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Kultur „Hineinwirken in die Stadtgesellschaft“
Nachrichten Kultur „Hineinwirken in die Stadtgesellschaft“
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01:15 01.03.2019
Andreas Beitin, designierter Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Andreas Beitin, der künftige Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, im Interview über seine Ausstellungspläne und dem Umgang mit der Hinterlassenschaft seines Vorgängers Ralf Beil.


Sie haben Auszeichnungen wie den Justus-Bier-Preis erhalten, haben die „Ausstellung des Jahres“ in Aachen und das Ludwig-Forum zum „Museum des Jahres“ gemacht. Sie bringen also eine Menge Renommee mit. Was bietet Ihnen Wolfsburg dafür?

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Ich meine, dass Wolfsburg sehr viel bietet. Zum einen diese hochkarätige Sammlung, die ab Ende März in der ersten großen Sammlungspräsentation zum 25. Jubiläum des Museums gezeigt wird. Das sind immerhin 600 hochkarätige Werke, ein Fundament, auf das man aufbauen kann und mit dem man arbeiten kann. Zum anderen die exzellenten, sehr effizienten Arbeitsbedingungen. Das Kunstmuseum ist ein Haus mit großen räumlichen Potenzialen, so dass man hier eine Vielfalt an Ausstellungsmöglichkeiten hat. Das bietet die Chance, noch stärker hineinzuwirken in die Stadtgesellschaft und offen zu sein für noch unerschlossene Besucherschichten.


Ihre bisherigen Ausstellungen in Aachen und zuvor in Karlsruhe zeugen von großer thematischer und medialer Breite. Da gibt es zeitgeschichtliche und aktuelle, multimediale und teils ikonische Präsentationen von Klassikern der Moderne wie Mies van der Rohe, von Zeitgenossen wie Franz Erhard Walter oder auch dem Lichtkünstler Mischa Kuball. Ist das die Mischung, die auch für Wolfsburg taugt?

Das hat weniger mit einem bestimmten Ort als mit den jeweiligen Inhalten zu tun. Die interessieren mich zuallererst, das Medium – sei es Malerei oder Skulptur, Video oder Zeichnung - ist da nur in zweiter Linie interessant. Umso besser aber, wenn durch unterschiedliche Medien auch verschiedene Ausstellungsformate möglich werden. So entsteht dann eben die große Bandbreite, die wohl wirklich kennzeichnend für meine kuratorische Arbeit ist.


Ihre preisgekrönte Ausstellung zum Symboljahr 1968 zeugt überdies von gesellschaftskritischem Engagement.

Das war mein größtes und wichtigstes Projekt in Aachen. Da ging es nicht zuletzt darum zu zeigen, wie Kunst und Künstler 1968 Themen aufgegriffen haben, die noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen waren. Aber es ging auch darum zu zeigen, was davon heute noch wichtig ist. Viele der damaligen Themen treiben uns ja heute immer noch um. Krieg, Umweltzerstörung, Geschlechtergerechtigkeit, all das ist immer noch von großer gesellschaftlicher Aktualität.

Ist Ihnen die Arbeit mit und an der Sammlung auch über die große Sammlungsschau hinaus wichtig?

Auf jeden Fall. Dafür will ich im Studio im Zwischengeschoss regelmäßig kleinere Ausstellungsformate etablieren. Ich möchte nicht nur Künstler aus Berlin, Hannover oder Braunschweig einladen, sondern auch Menschen aus Wolfsburg zur Auseinandersetzung mit der Sammlung einladen. Und ich will die Sammlung weiter ausbauen und vor allem mehr globale Kunst, mehr Kunst von Künstlerinnen nach Wolfsburg holen.


Wie gehen Sie mit der Hinterlassenschaft Ihres Vorgängers Ralf Beil um? Was ist beispielsweise mit der von diesem für 2019 geplanten Ausstellung „Oil – Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“ –Pläne, die viele als Anlass, wenn nicht sogar als Grund für seinen Rauswurf gedeutet haben?

Die Sammlungsschau wurde ja von dem Kollegen Holger Broeker kuratiert. Und „Oil“ haben die beiden externen Kuratoren Alexander Klose und Benjamin Steininger vorgeschlagen und mit Ralf Beil vorbereitet. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir Wege finden, diese Ausstellung noch umzusetzen. Man wird sehen, wie das geht.


Beil ist ja offenkundig im Streit geschieden. Das hat er zwar selbst bestritten, dies aber damit begründet, dass Streit eine Diskussionskultur voraussetze. Und die, hat er unter dem Eindruck eines Gesprächs mit Hans Dieter Pötsch, VW-Aufsichtsratschef und Kuratoriumsvorsitzender der Kunststiftung, die das Museum trägt, gesagt, gebe es nicht in Wolfsburg. Was ist Ihr Eindruck?

Dazu kann ich nichts sagen, dazu habe ich zu wenig Erfahrung. Mit Herrn Pötsch habe ich im Zuge des Bewerbungsverfahrens ganz normale, gute Gespräche geführt, die auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung beruhten.

Ralf Beil hat über die Medien noch den Rat erteilt, sein Nachfolger möge nur keine „Schere im Kopf“ zulassen. Haben Sie solche Ratschläge nötig?

Ich glaube nicht. Ich habe in meinem Berufsleben genug Erfahrungen gesammelt, um darauf nicht angewiesen zu sein. Die Leitung des Kunstmuseums Wolfsburg ist auch angesichts des mir seitens des Kuratoriums zugesicherten Handlungsspielraums durchaus attraktiv.

Von Daniel Alexander Schacht

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