Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Flokati und Beatmusik: Ausstellung zeigt das Leben in den Sechzigern
Nachrichten Kultur

Celle: Ausstellung im Bomann-Museum zeigt die Sechzigerjahre

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 15.11.2019
Fusselteppich und Plastikmöbel: Kuratorin Kathrin Panne in der Ausstellung. Quelle: Benne
Celle

Zur Eröffnung spielten die Barking Bats. Live und in Originalbesetzung. Ein bisschen Beat geht eben immer. Die Combo, gegründet 1965 als Schülerband am örtlichen Hölty-Gymnasium, präsentierte im Celler Bomann-Museum ein stilechtes Konzert zum Auftakt der Ausstellung „Kalter Krieg & heißer Beat“, die sich ganz der Kulturgeschichte der Sechzigerjahre widmet.

Dass fünf gesetzte Herren laut und ausgelassen die eigene Jugend raushängen lassen, wäre zur Gründungszeit der Band noch undenkbar gewesen. Schon darin zeigt sich, wie die wilden, innovationsfreudigen Sechziger die Gesellschaft verändert haben. „Das Leben wurde liberaler, die Kultur bunter und vielfältiger“, sagt Kathrin Panne, die Kuratorin der Ausstellung. „Ohne die Sechziger wären wir nicht dort, wo wir heute sind.“

Flokati und Bademützen

Auf rund 400 Quadratmetern zeichnet die aufwendig ausgestattete Ausstellung vor allem das Alltagsleben jener Zeit nach. Gleich einer Zeitkapsel ist eine Wohnstube liebevoll nachgebaut, inklusive klobigem TV-Gerät und Bowletopf auf dem Multifunktionstisch. Neue Kunststoffe brachten seinerzeit poppige Farben und Formen ins Möbeldesign. In vielen Haushalten wandelte sich die einstige Wohnküche zur reinen Kochküche. Die klassische gute Stube, die man vormals nur ehrfürchtig an hohen Feiertagen betrat, avancierte zum täglich genutzten Wohnzimmer.

Im Celler Bomann-Museum spürt die Ausstellung „Kalter Krieg & heißer Beat“ dem Lebensgefühl der Sechziger nach. Es geht um Flokati, Bowle und Popmusik.

Nach dem Wiederaufbau schafften sich die Deutschen Konsumgüter an, die heute wohlige Nostalgie auslösen. Mixer und elektrische Dosenöffner, Soda-Siphons und Flokati-Teppiche, Rollzahlenwecker und Bademützen mit Blütendekors: Die Schau prunkt mit einer Fülle an Exponaten, die irgendwann schleichend wieder aus unserem Alltag verschwanden und inzwischen zu Museumsstücken geworden sind.

Glaube an den Fortschritt

Schon ehe die Achtundsechziger die Proteste ins Politische wendeten, kennzeichneten Aufbrüche das Lebensgefühl der Sechziger. Der optimistische Glaube an die Zukunft war ungebrochen. Technische Neuerungen waren Verheißungen. Mondlandung und Farbfernsehen suggerierten, dass der Fortschritt in herrliche Zeiten führen würde. Auch Erziehungsstile und Familienmodelle wandelten sich.

Wider die Ordnung: Jugendzimmer aus den Sechzigern. Quelle: Benne

Die Ausstellung zeigt, wie der Zeitgeist den Alltag prägte: Lego und Plasticant-Spielzeug weckten Kreativität und Forschergeist der Kinder. Und freizügige „Pardon“-Titelbilder galten den Jungen plötzlich nicht mehr als sittenwidrig. Heute gingen sie glatt als frauenfeindlich durch – so hat jede Zeit ihre eigenen moralischen Standards.

Wie widersprüchlich das Nebeneinander von Tradition und Moderne lange blieb, zeigte sich vor allem in der Mode: Während die einen noch lange die hochgeschlossenen Kleider aus den Fünfzigern auftrugen, setzten andere schon auf kurze Röcke, Afghanenmäntel und Kunstlederschnürstiefel. Und auf Jeans mit Schlag. Früher war eben auch nicht alles besser.

Kalter Krieg & heißer Beat“ ist bis zum 14. April im Celler Bomann-Museum zu sehen. Infos: (05141) 12 45 40.

Von Simon Benne

Lange schwarze Haare, Tennissocken und immer eine Sonnenbrille auf der Nase – Apache 207, bürgerlich Volkan Yaman, präsentiert sich nicht wie viele andere Rapper mit Markenklamotten und dicken Autos. Der 22-Jährige macht sein Ding – und ist so in kürzester Zeit durchgestartet.

12.11.2019

Olaf Schubert tritt mit seinem Programm „Sexy Forever“ in Hannover auf. Seine Markenzeichen: Pullunder, Wortwitz und seine naive Art. Doch steckt noch mehr hinter seinem Erfolg?

09.11.2019

Krawall und Satire: Martin Sonneborn tritt im ausverkauften Schauspielhaus auf und erzählt von der Arbeit der Satirepartei Die Partei. Bei einer Fragerunde kommt er auch auf Dieter Nuhr zu sprechen.

15.12.2019