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Kultur Craig Taborn und Dave King im Jazz-Club
Nachrichten Kultur Craig Taborn und Dave King im Jazz-Club
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00:17 21.01.2019
Zwei Mann wie ein Orchester: Craig Taborn (links) und Dave King auf der Kellerbühne. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Hier im „orange club“ würde er immer wieder gerne auftreten, sagt Craig Taborn. Weil sich Hörer und Musiker sehr nahe kommen. Das Publikum an der zu drei Seiten offenen Jazz-Club-Bühne um ihn herum würde er als Umarmung empfinden - und legt als entsprechende Geste seine Hände um die Schulter. Bevor es aber los geht, gilt es noch ein Kabel an Taborns Fuhrpark an analogen Synthesizern umzustöpseln und die Effektgeräte zu justieren. Auf einmal ertönt ein eigenartiges Knurspeln, abgelöst von wogenden Synthieklängen. Was sich wie ein akustischer Check-Up anhört, ist bereits der Anfang des Konzerts. Schlagzeuger Dave King greift zum Jazzbesen und komplettiert das Klangbild mit abstrakten rhythmischen Mustern.

Es passieren außergewöhnliche Dinge beim Konzert des Keyboarders Taborn und des Schlagzeugers King. Beide zählen zu den wichtigsten Vertretern der Jazz-Avantgarde. Und beide sind für allerlei, vor allem elektronische Einflüsse offen. Sogar für Techno und Drum’n’Bass. Im Laufe des Abends werden wir feststellen, dass sie auch mit vom Handy abgespielten Reden und mit Kinderspielzeug musikalische Prozesse anstoßen können. Seine dichten, kompakten wie vielschichtigen Kompositionen bezeichnet Taborn selbst als „sich entwickelnde Miniaturen“. Hierüber lassen die beiden mit traumwandlerischer Sicherheit einen Mahlstrom an atomisierten Klängen fließen. Immer wieder entstehen neue Klangbilder.

Es ist ein fortwährender Prozess des Infragestellens und Umdenkens. Ein schöpferische Exkurs, der sich in den Stücken jenseits der 20-Minuten-Grenze vom leisem Wispern zum orgastischen Schrei steigern kann. Es ist als hätten sich Cosmic-Jazzer Sun Ra, Techno-DJ Juan Atkins und Free-Jazz-Extremist Cecil Taylor mit befreundeten Musikern zu einem Workshop-Konzert getroffen. Dabei sind sie zu zweit auf der Bühne, klingen aber wie eine ganzes Orchester. Am Ende spielen die beiden als Zugabe, sozusagen als Absacker, das herrlich eingängige „Theme Of The Stargazers“ von Sun Ra. Ein Abend zum sich umarmt zu fühlen.

Von Bernd Schwope

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