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Buchkritik: So liest sich Daniela Kriens Roman „Die Liebe im Ernstfall“

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19:32 03.01.2020
Die Geschichte von fünf Frauen: „Die Liebe im Ernstfall“. Quelle: Diogenes Verlag
Hannover

Wie schwer Entscheidungen in Liebesdingen fallen, zeigt Daniela Krien in ihrem Buch „Die Liebe im Ernstfall“, aus dem sie am Donnerstag, 9. Januar, in Hannover im Rahmen der LiterTour Nord lesen wird. Der Roman erzählt nacheinander die Lebens- und Liebesgeschichten von fünf Leipzigerinnen, die mal mehr, mal weniger miteinander verbunden sind. Von jeder von ihnen erfahren wir vor allem etwas über den Teil ihres Lebens, in dem sie sich verlieben, lieben und entlieben. Da ist zum Beispiel die schüchterne Paula, die sich mit Ludger eine Familie aufbaut und deren Glück erst schleichend und schlussendlich mit einem schrecklichen Ereignis zerstört wird. Da ist ihre dominante Freundin Judith, der kein Mann das Wasser reichen kann – und als es doch einer kann, stößt sie ihn weg.

Die Geschichte von fünf Frauen: „Die Liebe im Ernstfall“. Quelle: Diogenes Verlag

Figuren ähneln sich in vielerlei Hinsicht

Daniela Kriens Frauenfiguren, so unterschiedlich sie im Charakter sind, ähneln sich in vielerlei Hinsicht sehr: Es sind Frauen um die 40 Jahre, die gut verdienen, gebildet sind und sich gern mit klassischer Musik umgeben. Sie alle schwanken zwischen der Suche nach der großen Liebe und der – auch sexuellen – Freiheit. Dieses Hin- und Hergerissensein, den Zwang zu wählen, analysiert Krien auf knapp 150 Seiten. Dabei ist es kein Zufall, dass die Geschichte in Leipzig spielt. In den Begegnungen mit Personen, die in der DDR gelebt haben, kristallisiert sich heraus, dass die Freiheit nach der Wende zwar viele Vorteile mit sich bringt, das Leben der Frauen aber nicht immer einfacher macht – und, dass sie immer noch mit alten Denkmustern zu kämpfen haben.

Tiefgang wird erst im Nachgang richtig bewusst

In den meisten Momenten gelingt es der Autorin, ihre ernste Analyse davon, vor welchen Entscheidungen und Hürden eine Frau um die 40 steht, mit großer Leichtigkeit herüberzubringen. Erst am Ende des Buches wird dem Leser bewusst, wie viel Tiefgang in den locker erzählten Geschichten steckt. Beim Lesen wirken die Ähnlichkeit der Protagonistinnen und auch der Verlauf ihrer Geschichten jedoch streckenweise zäh. So wird der Leser spätestens nach der dritten Erzählung kaum noch überrascht.

Dazu kommt, dass Kriens Stil zu oft zu gewollt daherkommt. Da sind zum Beispiel die Mauersegler, die in jeder Geschichte etwas unvermittelt auftauchen und sich nicht so recht in die Erzählungen einbinden lassen wollen – was sie als reines Stilmittel entlarvt, das die Geschichten verbinden soll. Auch die Beschreibung der Emotionen der Frauen klingt zu häufig platt. Der Aufbau jedoch, in dem Krien die einzelnen Lebensgeschichten erzählt, ist clever konstruiert. Das Jetzt, in dem die Figuren leben, wechselt sich mit der Vergangenheit ab. Das führt zu einer Dynamik, die den Leser schnell über klischeebehaftete Ausdrücke und Formulierungen hinwegführt.

  • Ihren Roman „Liebe im Ernstfall“ stellt Daniela Krien am Donnerstag, 9. Januar, ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung Decius, Marktstraße 52, vor. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Karten gibt es direkt in der Buchhandlung Decius. Reservierungen sind möglich unter Telefon (0511) 3647610.

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