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Kultur Die Techno-Bigband Meute im Pavillon
Nachrichten Kultur Die Techno-Bigband Meute im Pavillon
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00:16 04.02.2019
Die Techno-Bigband Meute im Pavillon Quelle: Thomas Kaestle
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Hannover

Mancher, der zum Konzert der Band Meute in den Pavillon gekommen ist, weiß nur, dass ihn etwas Besonderes erwartet. Nach drei Festivalsommern hat sich herumgesprochen, dass es sich lohnen könnte, live zu erleben, was die elf Musiker aus Hamburg auf die Bühne bringen. Andere sind gezielt gekommen, um Meute nochmals auf ihrer europäischen Clubtour zu sehen, bevor die Band die Welt bereisen wird. So oder so: Besucher und Musik vereinen an diesem Abend Welten, die sich sonst eher selten begegnen.

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Bilder des Konzerts im Pavillon Hannover

Das Konzert wurde vom Veranstalter Faust aus Platzgründen in den Pavillon verlegt – auch dessen 1000 Stehplätze waren schnell ausverkauft. Die Zusammenarbeit beider Musikorte beschreibt Meutes Grenzgang vielleicht genauer als die griffige Selbstzuschreibung „Techno-Marchingband“. Mit Trompeten, Saxophonen, Sousaphon, Marimbaphon, Glockenspiel, Flöte und Trommeln interpretieren die Hamburger präzise arrangierte Stücke von prominenten DJs aus den Techno- und House-Szenen. Sie fügen den elektronischen Originalen Wesentliches hinzu: Körperlichkeit, Visualität, Spektakel und Menschlichkeit.

Die Besucher des Konzertes lassen sich auf den Puls der Musik ein. Die komplexen Beats, Verläufe und Stimmungen erleben sie unmittelbar als das Ergebnis harter Arbeit anderer Körper. Musik, die für Maschinen komponiert wurde, erhält Muskeln, Hirn und Herz, indem sie für analoge Instrumente dekonstruiert wird. Konzentration, Koordination und Kooperation machen die gespielten Stücke zur virtuosen Gemeinschaftsleistung. Die Musiker sind dabei auch auf der Bühne immer in Bewegung, noch bevor sie am Ende der Show ins Publikum marschieren.

Alle Instrumente sind mobil und lassen ständig neue Konstellationen zu, bejubelte Soli am Bühnenrand, Bläser- und Trommlergruppierungen. Diese Musik ist filigran und treibend zugleich, vereint Big Band und Minimal Music. Sie macht alle im Saal zu einer Gemeinschaft mit der gar nicht stillen, aber wortlosen Übereinkunft: Wir stehen nicht still und ihr tut es auch nicht. Die Band beschwört in ihrer Selbstdarstellung die „archaische Verbindung von Blech und Trommeln“, verweist auf rhythmische Ekstasen am Lagerfeuer. Und resümiert dann ganz bodenständig: „Bei uns sieht man, wenn die Basedrum geschlagen wird. Und das ist geil."

Zwar hat Meute die Herzen der Fans innerhalb kürzester Zeit mit Musikvideos erobert, in denen die Band auf den Straßen des Hamburger Schanzenviertels spielt. Zwar signalisiert die Alltagskleidung, die die Musiker unter ihren roten Uniformjacken tragen, Individualität und Spontaneität. Zufall ist der Erfolg hingegen nicht. Bandgründer und Arrangeur Thomas Burhorn hat nicht nur Jazztrompete studiert, sondern auch Kulturmanagement. Er ist nicht nur wie seine Bandkollegen mit bekannten deutschen Bands wie Fettes Brot oder Kettcar unterwegs, sondern unterrichtet auch Marketing an der Hamburger Musikhochschule.

Burhorn hat erkannt, dass die Mischung aus Techno und Blaskapelle durchaus ein deutscher Exportschlager werden könnte. Dabei setzt er weniger auf den wilden Wumms, mit dem sich Bands wie La Brass Banda der Kombination nähern. Er macht sich die ausgefeilten Kompositionen der Originalstücke von Szenegrößen wie Âme, Flume oder Trentemøller zu Nutze und profitiert von der Exaktheit seiner Mitmusiker. Deren kleine Solo-Ausbrüche in Jazz, Blues und Soul werden dabei umso wirkungsvoller.

Meute schafft spielend die Reise vom Zirkustrommelwirbel über die Militärparade und die Großraumdisko in eine verrauchte Lounge in nur einem Stück. Die einzelnen Versatzstücke sind alle vertraut. Was die Band daraus macht, ist in der Tat außergewöhnlich.

Am Sonnabend, 2. Februar, um 20 Uhr spielt die Band 17 Hippies im Pavillon.

Von Thomas Kaestle

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