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Kultur The Analogues spielen mit Beatles-Originalequipment
Nachrichten Kultur The Analogues spielen mit Beatles-Originalequipment
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00:19 07.05.2018
Die Coverband „The Analogues“ spielt Songs, welche die Beatles selbst nie live performten. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Es gibt Beatles-Coverbands, die stecken in schicken, bunten Kostümen und Uniformen. Und dann gibt es Beatles-Coverbands, bei denen es überhaupt ein Wunder ist, dass Beatles-Songs entstehen. The Analogues gehören – mit ihrem Auftritt am Donnerstag im Theater am Aegi – zur letzten Gruppe. Von weitem sehen die sechs Kernmitglieder der niederländischen Band aus wie ein paar alternde Väter, die sich eine kleine Auszeit von ihren Kindern genommen haben, von weitem sieht die Bühne aus wie ihr Hobbykeller. Orgeln stehen da, Klaviere, Gitarren, Bässe, Verstärker, mehr oder weniger alles davon im künstlichen Holz-Look der 50er und 60er Jahre verkleidet.

Original-Equipment der Beatles

Dass daraus Beatles-Songs kommen ist ein Wunder, weil alle Instrumente widerborstiges Original-Equipment sind, dasselbe wie das, auf dem auch die Beatles spielten, nur mittlerweile eben fünfzig Jahre älter. Und obwohl The Analogues die beiden als eher unspielbar geltenden Beatles-Alben „Magical Mystery Tour“ und „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ einmal von vorne bis hinten durchspielen, sagt der Gitarrist der Band, Felix Maginn, einmal: „Das Problem war nicht, die Arrangements richtig hinzubekommen. Das Problem war, die Originalinstrumente zu finden, und wenn wir sie dann gefunden hatten, sie zum funktionieren zu bringen.“

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Er erzählt von einer seltenen Orgel, wichtig für den Song „Strawberry Fields Forever“, die mit geborstenen Röhren und ein Mäusenestern im Inneren aus den USA kam. Von einer Röhrenglocke, die im Song „Penny Lane“ vielleicht sechsmal angeschlagen wird, welche die Band in der richtigen Tonlage und -art in einer englischen Feuerwehrwache auftrieb. Höhepunkt dieser Instrumenten-Parade ist eine Clavioline, eine Art früher Synthesizer. „Ein schreckliches und unverlässliches Instrument“, sagt Sänger und Bandleader Bart von Poppel, „aber die Beatles haben es benutzt, also benutzen wir es auch.“

„The Analogues“ spielen im Theater am Aegi die beiden unspielbaren Beatles-Alben mit Originalequipment

Nerd-Fest, Bastelkeller und Instrumentenmuseum

Es ist zu gleichen Teilen Nerd-Fest, Bastelkeller und Instrumentenmuseum, das auf der Bühne gezeigt wird – und, selbstverständlich, auch Musik. Von den Beatles selbst waren „Magical Mystery Tour“ und „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ nie dafür vorgesehen, live gespielt zu werden. Es sind psychedelische Studio-Basteleien einer Band, die genug von den technischen Beschränkungen der Live-Musik hatte. The Analogues brauchen eine 18köpfige Truppe, um beide Alben zu spielen. Es gibt, neben der Kernband, einen Bläsersatz, einen Streichersatz, eine Harfistin, einen Tabla-Spieler, einen Paukisten, die unendliche Abfolge an Sitars, Cembalos, Orgeln und sonstigen Instrumenten wird, in der für ein Live-Set eher unpraktischen Abfolge von Songs, in Windeseile auf die Bühne und wieder herunter gekarrt. Außerdem schaut der DSDS-Abbrecher Max Buskohl für drei Lieder vorbei und singt die hohen McCartney-Parts. 

Zwei von den Beatles nie live gespielte Alben

Letztendlich ist schwer zu sagen, worum es genau bei dem Abend geht – selbstverständlich, die beiden Beatles-Alben meistert die Band bravourös, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Songs oft komplexe Soundgebilde sind, die von allen Bandmitgliedern häufige Instrumentenwechsel und ein gutes Ohr erfordern. Aber genauso gut ist das Konzert von The Analogues eine Show, die das Ergebnis einer geradezu monumentalen Übung in Geduld und Besessenheit ist, nur, um am Ende den absurden popgeschichtlichen Witz dabei herauszubekommen, zwei von der Originalband nie live gespielte und als unmöglich live zu spielen geltende Alben live gespielt zu haben.

Es könnte aber auch eine Show sein, in der fünf Nerds ihr persönliches Instrumentenmuseum durch Songs spazieren führen, die zufällig von den Beatles geschrieben wurden. Aber ob jetzt die Band, Musik, die Idee oder die Instrumente die Stars der Show sind: Alle davon leisten Hand in Hand gute Arbeit.

Von Jan Fischer

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