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Kultur Christian Tetzlaff bei der Radiophilharmonie
Nachrichten Kultur Christian Tetzlaff bei der Radiophilharmonie
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00:18 21.01.2019
Unerschrocken: Geiger Christian Tetzlaff mit Andrew Manze und der NDR Radiophilharmonie. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Das ist nicht einfach irgendein Stück – es ist eine Essenz von Musik. So konzentriert und verdichtet, wie der Geiger Christian Tetzlaff dieses Largo aus Bachs C-Dur-Solosonate spielt, entwickeln die Klänge eine Art physikalische Kraft, die die Aufmerksamkeit anzieht wie eine Sonne ihre Planeten. Im bis auf dem letzten Platz besetzen Funkhaus ist derweil kein Laut zu hören, kein Husten, kein Rascheln – alle lauschen gebannt dem Musiker, dessen Karriere sich langsam, aber kontinuierlich entwickelt hat: Inzwischen gehört der 52-jährige Hamburger wohl zum engsten Kreis der großen Geiger der Gegenwart.

Hauptattraktion im Funkhaus allerdings ist nicht der zugegebene Bach-Satz, sondern das Violinkonzert von Johannes Brahms. Und an das ausschweifend romantische Stück geht Tetzlaff vollkommen anders heran als an die barocke Miniatur: Er setzt keine Ausrufezeichen hinter die Musik – er versieht sie vielmehr mit Fragezeichen. Statt sie wie bei Bach im souveränen Überblick zu verdichten, legt er die Noten hier gleichsam unter das Mikroskop.

So offenbart Tetzlaff die komplizierte Mikrostruktur unter der schwelgerischen Oberfläche: ein dicht verzahntes Rhythmusgeflecht voller Synkopen und Melodiepartikel, die Hunderte von eigenen kleinen Höhepunkten ansteuern, ehe sie sich fast widerwillig zur großen Linie fügen. Kein Wunder, dass der Geiger dabei auch drastische Klangfarben findet: Wenn eine musikalische Entwicklung in immer weiterer Verästelung endlich in feinsten Adern ins Stocken gerät, klingt die Musik beim ihm wie abgestorben.

Die NDR Radiophilharmonie, die unter der Leitung von Andrew Manze begleitet, folgt Tetzlaff bereitwillig auf seiner – wie einige nicht ganz kleine Fehler des Solisten beweisen – durchaus riskanten Expedition ins wenig erforschte Innenleben der populären Komposition.

Wie eine Vorahnung dieser skalpellscharfen Brahms-Befragung tönt zu Beginn eine „Fidelio“-Ouvertüre, die auf hellsichtige Art an den experimentellen Charakter von Beethovens Komposition erinnert. Angenehm entspannend wirkt schließlich eine opulente und elegante Version Ralph Vaughan Williams’ fünfter Sinfonie, der man nicht anhört, dass sie mitten im Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Die Musik ist eingängig, aber nie trivial, raffiniert in der Orchestrierung und eigensinnig-originell in der Formsprache: So hätte Jean Sibelius komponiert, wenn er nicht schwermütig gewesen wäre. In England wird Vaughan Williams viel gespielt, für das deutsche Konzertleben ist er eine schöne Entdeckung.

Die fünfte Sinfonie von Ralph Vaughan Williams mit Andrew Manze und der Radiophilharmonie ist noch zweimal bei „Klassik Extra“ an diesem Sonntag, 20. Januar, um 11.30 Uhr und um 18 Uhr im Funkhaus zu hören. Es gibt noch Karten.

Von Stefan Arndt

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