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Kultur Johannes von Matuschka inszeniert seine zweite Oper in Hannover
Nachrichten Kultur Johannes von Matuschka inszeniert seine zweite Oper in Hannover
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00:18 04.04.2019
„Regisseur aus tiefstem Herzen“: Johannes von Matuschka. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Was macht ein Jurist in der Oper? Mit dieser Frage könnte ein schlechter Witz beginnen. So kann aber auch eine ganz ernst gemeinte Frage nach der Biografie des Regisseurs Johannes von Matuschka aussehen. In wenigen Tagen feiert seine Operninszenierung „Die Gezeichneten“ in Hannover Premiere. Kaum zu glauben, dass der 44-Jährige einst ein Jura-Staatsexamen abgelegt hat.

„Diese Entwicklung war für mich irgendwie organisch“, sagt von Matuschka und überlegt kurz. „Ich wollte Jura nicht gleich abbrechen und habe deshalb noch das erste Staatsexamen durchgezogen.“ Parallel dazu schaffte er die Aufnahmeprüfung am Wiener Max Reinhardt Seminar, studierte schließlich Schauspiel und Regie. „Jura und Regie sind nicht weit voneinander entfernt“, sagt von Matuschka heute – manch ein Strafprozess gleiche einer Tragödie, im Theater wie im Rechtssystem müsse man komplexe Zusammenhänge verstehen, Figuren arrangieren.

Als Mr. Whitman zum Kinostar in der Edelstein-Trilogie

Und doch: Statt im Gerichtssaal fühlt sich der Regisseur im Theater zu Hause. Er arbeitete bei Projekten in Indien, Frankreich und Österreich, inszenierte Stücke an den Stadt- und Staatstheatern in Berlin, Nürnberg, Konstanz und Kiel. „Ich bin Regisseur aus tiefstem Herzen“, sagt er. „Schauspielerei hingegen ist eine Leidenschaft.“ Eine Leidenschaft, die ihm als Mr. Whitman in der erfolgreichen „Edelstein-Trilogie“ zum Kinostar machte. Das waren seine „15 Minuten Fame“, wie er scherzt. „Auf einmal musste ich Autogramme auf dem Pausenhof meines Sohnes schreiben“, erinnert er sich und lacht. Der Ausflug in die Kinowelt sei ein großer Spaß gewesen, den er auch wiederholen würde. Die Rolle habe er damals nur erhalten, weil Regisseur Felix Fuchssteiner fand, von Matuschka sehe aus wie ein Eichhörnchen. „Und genau so wird der Bösewicht im Buch beschrieben. Was sollte ich also tun?“.

Michael Klügl hat sein Talent erkannt

Vom Juristen zum Regisseur zum Kino-Schauspieler mitten in die Opernwelt. Was für ein Ritt. „Ich habe Michael Klügl viel zu verdanken“, sagt von Matuschka über Hannovers langjährigen Intendanten, der ihm sein erstes Opern-Engagement verschaffte. 2016 inszenierte von Matuschka „Der Traumgörge“ an der Staatsoper. „Michael Klügl hat mehrere Schauspielstücke von mir gesehen und mir vertraut, dass ich den Stoff musikalisch übersetzen kann.“ Und er konnte. Die Frage, ob von Matuschka auch in der letzten Spielzeit Klügls eine Oper in Hannover inszenieren wolle, war daher eher rhetorischer Natur.

„Die Gezeichneten“ zeigen die dunkelsten Seiten des Menschen

Wenn Johannes von Matuschka über sein neuestes Werk spricht, dann fängt er an wild zu gestikulieren. Inbrunst, Leidenschaft, Euphorie – zwischen zwei Proben fällt ihm das Schwärmen leicht. „Wir haben sechs Wochen intensiv mit diesem Stoff geackert“, sagt er. „Die Gezeichneten“ sei eine tiefenpsychologisches Oper. Die Brutalität der Männer, die fast toxisch wirke und die Rechte der Frauen systematisch untergrabe, würden Referenzen ins Hier und Jetzt zulassen. „Frauenquoten zu fordern ist leicht, doch wenn die unterschwellige Dominanz der Männer in so vielen Hierarchien bleibt, bringt es nichts“, sagt von Matuschka. Das würde auch diese Oper zeigen, die in einer tödlichen Spirale von Zerstörungswut und Perversion die männlichen Dominanz inszeniere. Nicht weniger habe ihn die Zerrissenheit der beiden Protagonisten Tamare und Alviano gereizt. Der eine als Sinnbild von Schönheit und Macht, der andere in seiner Hässlichkeit gefangen. „Das ist schon harter Tobak“, sagt von Matuschka. Das Stück bringe die tiefsten Ängste und dunkelsten Seiten des Menschen zum Vorschein. „Wenn man sich darauf einlässt, geht es mitten ins Herz.“

„Die Gezeichneten“ von Franz Schreker

Die Oper „Die Gezeichneten“ von Franz Schreker wurde vor 101 Jahren in Frankfurt uraufgeführt. Die Handlung der Oper, deren Libretto der Komponist selbst geschrieben hat, wird oft mit einem Psychothriller verglichen. Darum geht es: In Genua verschwinden regelmäßig junge Frauen, die von adeligen Männern vergewaltigt und getötet werden. Diese Gräueltaten geschehen auf der wunderschönen Insel Elysium vor den Toren der Stadt, die der hässliche Alviano geschaffen hat. Als dieser von den Taten dort erfährt, will er die Insel verschenken. Gleichzeitig verliebt er sich in die Künstlerin Carlotta. Eine dramatische Liebesgeschichte zwischen Brutalität, Fragilität und der Sehnsucht nach Schönheit nimmt ihren Lauf – und endet in menschlichen Abgründen und im Wahnsinn. „Die Gezeichneten“ hat am Sonnabend, 6. April, Premiere an der Staatsoper Hannover. Die musikalische Leitung hat Mark Rohde. Weitere Aufführungen gibt es am 10. und 13. April sowie am 11., 19. und 30.  Mai.

Die Zusammenarbeit mit Musikern anstelle von Schauspielern bezeichnet von Matuschka als einen „irren Vorgang.“ Über Musik miteinander zu sprechen, nehme man immer als selbstverständlich hin, es gleiche aber einem „ fast göttlichen Vorgang.“ Intensiv sei die Probenarbeit gewesen. „Wir sind in die tiefsten Schichten der Figuren eingedrungen. Auch der Chor war so spielfreudig und bereit, Ungewöhnliches zu probieren.“ Es braucht nicht viel Fantasie, um vorauszusagen, dass dies nicht der letzte Ausflug für Johannes von Matuschka in die Opernwelt sein wird. An Macbeth und Medea würde er sich nur zu gern versuchen – und an Puccinis „Tosca“. „Da schwirrt seit langem so eine Idee in meinem Kopf herum, die ist schon so klar und so gut“, schwärmt er. „Das wäre ein fantastischer Trip.“

Von Carina Bahl

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