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Kultur „Krasshüpfer“ – eine Premiere des Jungen Schauspiels
Nachrichten Kultur „Krasshüpfer“ – eine Premiere des Jungen Schauspiels
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17:15 10.09.2018
Insekten erklären die Welt: Lukas Beeler in „Krasshüpfer“. Quelle: Isabel Machado Rios
Hannover

Krass: „Krasshüpfer“, mit dessen Premiere das Junge Schauspiel Hannover in der Tellkampfschule zu Gast ist, erzählt die Geschichte dreier Brüder – von denen einer tot ist. Was als Konflikt zwischen dem elfjährigen Hidde und dem vierzehnjährigen Jeppe um die Nutzung eines geheimen Kellers beginnt, entwickelt sich kaum merklich zu einer berührenden Betrachtung von Zusammenhängen zwischen Trauma, Schuld, Loyalität und persönlichen Bedürfnissen.

Dabei gelingt es Regisseurin Wera Mahne, Dramaturgin Janny Fuchs sowie den beiden Schauspielstudenten Paul Lonnemann und Lukas Beeler, die Romanvorlage des Niederländers Simon van der Geest so fesselnd und dynamisch in Spielsituationen zu übertragen, dass die Schüler von Anfang an gebannt am Geschehen Teil haben.

Kommunikation, stellvertretend

Hidde ist Insektenfan, beobachtet seine Exemplare im Keller mit wissenschaftlichem Eifer und lässt sich die Welt durch sie erklären. Sie werden echter, je länger man sie betrachte, sagt er. Und dann: „So genau schaue ich mir Menschen eigentlich nie an.“ Also kommunizieren die Insekten stellvertretend, bilden Familien, verpuppen und verwandeln sich. Paul Lonnemann und Lukas Beeler gehen gleich zu Beginn durchs Publikum und verteilen Insektennamen, erklären Besonderheiten, lassen Hiddes verschrobenes Hobby greifbar werden.

Beide Schauspieler spielen zugleich Hidde, Jeppe und deren toten Bruder, sie sind Erzähler und Kommentatoren. Als Regisseure instruieren sie ihre Zuschauer, kleine Rollen zu übernehmen, auf Bedrohungen zu reagieren, mitzufiebern. Ihre Haltungen verschieben sich, sie doppeln den Erzähltext, paraphrasieren und illustrieren ihn, fassen nüchtern zusammen und steigern emotional.

Das gemeinsame Geheimnis

Einmal sah Hidde einer Schlupfwespe zu, wie sie ihre Eier in eine Raupe legte – und anschließend, wie die Larven das befallene Tier von innen auffraßen. Erst nach einem eskalierten Krieg um den Keller merkt er, dass seine persönliche Schlupfwespe nicht der Bruder ist – sondern das gemeinsame Geheimnis um den toten Dritten. Die Moral um Offenheit, Gemeinsamkeit und Konfrontation wirkt in „Krasshüpfer“ jedoch niemals konstruiert. Dazu lassen Stoff und Inszenierung zu viele Zwischentöne zu, machen zu viele Identifikationsangebote. Das junge Publikum nutzt diese fasziniert.

Terminvereinbarungen für Schulklassen bei Christine Klinke am Jungen Schauspiel unter (0511) 9999 2855.

Von Thomas Kaestle

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