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Kultur Alyosha Jurinic eröffnet die Klaviersaison
Nachrichten Kultur Alyosha Jurinic eröffnet die Klaviersaison
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14:51 26.01.2019
Hinterlässt starken Eindruck: Alyosha Jurinic beim Saisonauftakt der Chopin-Gesellschaft Hannover. Quelle: Christian Kellner
Hannover

„Durchaus fantastisch und leidenschaftlich“ wollte Robert Schumann den ersten Satz seiner C-Dur-Fantasie vorgetragen wissen. Meist verstehen Pianisten diese Anweisungen als Einladung, das Stück in einem schwärmerischen, von jugendlichen Schwung befeuerten Gestus zu spielen. Alyosha Jurinic allerdings, der nun die neue Saison der Chopin-Gesellschaft Hannover eröffnet hat, ist nicht am temperamentvollen Klangrausch interessiert. Der Kroate, der mit 28 gerade zwei Jahre älter ist, als Schumann es bei der Komposition der Fantasie war, legt es vielmehr darauf an, die Brüche im Stück offenzulegen und die vielen kämpferschen Neuanfänge, die doch oft nur wieder im Nichts verlaufen.

Kühler Verstand, klarer Anschlag

Jurinic betrachtet Schumann mit dem Überblick des Nachgeborenen. Mit kühlem Verstand und klarem Anschlag folgt er den Spuren zurück in die Musikgeschichte, zu einer fast verdrängten Polyfonie, die auch dieser Musik noch anhaftet wie letzte Schalensplitter einem Kücken. Zugleich öffnet der Pianist den Blick für die Moderne, die sich so oft auf Schumann beruft. Die Freiheit der Form, der Mut zur Entwicklung und vor allem zur Wiederaufgabe von ganz eigenen musikalischen Gedanken wird so schon an der frühen Fantasie beispielhaft hörbar.

Alyosha Jurinic Quelle: Christian Kellner

Dazu passt, dass Jurinic der Fantasie eine Träumerei eines anderen Wegbereiters der Moderne voranstellt: Claude Debussys introvertierte „Rêverie“ gibt bei ihm das Motto für das Schumann-Stück vor, das im letzten Satz („Langsam getragen. Durchweg leise zu halten“) in ganz ähnlichem Tonfall schließt.

Andere Bezüge stellt der Pianist mit den zwölf Etüden op. 25 von Frédéric Chopin her, die der wie Schumann 1810 geborene Komponist ebenfalls im Alter von 26 Jahren veröffentlicht hat. Bei dieser nur vordergründig auf technische Probleme fokussierten Musik erweist sich Jurinic doch noch als schwärmerischer Pianist mit sehr viel Sinn für den delikaten Tonfalls Chopins. Entsprechend groß war der Beifall im bestens besuchten Solvay-Foyer, für den sich Jurinic mit einem Nocturne (op. 27, Nummer 2) bedankt.

Am 23. März trägt die Chopin-Gesellschaft die 17. Ausgabe ihres internationalen Klavierwettbewerbs in der Musikhochschule aus, das Konzert der Preisträger wird am 26. April in den Räumen der VHV-Versicherungen zu hören sein. Weitere Chopin-Konzerte sind am 16. Juni, 25. August (Open-Air), 15. September und 25. Oktober. Zum Saisonabschluss am 29. November spielt der hannoversche Pianist Mario Häring.

Von Stefan Arndt

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