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Kultur Ralph Ruthe im Pavillon Hannover
Nachrichten Kultur Ralph Ruthe im Pavillon Hannover
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15:22 12.12.2018
Ralph Ruthe im Pavillon. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
Hannover

Der komischste Cartoon, der an diesem Abend gezeigt wurde, zeigt zwei Astronauten in Astronautenanzügen auf einem unwirtlichen Planeten. „Findest Du mich fett?“ fragt die Astronautin. Der andere Raumfahrer sagt nichts. Er guckt nur ängstlich. Es ist Pinocchio. Seine Nase kommt dem Visier seines Helms bedenklich nahe.

R Quelle: uthe

Ralph Ruthe ist ein Meister der Verdichtung. Er schafft es, komplizierte Geschichten in einem Bild zu kondensieren. Und er ist ein Meister der Zusammenfügung: Pinocchio im Weltall, ein Liebespaar im Raumanzug auf einem öden Planeten. Das passt eigentlich gar nicht zusammen, aber wenn man es im fein ausgemalten Bild sieht, passt es wieder wunderbar. Oft bringt er Dinge zusammen, die nur schwer zusammenpassen: Fische und Verkehrsschilder, Giraffe, Nashorn und Koala aus der „HNO-WG“ und eine Autopanne, Bäume und Leidenschaften. Seine Cartoons sind meist wunderbar verrückt, dabei aber doch immer sehr schlüssig. Das liegt auch an den klaren Linien und an der markanten Farbigkeit seiner Zeichnungen. Ruthe ist ein Klarzeichner, meist geht es nur darum, den Witz zu erkennen; Interpretation und langwierige Entschlüsselung sind bei seinen Arbeiten nicht nötig. Und seine Pointen haben meist eine ziemliche Wucht.

Ralph Ruthe ist damit sehr erfolgreich, Millionen Fans freuen sich auf seine neuen Arbeiten, die er regelmäßig auf Facebook, Twitter, YouTube und Instagram veröffentlicht. Regelmäßig bringt er neue Bücher heraus, und er hat auch ein eigenes Bühnenprogramm. Damit gastierte er jetzt im Pavillon. Das Thema des gut zweistündigen Programms ist recht selbstbezogen. Im Mittelpunkt steht das Werk des Cartoonisten Ralph Ruthe. Der Zeichner beschreibt seinen Tagesablauf, spricht über Ideenfindung und die Entwicklung seiner erfundenen Charaktere.

Quelle: Ruthe

Man kann bei Ruthe einiges über Kreativität lernen. Einmal sagt er: „Ich habe mich hingesetzt und mir Witze einfallen lassen“. Das klingt simpel, ist aber ein sehr guter Rat. Wer kreativ sein will, muss sich hinsetzen und sich etwas einfallen lassen. Er muss nicht loslaufen und sich Spezialstifte kaufen. Oder ein extrabreites Tablet. Oder neue Kopfhörer. Anfangen! Das ist das Wichtigste, wenn man kreativ tätig sein möchte. Manchmal können auch Begrenzungen bei der Einfallsfindung hilfreich sein. Ralph Ruthe hat es eine Zeit lang mit Tragik und Katastrophen versucht. Herausgekommen sind Cartoons, die unter dem Titel „Shit happens!“ einige Bände füllen.

Auch die Begrenzung des Spielorts hilft bei der Pointenfindung. So ist die Reihe „Flossen“ entstanden: Cartoons über Fische im Aquarium. „Ich habe überhaupt keine Ahnung von Fischen“, sagt Ruthe, aber das muss er auch nicht, denn seine Fische spiegeln ja vor allem menschliche Eigenschaften. Die Situation der sprechenden Fische in einem winzigen Aquarium liefert eine gewisse Grundkomik –da fällt es auch nicht so auf, dass nicht jede Pointe ein Brüller ist.

Weil sich nicht immer alles in ein einziges Bild zwingen lässt, macht Ralph Ruthe (zusammen mit Falk Hühne) zunehmend Videos, die er vornehmlich über YouTube verbreitet. Technisch sind die hervorragend, aber manchmal dauert es hier ein wenig, bis der Witz zündet. Die Beschränkung auf ein einziges Bild bringt Ruthes Humor eher zum Funkeln. In der Breite eines Videos klappt das oft nicht mit dem Witz der Verdichtung. Er scheint das merken und steuert gern mit Drastik dagegen an. Dann wirkt sein Witz zuweilen pubertär. Dem (auffällig jungen) Publikum im Pavillon hat aber auch das gut gefallen.

Quelle: ruthe

Weil Ralph Ruthe ein freundlicher, den Zuschauern zugewandter Künstler ist, hat er am Ende noch jedem, der das wollte, ein Bild gemalt. Bis weit nach 1 Uhr war er damit beschäftigt. „Ein eher früher Feierabend“, sagt er darüber. Bei Wochenendveranstaltungen dauere das Bildermalen für die Zuschauer zuweilen auch bis 2 bis 3 Uhr früh.

Heute Abend gastiert Jan Plewka mit Liedern von Rio Reiser im Pavillon.

Von Ronald Meyer-Arlt

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