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Kultur Heinz Strunk liest Kurzgeschichten im Pavillon
Nachrichten Kultur Heinz Strunk liest Kurzgeschichten im Pavillon
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23:34 17.12.2018
„Kutter der Schwermut“: Heinz Strunk bei seiner Lesung im Pavillon. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Mit seinem Frühwerk, bestehend aus absurd-komischen Hörspielen, Telefonstreichen und seinem Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“, hat sich Heinz Strunk selbst einen Spitznamen angehängt: Heinzer. Bürgerlich heißt Strunk Matthias Halfpape. So ist Heinzer quasi ein Spitzname im Künstlernamen. Wie er vor kurzem in einem Interview sagte, möchte Strunk diesen Titel loswerden. Er wolle nicht mehr auf Gags reduziert und im Literaturbetrieb für voll genommen werden. Spätestens seit seinem Erfolgsroman „Der goldene Handschuh“ dürfte ihm das geglückt sein und sein neuer Kurzgeschichtenband „Das Teemännchen“ ist der nächste Schritt in diese Richtung – handfeste Gags sind in beiden äußerst rar gesät.

Im „Tatort“ zuerst erschossen

Zu Beginn seiner Lesung im ausverkauften Pavillon kündigt der Hamburger „eine Fahrt auf dem Kutter der Schwermut“ statt einer „Kreuzfahrt auf dem Dampfer der guten Laune“ an. Tatsächlich sind die 50 Kurzgeschichten harte Kost: Die Protagonisten sind Depressive, Alkoholiker, Dicke oder alles in einem. Eine Figur muss mit ansehen, wie ihr Becken eine schleichend langsame Drehung um einhundert achtzig Grad macht – bis die Geschlechtsteile hinten und der Hintern vorne ist. Ein Mann, winzig klein, spült sich gar selbst in der Toilette herunter, weil es keine Klobrille in seiner Größe gibt. Fantasiegeschichten wie diese, Alltagsbeobachtungen und selbst Erlebtes haben im „Teemännchen“ eines gemeinsam: Alle Figuren leiden. „Sie sind die, die im ’Tatort’ immer zuerst erschossen werden“, beschreibt es der Autor selbst.

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Heinz Strunk erzählt von diesem Heer der Versehrten mit Empathie, aber er entdeckt in jedem noch so tiefen Abgrund auch den Humor. Mit seiner Art zu lesen schafft er die Verbindung zwischen Gute-Laune-Dampfer und Schwermut-Kutter: Mit Hamburger Akzent nuschelt er sich aufgedreht durch seine Erzählung. Wahrscheinlich könnte der 56-Jährige auch die Packungsbeilage einer Wundcreme so vorlesen, dass es lustig wäre. Vielleicht müsste dann sogar der Versehrte lachen.

Von Manuel Behrens

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