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Kultur So war das Clueso-Konzert im Capitol
Nachrichten Kultur So war das Clueso-Konzert im Capitol
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00:15 03.12.2018
Clueso im Capitol in Hannover.
Clueso im Capitol in Hannover. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Clueso kommt erstmal alleine auf die mit Instrumenten vollgestellte Bühne im Capitol. „Ich fühle mich geborgen und borge mir heute noch Zeit“, singt er in „Morgen ist der Winter vorbei“ vom neuen Album „Handgepäck I“ zu sanften, weiten Americana-Klängen, während nach und nach seine Band dazu kommt. Das Konzert ist schon lange ausverkauft, 1600 Fans jubeln dem Thüringer entgegen. Und doch schafft er es mit leiser, unprätentiöser Art, den Eindruck zu erwecken, er sitze mit allen gemütlich in seinem Wohnzimmer.

Clueso ist auch nach seinen Charterfolgen der Typ von nebenan geblieben, ein zärtlicher, nachdenklicher und bescheidener Junge, dem es darum geht, seiner Musik Seele einzuhauchen. Er war nie ein arroganter Überflieger, hat in seinem Leben die Dinge immer so lange ausprobiert, bis sie passten, brach nach der Hauptschule eine Frisörlehre ab, machte Hip Hop und Breakdance, textete und sang sich mit großem Talent in die Herzen von Publikum und Kollegen. Gerade auch durch Kollaborationen mit anderen Musikern entwickelte er seinen Sound zwischen Beats, Pop und Lyrik.

1600 Fans jubeln Clueso in Hannover entgegen. Impressionen vom Konzert im Capitol.

Texte und Musik über das Unterwegssein

Dass Clueso dabei dem Erfolg gegenüber immer skeptisch blieb, steckt in seinem neuen Album, an dem er über sechs Jahre lang auf seinen Reisen gearbeitet hat. Ideen für Texte und Musik entstanden zwischen Unterwegssein und Heimatgedanken, die Aufnahmen erfolgten eher roh, ohne aufwändige Produktion. „Handgepäck I“ ist ein bisschen Reisetagebuch und ein bisschen gesammelte Lebensweisheit. Dass das Konzert in Hannover den Abschluss der aktuellen Tournee bildet, lädt die Songs daraus mit zusätzlicher Melancholie auf.

Oft scheint es, als würde Clueso bei einem Spaziergang nur für sich selbst singen, in sich ruhend, mit seinem ganz eigenen Schrittrhythmus. Dann wieder wendet er sich Publikum und Band zu, nimmt als aufmerksamer Gastgeber alle mit auf seine Reise durch die vergangenen Jahre des Songschreibens. Die neu veröffentlichten, lange gesammelten, wechseln sich dabei ab mit Stücken von bisherigen Alben.

„Keinen Zentimeter“, „Chicago“ und „Freidrehen“

Clueso und seine Band schaffen es, sich mit einem warmen, homogenen Sound durch die heterogenen Stile zu spielen. Satte gemeinsame Klangausbrüche wechseln sich ab mit reduzierten Soli an Gitarre, Schlagzeug und vor allem Saxofon. Auch in den ruhigeren Versionen beweisen alte Hits wie „Keinen Zentimeter“, „Chicago“, „Gewinner“ oder „Freidrehen“ ihr Mitsingpotential bei begeisterten Fans. Dazwischen zeugen Stücke immer wieder von Cluesos musikalischer Offenheit und seiner Liebe zur Musik der Kollegen.

„Vier Jahreszeiten an einem Tag“ ist ein übersetzter Hit der Neuseeländer Crowded House, „Es brennt wie Feuer“ ein deutsches Springsteen-Cover. „Wenn ein Mensch“ hat sich Clueso von den Puhdys geliehen, „Cello“ von seinem Freund Udo Lindenberg. „Fanpost“ hat er mit seinem Schlagzeuger Tim Neuhaus geschrieben und „Zusammen“ mit den Fantastischen Vier.

Nach zweieinhalb Stunden ist im Capitol erstmal Schluss mit dem Unterwegssein. Eindrücke dürfte Clueso auch auf dieser Tournee wieder ausreichend gesammelt haben. Dass das neue Album eine Eins im Titel trägt, lässt auf mehr musikalische Reiseeindrücke hoffen.

Am Montag, 3. Dezember, um 20 Uhr gastiert Wirtz im Capitol.

Von Thomas Kaestle