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Kultur Figuralchor singt Monteverdi
Nachrichten Kultur Figuralchor singt Monteverdi
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13:26 02.12.2018
Jörg Straube leitet den Norddeutsche Figuralchor und Musica Alta Ripa bei Claudio Monteverdis „Marienvesper" in der Marktkirche. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Die Musik scheint meditativ zu entschweben, scheint sich mit letzten, im Kirchenschiff der Marktkirche zart widerhallenden Echos zu verabschieden, bevor noch einmal kurz ein Netz kontrapunktischer Linien geknüpft wird, die in einem knappen „Amen“ münden. So unspektakulär verhalten also MonteverdisMarienvesper“ zum Schluss des Magnificats endet, so weltlich spektakulär wird sie dagegen mit der lautstarken Fanfare des Herzogs von Mantua eröffnet. Womit dieses „musikalische Wappen“ strahlenden, diesseitigen Glanz vermittelt: Monteverdis Art (wie auch beim Auftakt zu seiner Oper „L’Orfeo“), seinem Dienstherrn zu huldigen.

Der Norddeutsche Figuralchor, das durch Zinken und Posaunen erweiterte Ensemble Musica Alta Ripa und Dirigent Jörg Straube, vermittelten aber keineswegs den Eindruck, einen kompakten Kraftakt bewältigen zu müssen. Immerhin hatte Straube auf die Verpflichtung von externen Gesangssolisten verzichtet. Womit sich zum Schluss gleich neunzehn Chormitglieder, die die Solopartien unter sich aufteilten, vor dem Publikum verbeugen konnten. Zu erleben war eine entsprechende Ensembleleistung, die von solistischer Virtuosität ebenso geprägt war, wie von prächtig strahlenden Choreinschüben.

MonteverdisMarienvesper“ hat aber offenbar nicht die Popularität und Zugkraft etwa von Bachs „Weihnachtsoratorium“. Etliche Plätze blieben jedenfalls am Freitagabend in der Markkirche leer. Schade! Wo bleibt die Neugier, die Entdeckerfreude sonst regelmäßiger Konzertgänger? Bildet doch die „Marienvesper“ (auch wenn unklar ist, wann, wie und wo die um 1610 entstandenen einzelnen Teile zum ersten Mal zusammenhängend aufgeführt wurden) das wohl bedeutendste geistliche Werk der musikalischen Zeitenwende zwischen Renaissance und Frühbarock. Monteverdi schöpft schließlich aus dem Vollen seines kompositorischen Repertoires, und zeigt diese Meisterschaft nicht nur bei Affekten, chorischer Kontrapunktik und kunstvollen Instrumentalritornellen. Wobei über allem immer das Ideal einer in wunderbaren Tönen erklingenden Marienverehrung schwebt.

Auf diese Zusammenhänge und Kontraste zielte Jörg Straube und führte den Figuralchor zu federndem Deklamieren und Musica Alta Ripa zu pointierten Instrumentalklängen. Wer nicht gekommen war, hatte etwas verpasst!

Von Günter Helms

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