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Kultur Die Party des Jahres: Dieter Thomas Kuhn auf der Parkbühne
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Dieter Thomas Kuhn auf der Gilde Parkbühne in Hannover

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00:16 05.06.2019
„Ihr könnt ja Bier holen gehen“: Dieter Thomas Kuhn auf der Parkbühne in Hannover. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Dieter Thomas Kuhn ist der Hofnarr im Schlageruniversum: Er lässt sich als dessen König feiern, schafft es dabei, sich gründlich darüber lustig zu machen – und dennoch amüsieren sich alle köstlich. Sein Mantra, das er auch in diesem Jahr wieder auf der Gilde Parkbühne zelebriert, ist, bloß nichts an lieb gewonnenen Ritualen zu ändern.

Längst ausverkauft

Die Show, die bei bestem Wetter frühzeitig die Sommersaison eröffnet, war mit 5000 Zuschauern schon lange ausverkauft – auch wenn es gar kein neues Album gibt. Bei ihrer Party des Jahres sind Kuhns Fans ohnehin glücklicher mit den alten Hits.

Das jährliche Ritual ist längst geplant, spätestens seit der Schwabe im vergangenen Sommer zum Abschluss fragte: „Könntet ihr euch vorstellen, dass wir uns nächstes Jahr wieder hier treffen?“ Und natürlich fragt er auch diesmal wieder.

Die Fans kennen jede Zeile. Quelle: Franson

Auf den ersten Blick ist die von ihm seit 25 Jahren sorgsam konstruierte Welt streng konservativ, ein Best of des deutschen Schlagers von den Sechzigerjahren bis heute. Dass das nicht schon alles sein kann, wird jedoch spätestens bei den Kostümen klar. Nicht bei denen Kuhns und seiner „Kapelle“, wie er die Band liebevoll nennt. Die bedienen zwar die gängigen Klischees, von der blonden Fönfrisur des Sängers über viel Brusthaar bis zu Anzügen in knalligen Farben.

Schnauzbart und Hawaiihemden

Doch die der Fans sind wesentlich bunter. Es ist Schlagerkarneval vor der Parkbühne. Und dabei ist alles erlaubt, was auch nur vage in die Assoziationsräume passt. Hauptsache schrill und anders. Tapetenmuster aus den Siebzigern treffen auf Hawaiihemden und Paillettenjacketts, Neongrün auf Kompostbraun, Sonnenbrillen, Stirnbänder, Schnäuzer und Koteletten auf Rüschenhemden und Plüschstulpen. Der Stil der Perücken reicht von Jimi Hendrix und Axl Rose bis Mozart, Arielle und Boris Johnson. Inmitten dieser Mischung aus Rosenmontag, Junggesellenabschied und einer Schulaufführung des Musicals „Hair“ dominieren Sonnenblumen.

Die Fans kennen jeden Gag

Sie sind aus Plastik, wie vermutlich alles an diesem Abend. Wie gut, dass sie im kommenden Jahr wieder gebraucht werden. Kuhn selbst glitzert in Weiß und Silber, das überdimensionierte Peace-Zeichen auf seinem Rücken ist rot. Er ist der Guru dieses Universums, denn er hat es erschaffen, mit all seinen Regeln und Ritualen. Alles ist geplant, alles wird genau so erwartet, die Fans kennen jede Zeile, jeden Gag.

Die große Schlagerparade: 5000 Fans feiern in der Parkbühne.

Die Songs kommen aus dem Popkultur-Baukasten. Die Schunkelhits und Partykracher darunter sind beeindruckend effektiv arrangiert und werden von der Band mit maximalem Druck in maximalem Tempo abgefeuert. Bei „Sag mir quando, sag mir wann“ schichten sich Bläser- und Orgelsounds zur „Fiesta Mexicana“ – der gleichnamige Song überschlägt sich dann fast beim Lichtgeschwindigkeits-Hossa.

„Ihr könnt ja Bier holen gehen“

Moskau“ kommt mit trashigem Klimperkeyboard und echtem Feuerwerk. Und „Wunder gibt es immer wieder“, betört mit einer funkigen Orgel. Doch dann sind da noch die Lieder, die Kuhn erst zu Partyschlagern gemacht hat, die eigentlich leisen, nachdenklichen deutschsprachigen Titel.

Reinhard Meys „Über den Wolken“ verliert ein wenig die Würde bei Rumba und Trallala, und Juliane Werdings „Am Tag als Conny Kramer starb“ wurde möglicherweise nicht nur für bierseliges Schunkeln geschrieben. Dass eine leise Nummer wie Udo Lindenbergs „Meine erste Liebe“ nicht karnevalstauglich ist, weiß Kuhn selbst. „Ihr könnt ja Bier holen gehen“, sagt er trotzig.

„Einmal verrückt sein“

An Rio Reisers „Für immer und dich“ scheitert er traditionell. Denn Reisers hohe Kunst war es, kitschige Songs ohne Kitsch zu singen – Kuhns Kunst funktioniert genau andersherum. Dessen Power-Version von „Ich war noch niemals in New York“ lässt Udo Jürgens im Vergleich zum Intellektuellen werden – enthält aber das eigentliche Motto der Party: „Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen.“

Das Programm auf der Parkbühne

Das Sommerprogramm auf der Parkbühne wird am Freitag, 23. August, fortgesetzt.

Dann spielen Pur: Beginn ist um 20 Uhr.

Am 31. August sind Deine Freunde zu Gast. Die Show ist bereits ausverkauft.

Das Konzert von Snow Patrol am 11. Juni wurde ins Capitol verlegt. Gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Von Thomas Kaestle

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