beleidigungen, die über das Internet verbreitet wurden, von 864 im Jahr 2010 auf 1417 im Jahr 2014 gestiegen – ein Plus von 64 Prozent. Beleidigungen auf sexueller Grundlage erhöhten sich um 85 Prozent auf 846 Fälle.

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Nötigungen haben sich von 120 auf 275 Fälle sogar mehr als verdoppelt. Die Zahlen, die den polizeilichen Kriminalstatistiken entstammen, machten deutlich, dass das Internet als Tatmittel eine immer größere Bedeutung erlange, schreibt das Ministerium. Aber „das Anzeigeverhalten der Opfer ist oft aus Scham eher gering. Daher muss hier von einem erheblichen Dunkelfeld ausgegangen werden.“

Zwei Drittel der minderjährigen Tatverdächtigen sind männlich

Cyber-Mobbing sei vor allem ein Phänomen unter Jugendlichen, schreibt die Landesregierung weiter. Etwa zwei Drittel der minderjährigen Tatverdächtigen seien männlich. Von der Polizei werde zunehmend berichtet, „dass es unter Minderjährigen immer wieder zum Austausch intimer Handyfotos oder Videosequenzen von Mädchen kommt, die sich von ihrem Partner getrennt haben“.

Ralf Willius, als Sozialarbeiter beim hannoverschen Verein für Medienkompetenz Smiley tätig, warnt davor, Mobbing pauschal mit Hänselei gleichzusetzen. „Durch die digitale Kommunikation unter Jugendlichen entstehen schnell Missverständnisse, die sich dann hochschaukeln und für Betroffene sehr schmerzhaft werden. Das lässt sich oft aber schnell wieder klären.“ Mobbing fange jedoch dort an, wo aus Vorsatz über einen langen Zeitraum immer dieselbe Person schikaniert werde. „Im Internet werden meist die gemobbt, die auch auf dem Schulhof angegriffen werden“, sagt Willius. Seiner Erfahrung nach beginnt Mobbing fast immer in der realen Welt und setzt sich im Internet fort. „Soziale Netzwerke sind für Mobber ein gutes Werkzeug, denn die Hemmschwelle ist niedriger, weshalb sich viele von der virtuellen Gruppendynamik mitreißen lassen.“

Dem Opfer bleibt in diesem Fall oft nur der zivilrechtliche Weg der Anzeige. „Da meist in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Whatsapp auf privater Basis gemobbt wird, haben wir keine Möglichkeit, Täter zu beobachten und zu sanktionieren, solange das Opfer keine Anzeige erstattet“, sagt Sabine Mosler von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt.

Die Zahlen zeigten, dass Cyber-Mobbing ein flächendeckendes Phänomen sei, sagt der FDP-Abgeordnete Björn Fösterling. Es fehle ein Konzept. „In den Schulen wird es oft erst angegangen, wenn es die ersten Fälle gegeben hat.“

Von Heiko Randermann
und Isabel Christian

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