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Kultur Oliver Polak und Atze Schröder suchen den „Endgegner“
Nachrichten Kultur Oliver Polak und Atze Schröder suchen den „Endgegner“
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11:26 21.03.2019
Comedian Oliver Polak kennt beim Auftritt in Hannover keine Tabus. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

 In Schlafanzughose steht der übergewichtige Emsländer auf der Bühne im Pavillon. Oliver Polak ist die Meinung anderer egal. Er braucht keine zehn Minuten, um die ersten 15 Beleidigungen des Abends platziert zu haben. Die Frau in der ersten Reihe sehe sehr alt aus, der junge Mann im Rollstuhl habe es vielleicht nur auf die Gratis-Karte abgesehen, die drei südländischen Jungen ganz vorne seien bestimmt Kurden. „Seid Ihr zum Spaß hier oder habt Ihr heute noch was anderes mit uns vor?“, fragt Polak provokativ. „Das ist Comedy. Das muss man nicht so meinen, kann man aber“, sagt Polak und wiederholt dieses Mantra etwas zu oft.

Publikum wirkt überfordert

Provokation ist sein bevorzugtes Mittel. Wenn der 42-Jährige, der immer wieder seine jüdischen Wurzeln betont, die Nazis mit Ryan Air vergleicht, weil es bei beiden am Ende die Koffer nicht wiedergebe, Selfies gar zum neuen Hitlergruß erhebt und detailreich Sexualpraktiken auf der Bühne nachspielt, dann ist schnell klar: Polak schert sich nicht um Tabus. Die Überforderung, die er damit im Publikum auslöst, ist spürbar: Wer lacht, tut das zögerlich. Darf man darüber überhaupt lachen? Polak spielt mit Moral und Zweifel, mit Provokation und Besänftigung. Sexismus und Rassismus gibt es für ihn nicht, wenn alle gleich beschimpft werden.„Was ist ein Tabu? Worüber darf ich keine Witze machen?“, fragt Polak. Schweigen. Und so geht es munter weiter – mit Scherzen über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, über Krebs und Terrorismus.

Polaks Comedy ist unbequem. Sie unterhält nicht, sie nötigt, sich selbst und vor allem die Grenzen von Satire und Komik zu hinterfragen. Diese Taktik ist nicht neu. Mit Büchern wie „Ich darf das – Ich bin Jude“ und mehreren Bühnenprogrammen hat der 42-Jährige stilistisch bereits vorgelegt. Seine Themen sind persönlich, aber schamlos. Sein Umgang damit ist immer ein wenig drüber.

Comedian Atze Schröder spielt im Vorprogramm den „Einheizer“. Quelle: Moritz Frankenberg

Atze Schröder im Vorprogramm

Am Ende der Moral-Metzelei scheint der Gegensatz zu Kunstfigur Atze Schröder, der den „Einheizer“ für Polak im Pavillon spielt, marginal. Schröder setzt auf bewährte Gags in Sonnenbrille und Dauerwellenperücke, blökt „Ja nee, is klar“ von der Bühne und trägt es mit Fassung, dass die alten Pointen keine Beifallsstürme mehr hervorlocken. Polaks Comedy ist nach einer Stunde nicht weniger erwartbar, zeigt die Längen. Provokation füllt anscheinend keinen ganzen Abend, irgendwann braucht es Inhalte. Mahnungen, dass der Mensch frei nach Polaks Programmtitel sein eigener „Endgegner“ sei und die westliche Welt ihren Reichtum für exklusiv halte, hat das Publikum schon zu oft gehört. Das Lied „It’s just Comedy“ schließt nach gerade einmal 70 Minuten das Programm ohne Zugabe. Es hatte sich aber auch niemand getraut, eine zu fordern.

Von Carina Bahl

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