Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Experten: Mehr Einsatz bei Raubkunstforschung nötig
Nachrichten Kultur Experten: Mehr Einsatz bei Raubkunstforschung nötig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 03.12.2018
„Zu wenig geleistet“: Stuart Eizenstat, Sonderberater des US-Außenministeriums mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Konferenz in Berlin.
„Zu wenig geleistet“: Stuart Eizenstat, Sonderberater des US-Außenministeriums mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Konferenz in Berlin. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Anzeige
Berlin/Hannover

20 Jahre nach Verabschiedung der Washingtoner Erklärung haben in Berlin Experten aus aller Welt mehr Nachdruck bei der Aufklärung von NS-Kunstraubfällen gefordert. In den Museen, Bibliotheken und Archiven seien vor allem mehr Stellen nötig, um die Forschung zur Provenienz voranzutreiben, also darüber, wie die Kunstwerke in den Besitz ihrer heutigen Eigentümer gelangt sind.

Die rund 800 Forscher haben auf Einladung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste an einer Konferenz über die Umsetzung der Washingtoner Erklärung beraten. Auf diese Prinzipien hatten sich vor 20 Jahren 44 Staaten in der US-Bundeshauptstadt verpflichtet – und sich damit zu dem Ziel bekannt, „faire und gerechte Lösungen“ mit den Opfern des NS-Kunstraubs oder ihren Erben zu finden.

Podium zu Raubkunstforschung im Kestner-Museum Hannover

Deutschlands oberster Raubkunstforscher Gilbert Lupfer, Vorstand des Zentrums Kulturgutverluste, ist am Montag, 3. Dezember, Gast eines Podiums zur Raubkunstforschung, an dem auch die hannoverschen Provenienzforscher Annette Baumann und Johannes Schwartz teilnehmen. Das von der früheren Kulturdezernentin Marlis Drevermann und HAZ-Redakteur Daniel Alexander Schacht moderierte Gespräch beginnt um 19.30 Uhr im Kestner-Museum. Bereits um 18 Uhr startet dort eine Preview der Ausstellung zum Thema Raubkunst, die am 5. Dezember um 19 Uhr eröffnet wird.

Zum Auftakt der Konferenz hatten sich Deutschland und die USA erneut zu einer rückhaltlosen Aufklärung von Raubkunstverbrechen bekannt. Dies sei „eine bleibende Verplichtung besonders für Deutschland“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei dem Treffen, an dem auch der US-Sonderbeauftragte für Holocaustfragen Stuart Eizenstat teilnahm. „Deutschland hat bisher in diesem Bereich zu wenig geleistet“, sagte Eizenstat mit Blick darauf, das die Washingtoner Prinzipien bislang nur auf öffentliche Museen und Sammlungen Anwendung finden.

Gilbert Lupfer, Vorstand des Zentrums Kulturgutverluste, erklärte, nicht nur Museen, Bibliotheken und Archive, sondern auch der Kunsthandel und Privatbesitzer müssten die Herkunft ihrer Bestände auf NS-Raubkunst überprüfen. Die Kulturstaatsministerin kündigte bei der Konferenz an, private Sammlungen künftig zu sanktionieren, wenn sie sich nicht an der Aufarbeitung beteiligen. Nach ihren Worten den Worten von

Die Nazis hatten zwischen 1933 und 1945 zahllosen, meist jüdischen Kunstsammlern ihre Schätze gewaltsam entzogen oder abgepresst. Schätzungen gehen von rund 600 000 geraubten Objekten aus. Seit 1998 wurden nach Darstellung von Grütters in Deutschland mehr als 5750 Kulturgüter an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückgegeben. Hinzu kamen mehr als 11.670 Bücher und anderes Bibliotheksgut.

Von Daniel Alexander Schacht

30.11.2018
Kultur NDR Radiophilharmonie - Konzert mit Christoph Eschenbach
03.12.2018