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Kultur Weltverbesserung im Ihmezentrum
Nachrichten Kultur Weltverbesserung im Ihmezentrum
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00:15 06.02.2019
Schrecklich nett: Kathrin Reinhardt und Jan Fritsch von der Agentur für Weltverbesserungspläne im Ihmezentrum. Quelle: Foto: Thomas Finster
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Hannover

Nariman, Khalil, Awa und Salima haben einen entscheidenden Nachteil, wenn es um die Wohnungssuche geht: ihren Namen. Viele Vermieter sind bei solchen Vornamen der Interessenten eher vorsichtig. Nicht so Gaby und Andy. Die beiden Mittfünfziger – finanziell und emotional einigermaßen abgefedert – haben Platz in ihrer Wohnung und suchen eine Mitbewohnerin oder einen Mitbewohner. Einen möglichst klangvollen, möglichst fremd klingenden Namen soll er oder sie haben. Was anderswo ein Nachteil ist, sollte hier zum Vorteil gereichen.

Die freie Theatergruppe „Agentur für Weltverbesserungspläne“ hat aus dieser Ausgangssituation (aus der sich gut auch eine Boulevardkomödie hätte entwickeln können) eine bezauberndes Kammer(n)spiel gemacht. In einer früheren Büroetage des Ihmezentrums nutzen die Weltverbesserer fünf Räume für eine Art Schaulaufen der Bewerber. Wobei: In der Inszenierung von Ulrike Willberg laufen nicht die Schauspieler, sondern die Zuschauer. In vier Gruppen zu jeweils etwa zehn Personen, wandern sie von Raum zu Raum und schauen sich die drei Kandidatinnen und den einen Kandidaten an. Jeder der Spieler (Kaouthar Slimani, Denise M’Baye, Salima El Kurdi und Shwan Karim) hat seinen Raum zu seiner eigenen Bühne gemacht. Und jeder kommt mit seiner Geschichte, die oft von eigenen Erfahrungen geprägt zu sein scheint, den Zuschauern sehr nah.

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Die Zuschauer werden wie Freunde der Gastgeber (Kathrin Reinhardt und Jan Fritsch) behandelt. Am Ende dürfen die Gäste abstimmen, wer von den vier Bewerberinnen und Bewerbern bleiben darf. Da hätte man das Stück, das den schlichten Titel „Vier Wände“ trägt, vielleicht noch ein bisschen zuspitzen, ein bisschen böser machen können. Aber zwei Kandidatinnen verzichten von sich aus auf ihren Platz in dieser schrecklich netten Familie, den Zuschauern bleibt die Auswahl erspart. Das Stück endet ein bisschen zu lieblich und optimistisch.

Das Ihme-Zentrum ist ein guter Ort für diese Form des Stationendramas, ein ähnliches Format hatte hier bereits das Orchester im Treppenhaus entwickelt. Und im vergangenen Sommer hatte das Theater „Fenster zur Stadt“ eine Ortserkundung als Open-Air-Theater auf den Spuren von Teresa Orlowski unternommen. Das sind immer ganz erfreuliche Ruinenbelebungen. Und wie es aussieht, könnten davon noch weitere folgen.

7. bis 10. und 13. bis 16. Februar, jeweils 20 Uhr, im Ihmezentrum, Ihmepassage 7. Infos: www.ulrikewillberg.de

Von Ronald Meyer-Arlt