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Kultur Ausstellung zeigt Schätze des Mittelalters
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Dommuseum Hildesheim: Ausstellung zeigt Schätze des Mittelalters

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20:18 27.09.2019
Pracht der Bilder: Die Marienkrönung aus dem frisch restaurierten Altar des Trinitatishospitals. Dieser war einst so platziert, dass die Kranken die Szene von ihrem Saal aus sehen konnten. Quelle: RPM Hildesheim / Stefan Kube
Hildesheim

Ein Gespenst ging um in Europa: die Angst vor der Islamisierung. Gleichzeitig wuchs die Mobilität rasant, der Fernhandel ebnete einer frühen Globalisierung den Weg, und technische Neuerungen läuteten ein Zeitalter der Umbrüche ein. In vielem erinnert die Zeit um 1400 an heute. Es gab sogar einen verheerenden Klimawandel, nur verlief dieser damals in umgekehrter Richtung: Nach mehreren harten Frösten gaben norddeutsche Winzer 1437 reihenweise den Weinanbau auf; im Gefolge der Abkühlung grassierten Krankheiten, eine Warmzeit ging zu Ende.

Erstrahlt in neuem Glanz: Das Altarretabel aus der Kapelle des Trinitatishospitals in Hildesheim. Quelle: Stefan Kube

In der Ausstellung „Zeitenwende 1400“ lässt das Dommuseum Hildesheim jetzt – parallel zur gleichnamigen Partnerausstellung im Landesmuseum Hannover – jene Epoche neu erstehen. Zu sehen sind rund 100 Exponate auf 1000 Quadratmetern; das komplette Museum wurde für die aufwendige Schau umgestaltet. Es ist die größte Ausstellung dort seit der Wiedereröffnung des Hauses vor vier Jahren.

Verschwenderische Fülle

Zu sehen ist eine verschwenderische Fülle an Skulpturen und Münzen, Chroniken und Landkarten, Gemälden und prachtvollen Reliquiaren. Als Leihgaben stammen die mittelalterlichen Schätze teils aus Florenz, Cleveland und dem Metropolitan Museum in New York.

Andächtig: Die kleine Marmorskulptur des knienden Kartäusermönchs, erschaffen wohl um 1390 in Dijon, ist eine Leihgabe aus Cleveland. Quelle: Gary Kirchenbauer

Im Zentrum der Ausstellung steht Hildesheim, doch das schmälert ihre europäische Perspektive nicht. „Der Bischof von Hildesheim spielte damals in der Champions League“, sagt Museumsdirektorin Claudia Höhn. In einer Vitrine ist ein prachtvoll verziertes Trinkhorn des Oberhirten zu sehen – es ähnelt frappierend dem Trinkhorn des mächtigen Erzbischofs von Salzburg, das gleich daneben steht.

Norddeutschland erlebte um 1400 eine kulturelle Blüte. In Hildesheim wurden Stadt und Dom im großen Stil ausgebaut. Ein Kelch von Bischof Gerhard, gefertigt aus reinem Gold, zählt zu den prächtigsten Goldschmiedearbeiten jener Ära. Bis heute wird er in Gottesdiensten benutzt.

Kulturelle Blüte um 1400

Zugleich erstarkte in Hildesheim das Bürgertum, Hospitäler und Klöster wurden erweitert oder ganz neu gegründet. Eine Art Reiseführer belegt, dass der Dom ein beliebtes Pilgerziel war. Sein Hochaltar barg Schätze wie ein chinesisches Seidenkissen. Von einer Wallfahrt brachte ein Domherr Reliquien des Heiligen Jakobus von Nisibis mit heim, der bis heute von Muslimen und Christen als Schutzpatron der Stadt Nusaybin in der Türkei verehrt wird. Auch Reliquiare aus Kokosnüssen und erstaunlich präzise Landkarten vermitteln im Dommuseum eine Vorstellung vom florierenden globalen Fernhandel jener Zeit.

Meisterwerk der Goldschmiedekunst: der Kelch des Hildesheimer Bischofs Gerhard. Quelle: Dommuseum Hildesheim, Florian Monheim

Der Gelehrte Nicolaus Cusanus verfasste angesichts massiver Konflikte mit dem Islam seine visionäre Schrift „Vom Frieden zwischen den Religionen“. Bei einem Besuch in Hildesheim ließ der Humanist 1452 in St. Lamberti eine Tafel mit Gebeten wie dem Vaterunser im Hildesheimer Platt aufstellen, um Volksbildung und Frömmigkeit zu mehren.

Prachtstück der Ausstellung ist jedoch ein frisch restauriertes Altarretabel, das lange eher unbeachtet in der St.-Bernward-Kirche stand. Einst war es im Hildesheimer Trinitäts-Spital so platziert, dass die Kranken von ihrem Saal aus die vielen goldglänzenden Figuren im Blick hatten. Eine Bilderflut, von der man sich Heil und Erlösung versprach. In einer Zeit, die der unseren bemerkenswert nah erscheint.

„Zeitenwende 1400“ ist bis zum 2. Februar im Hildesheimer Dommuseum zu sehen. Der opulent gestaltete Katalog kostet 24 Euro. Infos unter (0 51 21) 30 77 70.

Von Simon Benne

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