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Kultur Beethoven bei den Musiktagen in Hitzacker
Nachrichten Kultur Beethoven bei den Musiktagen in Hitzacker
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00:17 26.07.2018
Am Boden: Das Kuss-Quartett (mit Oliver Wille, zweiter von links) probt mit Yui Kawaguchi von Nico and the Navigators für das Eröffnungskonzert. Quelle: Oliver Proske
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Hannover

Die Sommerlichen Musiktage in Hitzacker sind das älteste deutsche Kammermusikfestival und doch oft ihrer Zeit voraus. Darum überrascht es auch nicht, wenn man an sich der Elbe schon jetzt im großen Stil Ludwig van Beethoven widmet – zwei Jahre vor dessen 250. Geburtstag, der 2020 in der ganzen Musikwelt gefeiert wird. Äußere Anlässe wie ein Jubiläum interessieren den hannoverschen Hitzacker-Intendanten Oliver Wille allerdings ohnehin höchstens am Rande. Nach zwei ersten Jahren „des Abtastens und Austestens“ setzt Wille in Hitzacker nun alles auf eine Karte und präsentiert ein durchaus radikales Beethoven-Programm.

Dass berühmte Interpreten einen der beliebtesten Komponisten spielen, erscheint dabei nur auf den ersten Blick als einfache Lösung. Pianist Rudolf Buchbinder etwa hat zwar auch schon in der hannoverschen Pro-Musica-Reihe sämtliche Beethoven-Sonaten aufgeführt. Sein Auftritt in Hitzacker (mit drei der bekanntesten Sonaten am 30. Juli) ist aber umgeben von Experimenten wie einer Version der „Eroica“-Sinfonie, die das Berliner Stegreif-Orchester „garantiert ohne jede Partiturtreue“ aufzuführen verspricht (31. Juli).

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Beethovens Streichquartette stehen während des ganzen Festivals fast täglich auf dem Programm. Gemeinsam mit einem Musikwissenschaftler nimmt das Kuss-Quartett (mit dem Festival-Intendanten Wille an der Zweiten Geige) die Werke öffentlich unter die Lupe, und zur Eröffnung gibt es eine gemeinsam mit dem Ensemble Nico and the Navigators erarbeitete szenische Version des späten Opus 135. Cellist Nicolas Altstaedt, der als Nachfolger von Gidon Kremer in Lockenhaus selbst leiter eines prominenten Festivals ist, präsentiert an einem langen Abend alle Werke für Cello und Klavier (4. August). Pianist Alexander Lonquich ist außerdem als Solist des Münchener Kammerorchester mit dem ersten und vierten Klavierkonzert zu erleben (3. August).

Christian Tetzlaff und Lars Vogt nehmen sich die Violinsonaten vor (29. Juli), Sopranistin Camilla Tilling kombiniert am 28. Juli Beethoven-Lieder mit Werken romantischer Komponisten – und sorgt damit für die Ausnahme im Programm: In den meisten anderen Konzerten bekommt vor allem die zeitgenössische Musik Gelegenheit, sich neben Beethoven zu behaupten. Im Abschlusskonzert am 5. August erklingt dann das a-Moll-Quartett mit dem zweiten Satz, dessen Überschrift in diesem Jahr vielleicht auch über den gesamten Musiktagen stehen könnte: „Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit“.

Die 73. Sommerlichen Musiktage Hitzacker beginnen am Sonnabend, 28. Juli, und dauern bis zum 5. August.

Von Stefan Arndt