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Kultur Daniel Léveillé tanzt im Ballhof
Nachrichten Kultur Daniel Léveillé tanzt im Ballhof
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00:17 10.09.2018
Sinnbild für körperliche Höchstleistung: Tänzerin in Daniel Léveillés Choreografie „Solitudes Solo“. Quelle: Denis Farley
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Hannover

Während einer der minimalistischen Choreografien in Daniel Léveillés „Solitudes Solo“ hinterlässt ein Tänzer Spuren im ansonsten völlig neutralen Raum. Beim Abrollen auf dem grauen Tanzbodenquadrat auf der Bühne des Ballhofs zeichnet der Körper Ornamente aus Schweiß. Es ist ein kurzes Sinnbild körperlicher Höchstleistung, changierend zwischen expressionistischem Action Painting und jenen Tintenklecksen in Rorschach-Tests, die zur freien visuellen Assoziation anregen sollen.

Kurze Zeit später ist nichts davon zurück geblieben, der Körper steht wieder für sich, bleibt zurückgeworfen auf konzentrierte, kraftvolle, rohe und pure Bewegungsstudien, deren einziger Bezugspunkt er selbst zu sein scheint. Der Kanadier Léveillé ist bekannt für die Kompromisslosigkeit seiner auf Wesentliches reduzierten Stücke. In „Solitudes Solo“ betreten vier Tänzer und eine Tänzerin jeweils alleine die Bühne, um Kleinstchoreografien aus Versatzstücken eines Repertoires zu zeigen, das immer wieder Grenzen der Körperbeherrschung auslotet.

Begegnungen finden nur im Vorübergehen statt, ausgebreitete Arme und beherzte Schritte in den Solonummern laufen ins Leere. Etwa nach der Hälfte des einstündigen Stücks steht das Ensemble für kurze Zeit gemeinsam auf der Bühne. Einer reckt unbeholfen die Arme. Es nutzt nichts: Kontakt kommt keiner zustande, die anderen gehen nach und nach ab. Es genügt eben nicht, sich denselben Raum zu teilen, um eine Gemeinschaft zu sein.

Der Rest von „Solitudes Solo“ ist ein Spiel um Alleinsein, Selbstbezug, Willensstärke, Kontrolle und Zweckfreiheit. Manches scheint als gedankenverlorene Übung oder Routine für sich zu stehen, anderes eher spielerischer Neugierde oder Drang zur schieren Körperlichkeit nachzugeben. Individuelle Details entstehen durch persönlichen Ausdruck, durch die Reihung muss der Betrachter Bezüge aus visueller und emotionaler Erinnerung selbst konstruieren.

Eine Violinsonate von Bach begleitet die Choreografien wie der Soundtrack eines Films, stellt Verbindungen auf einer anderen Ebene her. Doch große Teile des Stückes kommen ohne Musik aus, verdichten auch die klangliche Ebene auf die reine Bewegung der Körper. Erst am Ende gibt Léveillé seinen beeindruckenden Minimalismus auf. Ganz leise erklingt eine Ukulele-Version von „Somewhere Over The Rainbow“, die Bühne ertrinkt in rotem Licht.

Während dieses Epilogs berührt die Erinnerung an die zuvor erlebte Intensität umso mehr. Alleinsein ist auch eine Frage der Selbstinszenierung.

Das Festival Tanztheater International endet am heutigen Sonnabend um 20 Uhr in der Hochschule für Musik, Theater und Medien mit dem Stück „In girum imus nocte et consumimur igni“ von Roberto Castello.

Von Thomas Kaestle

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